"Für Geschäfte mit einem jährlichen Umsatz von über 100.000 Euro führen wir ab dem 01.01.2027 eine Registrierkassenpflicht ein." So steht es im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD auf Seite 60. Wenn das so kommt, werden sich Betroffene schon kommendes Jahr darauf vorbereiten und entsprechende Kassen anschaffen müssen. Die Maßnahme soll Steuer- und Sozialversicherungsbetrug in bargeldintensiven Branchen erschweren.
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Elektronische Kassensysteme: Vorbild Österreich
Noch werden "regierungsintern Vorschläge zur Umsetzung der o.g. Maßgabe des Koalitionsvertrags entwickelt", wie es in einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Kleine Anfrage von Grünen-Bundestagsabgeordneten vom September dieses Jahres heißt.
Aber: Bald könnten in Deutschland wie in Österreich Betriebe verpflichtet werden, alle Umsätze über elektronische Kassensysteme zu verbuchen.
Geld in Pappschachteln an der Steuer vorbei
Florian Köbler, Vorsitzender der Deutschen Steuer-Gewerkschaft (DSTG), hält die Registrierkassenpflicht für "absolut essenziell". Köbler sagt: "In der sogenannten bargeldintensiven Branche ist der Betrug doch sehr verbreitet und es geht darum, faire Marktbedingungen für alle Markteinnehmer zu schaffen."
Bargeldintensive Branchen – das sind zum Beispiel Gastronomie, Friseure und Barber-Shops, bestimmte Bereiche des Einzelhandels. Köbler hat selbst erlebt, wie in Berliner Spätis das eingenommene Bargeld in einer Pappschachtel neben der Kasse verschwand – und vermutet, dass die Einnahmen aus dieser Schachtel nie bei der Steuer auftauchen.
Bis zu 50 Milliarden Euro Schaden
Die Bundesregierung will keine Schätzung abgeben, wie hoch der Schaden sein könnte: "Steuerhinterziehung findet im Verborgenen statt, weshalb sich die Höhe von Steuermindereinnahmen durch Manipulationsbetrug an Kassensystemen nicht (…) beziffern lässt", heißt es in der Antwort des Bundesfinanzministeriums auf die Kleine Anfrage.
Der DSTG-Vorsitzende Köbler wird deutlicher: 15 bis 20 Milliarden Euro, schätzt er, entgehen dem Staat jährlich an Steuern durch schwarze Kassen – dazu kämen Folgekosten, etwa durch Schwarzarbeit, nicht abgeführte Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge. Das könne sich auf bis zu 50 Milliarden Euro pro Jahr summieren: "Der Ehrliche", so Köbler, "ist hier leider wirklich der Dumme."
Registrierkassen gegen Steuerhinterziehung
Registrierkassen sollen jeden Umsatz automatisch verbuchen und so Steuerhinterziehung erschweren. Bernd Ohlmann, Pressesprecher des Handelsverbandes Bayern, sagt, der Handel würde die Kassenpflicht im Großen und Ganzen nicht nur negativ sehen.
Denn durch die elektronischen Kassensysteme sparen die Betriebe auch Aufwand für Dokumentations- und Buchhaltungspflichten. Der Nachteil allerdings seien die Anschaffungskosten für digitale Registrierkassen, die gerade kleine Betriebe belasten könnten.
Keine Bonpflicht mehr?
Gregor Lemke, Wirt des Augustiner Klosterwirts in München, hat nichts gegen eine Registrierkassenpflicht – einfach, weil er schon alle seine Umsätze über elektronische Kassen verbucht, sagt er. Der Koalitionsvertrag sieht vor, Betriebe zu verpflichten, neben Bargeld mindestens eine digitale Bezahlmöglichkeit anzubieten, also etwa Kartenzahlung – das macht er im Klosterwirt längst.
Für Lemke ist ein anderes Vorhaben in Zusammenhang mit der Registrierkassenpflicht wichtig: Die Bundesregierung will die Bonpflicht abschaffen. Bisher musste für jeden Bezahlvorgang ein Kassenbon ausgedruckt werden, auf Thermopapier. Laut Lemke wollen aber nur fünf bis zehn Prozent der Gäste den Bon überhaupt haben – der Rest landet im Müll. Im Koalitionsvertrag heißt es: "Wir schaffen die Bonpflicht ab." Lemke sagt: So ließe sich allein in seinem Lokal säckeweise Müll sparen.
Dieser Artikel ist erstmals am 15.12.2025 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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