(Symbolbild) Lokführer passiert ICE am Bahnsteig in München
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(Symbolbild) Die nächste Tarifrunde bei der Deutschen Bahn startet.
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(Symbolbild) Die nächste Tarifrunde bei der Deutschen Bahn startet.

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Tarifrunde bei der Deutschen Bahn: Darum geht es

Tarifrunde bei der Deutschen Bahn: Darum geht es

Im Warten sind Bahn-Kunden geübt. Abwarten heißt es für sie auch in der am Donnerstag startenden Tarifrunde zwischen der GDL und dem Konzern. Wenn bis März kein Ergebnis steht, könnte die streikerprobte Lokführergewerkschaft zu Aktionen aufrufen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Tarifrunden bei der Bahn waren in den vergangenen Jahren immer ein besonderes Erlebnis: für die Gewerkschaften, den Konzern und vor allem die, die mit dem Zug unterwegs sein wollen. Kommt es zu Aktionen, bekommen das viele zu spüren – und da bei der Bahn zwei Gewerkschaften in Konkurrenz für die Interessen der insgesamt rund 200.000 Beschäftigten kämpfen, müssen Fahrgäste sich öfter auf Warnstreiks einstellen.

Ob es auch jetzt wieder soweit kommt, entscheidet sich bis Ende Februar. Mehrere Treffen sind bis dahin vereinbart – ein Verhandlungsmarathon ohne Garantie zur Einigung. Dann endet die Friedenspflicht. Eine Schlichtung im März könnte der allerletzte Versuch sein, die Tarifrunde ohne Aktionen zu beenden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur nächsten Tarifrunde bei der Deutschen Bahn:

Worum geht es in der Tarifrunde zwischen GDL und Bahn?

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat im Sommer bereits ein ganzes Paket mit Forderungen präsentiert. Dazu zählt ein Einkommensplus von 3,8 Prozent für die Tarifbeschäftigten.

Die Vergütung der Auszubildenden soll auf mindestens 50 Prozent des regulären Berufsentgeltes und damit deutlich angehoben werden. Die Bahn tut sich schwer, Nachwuchs zu finden. Außerdem soll eine neue Gehaltsstufe dazukommen für die Mitarbeitenden, die mehr als 35 Jahre dabei sind. Dabei hat die Gewerkschaft den Ruhestand der Betroffenen im Blick. In diesen würden die älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dann von einem höheren Niveau aus starten.

Der neue Vorsitzende der Gewerkschaft, Mario Reiß, spricht selber von einer "anspruchsvollen Tarifrunde". Der Verhandlungsführer der Bahn, Martin Seiler, widerspricht dem nicht. Der Konzern beziffert das Volumen insgesamt mit weit über acht Prozent, auf die die GDL kommt. Da die Bahn derzeit in den Miesen fährt, dürften die Gespräche in der Tat schwierig werden.

Was wurde in der letzten Tarifrunde beschlossen?

Die Arbeitszeiten hat die GDL mit der Bahn bei der letzten Tarifrunde festgelegt. Sie soll bis 2029 auf 35 Stunden die Woche reduziert werden können. Das ist ein Optionsmodell – sprich, wer dafür lieber Geld hätte, bekommt pro Stunde 2,7 Prozent mehr Lohn. Der erste Schritt wurde jetzt auf 37 Stunden die Woche vollzogen.

Laut Bahn hat die große Mehrheit der im Schichtdienst Beschäftigten sich für das Geld statt Zeit entschieden. Gerade in den Ballungsräumen mit hohen Mieten haben Bahnbeschäftigte ein Problem, über die Runden zu kommen. Ein Lokführer verdient laut Bahn im Schnitt inklusive Zulagen rund 4.600 Euro brutto im Monat. Im Zugbegleitdienst sind es rund 4.000 Euro.

Für wen wird verhandelt?

Auch wenn sie im Namen immer noch das Wort Lokomotivführer trägt: Die GDL verhandelt inzwischen für das gesamte Zugpersonal – also nicht nur Lokführer, sondern auch Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter oder Servicekräfte in den Bordrestaurants.

Zuständig fühlt sie sich auch für den Bereich Infrastruktur. Das sind zum Beispiel auch die Fahrdienstleiter in den Stellwerken, die mit ihren Aktionen den Bahnverkehr lahmlegen könnten. Der Konzern hat diese Zuständigkeit bisher zumindest bestritten. Die GDL sei dort nicht groß organisiert. Auch das will die Gewerkschaft jetzt wieder am Verhandlungstisch besprechen.

Was ist von der Tarifrunde zu erwarten?

Die meisten Beschäftigten der Bahn sind bei der Konkurrenzgewerkschaft EVG organisiert, der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft. Die hat mit der Bahn im letzten Frühjahr einen eigenen Tarifvertrag unterschrieben. Laut Bahn unterscheiden sich beide im Volumen nicht wesentlich.

Nicht mehr mit dabei ist ein Mann, der sich in etlichen Tarifrunden bei der Bahn nicht gerade beliebt gemacht hat: Claus Weselsky. Er ist mittlerweile im Ruhestand. Sein Nachfolger Mario Reiß gilt als konzilianter und konstruktiver. Er hat aber in den vergangenen Jahren schon in den Tarifkonflikten mitbestimmt. Streiks schließt er nicht aus. Das habe die Bahn in der Hand, sagt er auf Nachfrage von BR24. Die seien aber vermeidbar. Personalvorstand Martin Seiler will – wie er sagt – mit ausgestreckter Hand in die Tarifrunde gehen. Er bietet konstruktive Gespräche an.

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