Duftöl und Duftkerze neben einer Pflanze
Duftöl und Duftkerze neben einer Pflanze
Bild
Frische Brise: Raumdüfte - wohltuend oder gefährlich?
Bildrechte: picture alliance / dpa-tmn | Christin Klose
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / dpa-tmn | Christin Klose
Audiobeitrag

Frische Brise: Raumdüfte - wohltuend oder gefährlich?

Audiobeitrag
> Wissen >

Frische Brise: Raumdüfte – wohltuend oder gefährlich?

Frische Brise: Raumdüfte – wohltuend oder gefährlich?

Die Wäsche riecht nach Sommerfrische, aus der Kloschüssel duftet eine Meeresbrise und in der Obstabteilung umschmeichelt Erdbeeraroma unsere Nasen. Das kann zum Problem werden, denn viele Duftstoffe können Unverträglichkeiten oder Allergien auslösen.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3 Fayerabend am .

Wer kennt das nicht: Der Duft beim Plätzchenbacken im Erwachsenenalter beamt uns sofort in die Küche der Oma – eine süße Erinnerung an die Kindheit. Das penetrante Jasminparfüm erinnert an die gemeine Mitschülerin, die sich damit immer eingenebelt hat. Begegnen wir dem Duft Jahre später wieder, braucht es sehr viel innere Überzeugungsarbeit, die Trägerin nicht unsympathisch zu finden.

Düfte bestimmen unsere Wahrnehmung

Gerüche haben viele Funktionen. Sie spielen beim Schmecken eine große Rolle und wecken zum Beispiel Erinnerungen an vergangene Tage. Wir können Düfte tatsächlich erlernen und mit bestimmten Erfahrungen abspeichern. Diese Düfte prägen sich dann in unserem Gehirn ein. Und zwar in dem Kontext, in dem wir sie erlebt haben.

Duftmarketing im Handel soll Konsumenten beeinflussen

Weil Duftstoffe solche "Macht" haben, werden sie überall eingesetzt: in Parfüms, Wasch- und Reinigungsmitteln, Cremes oder Shampoos. Nicht einmal öffentliche Räume wie Restaurants, Flughäfen und Arztpraxen sind vor der Dauerbeduftung sicher. Auch Kaufhäuser, Boutiquen oder Einkaufscenter versuchen, mit Wohlgerüchen die Kauflaune der Kunden zu erhöhen.

Duftstoffe können Kontaktallergien auslösen

Doch eine unkontrollierbare Dauerbeduftung kann Nebenwirkungen auslösen: Das große Problem solcher Duftstoffe ist, "dass sie zu den Top-Allergenen gehören, dass sie auf die Atemwege und auch auf die Schleimhäute wirken können, dass sie aber auch schlechte Laune verursachen und auf viele Organe des Körpers wirken können", sagt Marike Kolossa-Gehring, Biologin und Toxikologin vom Umweltbundesamt. Dort wurde auch eine Broschüre herausgebracht: Duftstoffe – chemische Begleiter des Alltags (externer Link).

Neben Nickel gelten Duftstoffe als eine der häufigsten Ursachen für Kontaktallergien. Das ist in der Regel eine erworbene Allergie, die durch häufigen Kontakt mit dem jeweiligen Stoff zu einer Sensibilisierung und damit zu einer allergischen Reaktion führt. Häufig treten Kontaktallergien nach jahrelanger Beschwerdefreiheit erst im mittleren Lebensalter auf.

Symptome einer Kontaktallergie

Bei einer Kontaktallergie zeigen sich die klassischen Symptome vor allem auf der Haut: Juckreiz, Rötungen, Schwellungen oder Bläschen an der Kontaktstelle. Dabei handelt es sich um eine Typ-IV-Allergie, die durch den direkten Hautkontakt mit einem Allergen ausgelöst wird. Anders als bei Typ-I-Allergien, etwa ausgelöst durch Pollen oder Insektengift, kann es bei einer reinen Kontaktallergie nicht zu einem anaphylaktischen Schock kommen.

Unverträglichkeit von Duftstoffen

Duftstoffe können darüber hinaus jedoch auch andere Beschwerden hervorrufen, etwa Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder Erschöpfung. Diese Symptome gehören nicht zu den klassischen Anzeichen einer Kontaktallergie, sondern werden als Reiz- oder Unverträglichkeitsreaktionen im Zusammenhang mit Duftstoffen beschrieben.

Ausgelöst werden diese Beschwerden durch natürliche und künstliche Stoffe, die wir einatmen. Sie finden sich nicht nur in Parfums oder Raumsprays, sondern auch in Teppichklebern, Anti-Insektenmitteln oder anderen Alltagsprodukten. In diesem Zusammenhang wird häufig der Begriff "multiple chemische Überempfindlichkeit" (MCS) verwendet: "Eine allgemein anerkannte Definition, welche Symptome zu MCS gehören, und gesicherte Kenntnisse, welche umweltbedingten Ursachen dafür verantwortlich sind, existieren bisher nicht", schreibt das Umweltbundesamt (externer Link).

In der Wohnung lieber auf Duftstoffe verzichten

Der Beduftung in Geschäften kann man kaum entgehen. Aber im privaten Raum kann man darauf verzichten. Schlechte Luft ist zwar unangenehm, doch da hilft ganz einfach Lüften. Denn Raumsprays, Lufterfrischer und Duftlampen überdecken Gerüche nur, statt sie zu beseitigen. Außerdem sind die Kennzeichnungspflichten bei Raumdüften weniger streng als bei Kosmetika, sodass oft nur Hinweise wie "Vorsicht, es kann Allergien hervorrufen" oder "enthält allergene Inhaltsstoffe" zu finden sind. Das kann für Menschen mit einer Duftstoffunverträglichkeit unangenehm werden.

Natürliche Duftstoffe sind auch allergen

Wer nun glaubt, mit natürlichen, ätherischen Ölen auf der sicheren Seite zu sein, der irrt. Sie sind in puncto Allergie nicht besser als künstliche Duftstoffe: "Naturrein heißt nicht 'ungiftig'. Auch da können allergieauslösende Stoffe drin sein. In einer unserer Studien haben wir auch gesehen, dass gerade die Verwendung von Naturkosmetika zu einer erhöhten Rate von Kontaktallergien geführt hat", so Kolossa-Gehring.

Die Blaue Couch auf BAYERN 1 mit Geruchsforscher Hanns Hatt
Bildrechte: picture-alliance/dpa; Montage: BR
Audiobeitrag

Blaue Couch mit Hanns Hatt

Dieser Artikel ist erstmals am 29.6.2024 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!