Nahaufnahme von Händen: Frau gießt einen Schnaps in ein Glas ein
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Hilft ein Schnaps wirklich bei der Verdauung?
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Hilft ein Schnaps wirklich bei der Verdauung?

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Hilft ein Schnaps wirklich bei der Verdauung?

Hilft ein Schnaps wirklich bei der Verdauung?

Auf ein ausgiebiges Essen folgt häufig ein kleines Gläschen Verdauungsschnaps. Ob Ouzo beim Griechen oder Enzian beim Wirt – der Schnaps danach soll die Verdauung anregen. Aber stimmt es wirklich, dass Hochprozentiges hilft?

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Viele glauben, ein Schnaps nach dem Essen bringe den Magen in Schwung – doch medizinisch ist diese Vorstellung nicht haltbar. Der Begriff "Digestif", abgeleitet vom lateinischen digestio (Verdauung), steht traditionell für einen Schnaps nach dem Essen. Kräuterbitter mit Enzian, Anis oder Kümmel gelten als verdauungsfördernd. Tatsächlich können Bitterstoffe die Bildung von Magensaft anregen. Doch der enthaltene Alkohol kann diese Wirkung überlagern oder sogar ins Gegenteil verkehren. Der berühmte Verdauungsschnaps ist damit vor allem eines: ein Mythos.

Was macht Alkohol mit der Verdauung?

Alkohol erweitert die Blutgefäße und entspannt die Muskelzellen. Ein Schnaps nach dem Essen kann dadurch ein angenehmes Gefühl hervorrufen. Gleichzeitig hemmt er jedoch die Magenentleerung. Der Körper widmet sich bevorzugt dem Alkoholabbau, denn er betrachtet Alkohol als "Gift", dessen Abbau priorisiert wird. Die Verdauung tritt dabei in den Hintergrund. Das kann dazu führen, dass Speisen verzögert verdaut werden und Beschwerden wie Völlegefühl zunehmen. Alkohol kann die Verdauung also sogar ausbremsen, statt sie zu fördern.

Was steckt hinter der Wirkung von Kräuterschnäpsen?

Häufig wird darauf verwiesen, dass Kräuterschnäpse durch ihre Bitterstoffe die Verdauung unterstützen. Tatsächlich stammen diese Bitterstoffe aus Kräutern wie Enzian, Fenchel oder Anis – und sie können tatsächlich die Bildung von Verdauungssäften anregen. Dafür braucht es jedoch keinen Alkohol: Ein Kräutertee oder ein Espresso hat denselben Effekt, ohne die Magenentleerung zu hemmen: "Verdauungsfördernd nach dem Essen wirkt eher ein alkoholfreier Kräuterbitter, weil Bitterstoffe zu einer vermehrten Ausschüttung von Verdauungssekreten führen", sagt auch Anja Schwengel-Exner, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern (externer Link).

Was hilft stattdessen bei Völlegefühl?

Nach einem üppigen Essen können einfache Hausmittel deutlich besser helfen als ein Schnaps. Ätherische Öle aus Kräutern wirken verdauungsfördernd – etwa aus Pfefferminze, Kümmel oder Fenchel. Die Verbraucherzentrale Bayern empfiehlt außerdem:

  • Spaziergänge, um Kreislauf und Darmtätigkeit anzuregen
  • Warme Auflagen, wie ein Kirschkernkissen, zur Entspannung
  • Kräutertees, die beruhigend und entkrampfend wirken

Ein Verdauungsschnaps nach dem Essen fühlt sich vielleicht gut an, bringt dem Magen aber wenig. Hochprozentiger Alkohol hemmt die Magenentleerung und kann Beschwerden wie Völlegefühl sogar verstärken. Kräuter, Wärme und Bewegung wirken deutlich nachhaltiger – ganz ohne Promille.

Im Video: Fördert Schnaps die Verdauung? (ab Minute 12:20)

Ein Gläschen Kräuterschnaps im Vordergrund - im Hintergrund ein Teller mit Fleisch und Bratkartoffeln
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Fördert Schnaps die Verdauung?

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