Klingelanlage an einem Wohnhaus
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Klingelanlage an einem Wohnhaus
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Wie Wohnungsmangel der bayerischen Wirtschaft schadet

Wie Wohnungsmangel der bayerischen Wirtschaft schadet

Teurer Wohnraum schränkt die Mobilität ein: Umzüge wegen neuer Jobs lohnen sich oft nicht mehr. Betroffen sind etwa die Tourismusbranche, der öffentliche Nahverkehr oder auch Pflege- und Bauberufe. Wie Arbeitgeber versuchen, gegenzusteuern.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

In manchen Berufen ist die Wohnungsnot besonders groß. So etwa im Landkreis Garmisch-Partenkirchen in der Tourismusbranche. Jedes Jahr kommen hunderttausende Besucher in die Region, angelockt von der alpinen Landschaft und den Freizeitangeboten.

Wohnraum für Lehrlinge Mangelware

Doch das Personal, das in den zahlreichen Restaurants und Hotels beschäftigt ist, kann ohne Unterstützung der Wirte und Hotelbetreiber auf dem freien Markt so gut wie keine bezahlbaren Wohnungen finden. Weil auch die Arbeitgeber zunehmend Schwierigkeiten haben, an günstige Wohnungen zu gelangen, steigt die Angst vor Personalengpässen.

Besuch in dem kleinen Feinschmecker-Restaurant 4Eck in Garmisch-Partenkirchen. "Wintertrüffel", "Heimatwild" oder "Kalbsbackerl" stehen hier auf der Speisekarte. Den Betrieb am Laufen zu halten, ist auch an einem sehr touristischen Ort nicht einfach. Zu den Voraussetzungen gehört etwa, ausreichend Personal zu gewinnen. "Das war wirklich ein langer Weg", sagt Kerstin Schumann-Ishizuka, eine der Inhaberinnen des Restaurants. Für die Küche sollte in diesem Herbst ein neuer Lehrling eingestellt werden, was aber nicht ohne weiteres ging: "Weil wir nicht wussten, ob wir einen Wohnraum finden, da wir ja nur ein einzelnes Restaurant ohne Unterkunft sind."

Personalhäuser als Chance?

In letzter Minute half der Wirtin ein Berliner Immobilienunternehmen, das in Garmisch-Partenkirchen mehrere Wohnblocks sanieren will. Zahlreiche Wohnungen, die vorläufig nicht von Lärm betroffen sind, werden für zwei Jahre zur Zwischenmiete angeboten. Ein Glücksfall für den Auszubildenden und seine Chefin: "Er hätte diesen Arbeitsplatz sonst nicht besetzen können, nicht bei uns", so Kerstin Schumann-Ishizuka. Ohne passende Wohnung würden sich gute Bewerber schnell neu orientieren: "Vielleicht dann bei einem Kollegen, der vielleicht Unterkunft hat. Aber in unserem Fall wäre es tatsächlich nicht gegangen."

Einige hundert Meter entfernt steht das Hotel Werdenfelserei. Geschäftsführerin Monika Erhardt möchte vielleicht sogar ein Wohnhaus für ihr Personal bauen. Viele der rund 80 Beschäftigten würden kleinere Wohnungen bevorzugen. Für ein Personalhaus fehle allerdings noch das passende Grundstück. "Irgendein Haus zu kaufen" sei keine Alternative. Es müsse schon genau auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter zugeschnittener Wohnraum entstehen. Andernfalls sei es nicht möglich, die Wohnungen "günstiger anzubieten, als der Marktpreis ist".

Keine Förderprogramme

Zunehmend versuchen Betriebe, die Wohnungsprobleme ihrer Beschäftigten zu lösen, indem sie Wohnungen anmieten oder bauen. Empirische Zahlen dazu gibt es nach Angaben von Wirtschaftsverbänden aber noch nicht.

Staatliche Mittel für den Bau von Personalwohnungen seien zudem nicht in Sicht, so Annette Hilpert, Referatsleiterin Stadt- und Regionalentwicklung der IHK für München und Oberbayern. Die IHK habe versucht, für die Schaffung von Mitarbeiterwohnungen "Förderprogramme zu aktivieren oder den Freistaat Bayern dahin zu bewegen, dass er das tut." Doch vergeblich: "Da wissen wir inzwischen, dass das die Förderlandschaft momentan nicht hergibt."

Ausländische Fachkräfte besonders betroffen

Nach Einschätzung des Münchner ifo-Instituts trifft der Wohnungsmangel vor allem Beschäftigte, die nicht im Homeoffice arbeiten können. Ein Beispiel: Das Busunternehmen Josef Ettenhuber baut derzeit 18 Wohnungen auf seinem Betriebsgelände in Feldkirchen bei München. Busfahrer, die für den öffentlichen Nahverkehr in der ganzen Welt angeworben werden, könnten anders kaum Fuß fassen. "Wie soll sich zum Beispiel ein Inder, bevor er von Indien nach Deutschland kommt, wie soll der sich um einen Wohnraum kümmern?", fragt Ralf Ettenhuber, Assistent der Geschäftsleitung.

Die kleinen, effizienten Wohnungen würden den Bedürfnissen der Mitarbeiter entsprechen. Einige behördliche Auflagen seien allerdings teuer und ärgerlich. So dürfe nur ein Teil der Wohnungen dauerhaft bewohnt werden. Viele Tiefgaragenplätze mussten zudem entstehen, das sei der teuerste Teil des gesamten Gebäudes. Zwei weitere Stockwerke mit Wohnungen könnten gebaut werden. Doch unter den jetzigen Auflagen sei das nicht denkbar: "Wir bauen jetzt nur das Mindeste, was wir wirklich brauchen", sagt Ettenhuber.

Es gibt kaum noch bezahlbaren Wohnraum.
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Es gibt kaum noch bezahlbaren Wohnraum.

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