Der Arm eines Steuerfahnders - an ihm ist eine Armbinde mit der Aufschrift Steuerfahndung angebracht
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Mehr als 10 Prozent zusätzliche Steuereinnahmen könnten dem Staat zur Verfügung stehen, denn diese Summe geht durch Steuerhinterziehung verloren.
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Mehr als 10 Prozent zusätzliche Steuereinnahmen könnten dem Staat zur Verfügung stehen, denn diese Summe geht durch Steuerhinterziehung verloren.

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Einschränkung der Selbstanzeige: Was Steuersündern künftig droht

Einschränkung der Selbstanzeige: Was Steuersündern künftig droht

Mehr als zehn Prozent zusätzliche Steuereinnahmen könnten dem Staat zur Verfügung stehen – doch diese Summe geht durch Steuerhinterziehung verloren. Daher will das Finanzministerium nun härter durchgreifen. Welche Maßnahmen bekannt sind.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Lars Klingbeil (SPD) kann sich als Bundesfinanzminister über immer höhere Steuereinnahmen freuen. So sind laut Statistischem Bundesamt die Einnahmen von Bund, Ländern und Kommunen im letzten Jahr bereits auf rund 989,8 Milliarden Euro gestiegen.

Stetig steigende Steuereinnahmen trotz aller Schwierigkeiten

Für 2026 erwartet der Arbeitskreis Steuerschätzung in seiner Prognose sogar 998,7 Milliarden Euro. Und das trotz der schwachen Konjunktur. Bei geringem Wirtschaftswachstum fallen die Steuermehreinnahmen in der Regel niedriger aus, während die staatlichen Sozialausgaben tendenziell steigen.

Die ursprüngliche Steuerschätzung war deshalb noch von 17,8 Milliarden Euro mehr ausgegangen. 2027 soll die Marke von einer Billion Euro dann endgültig überschritten werden.

Straffreiheit durch Selbstanzeige entfällt

Gedacht ist an höhere Strafen, wobei die Einzelheiten noch nicht feststehen. Was zudem kommen soll: Eine Einschränkung der Selbstanzeige, bei der es keinen "Automatismus" mehr geben soll.

Bislang sollte die Selbstanzeige Strafverfahren verkürzen, sodass der Staat schneller sein Geld bekommt, und die Justiz entlastet wird. Die Kehrseite ist jedoch, dass eine gerechte Strafe im Einzelfall entfallen kann, zum Missfallen des Finanzministers.

Mit einer Selbstanzeige können Steuersünder bislang unter Umständen ihre Strafe abmildern oder sie sogar völlig umgehen. Das funktioniert aber auch nicht immer, wie der Fall Uli Hoeneß (BR Archiv) und seine mehrjährige Haftstrafe gezeigt haben.

Wo fehlen die Steuern? Das sagen die Experten der Finanzämter

Die Forschung unterscheidet zwischen heller, also aufgedeckter und dunkler, unerkannter Hinterziehung. Letztere lässt sich nur schätzen. Die Deutsche Steuer-Gewerkschaft schätzt das nicht entdeckte Volumen von Steuerhinterziehung auf rund 100 Milliarden Euro. Dieser Wert sei über die Jahre in etwa gleichgeblieben. Diese Schätzung entspricht rechnerisch etwa zehn Prozent der jährlichen Steuereinnahmen. Mitglieder der Gewerkschaft sind überwiegend selbst in Finanzverwaltungen tätig.

Daneben gibt es ein Hellfeld von entdeckten, aber nicht gezahlten Steuern. Das können auch offene und strittige Forderungen sein, wenn etwa Steuerberater einen Fall anders sehen als das Finanzamt. Dieses Hellfeld hält die Steuergewerkschaft für wesentlich geringer.

Auswertungen von Bund und Ländern nicht einheitlich

Das Bundesfinanzministerium berichtete für 2024 von entdeckten Mehrsteuern in Höhe von 2,6 Milliarden Euro. Die Steuerfahndung hatte dafür bundesweit rund 34.247 Fälle aufgedeckt. Rund 50.000 Strafverfahren wurden abgeschlossen mit zahlreichen Freiheits- und Geldstrafen.

Für einzelne Bundesländer gibt es keine Auswertungen. Der Freistaat Bayern veröffentlicht lediglich eine gemeinsame Statistik von Steuerfahndung und Betriebsprüfungen im Außendienst. Diese beiden Maßnahmen zusammen konnten im Jahr 2024 zusammen 3,26 Milliarden Euro an Mehrsteuern erzielen.

Stetige Ausfälle vor allem durch Umsatzsteuer- und Bargeldbetrug

Im kriminellen Dunkelfeld steht Betrug mit Umsatzsteuern, mit oft internationalen Umsatzsteuerkarussells, demnach an erster Stelle. Er soll etwa 15 bis 20 Milliarden Euro im Jahr ausmachen.

Fast genauso hoch wird Bargeldbetrug wie in Handel und Gastronomie bewertet, etwa durch Manipulationen an den Kassen und verschleierte Zahlungen.

Umfangreiche Forschungen zu Schattenwirtschaft & Schwarzarbeit

Genauer will man es bei Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit wissen. Deren gesamtes finanzielles Volumen 2026 beziffert Professor Friedrich Schneider von der Universität Linz mit mehr als 538 Milliarden Euro. Laut Berechnungen des Experten für organisierte Kriminalität macht dieser Bereich in Deutschland etwa 11,6 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts aus.

Dennoch gehen die Schätzungen weit auseinander, was dem Staat dadurch konkret für Ausfälle entstehen: Die Studien nennen Ergebnisse zwischen 16 und 50 Milliarden Euro an nicht gezahlten Steuern sowie fehlenden Sozialabgaben.

Finanzkontrolle Schwarzarbeit funktioniert noch nicht richtig

Tatsächlich aufgedeckt wird hier bislang nur ein winziger Bruchteil von etwas mehr als 1 Promille des geschätzten Volumens. So meldete die zuständige Finanzkontrolle Schwarzarbeit 2025 nur Schäden von 675 Millionen Euro.

Die Bundesregierung reagiert darauf jetzt mit einer Aufstockung der Zollfahndung. Beim Zoll sollen sich künftig 1.500 zusätzliche Mitarbeiter vor allem um die mögliche Schwarzarbeit auf deutschen Baustellen kümmern.

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