Eine junge Frau liest ihrem Kind auf dem Sofa vor.
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Vorlesen ist für die Entwicklung von Kindern wichtig. "Es ist ein Workout für das komplette Gehirn", sagt Laura Trost von der Stiftung Lesen.

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Internationaler Kinderbuchtag: Warum Vorlesen so wichtig ist

Internationaler Kinderbuchtag: Warum Vorlesen so wichtig ist

Jedem dritten Kind in Deutschland wird nicht vorgelesen. Kindern vorzulesen, ist aber wichtig: Es legt das Fundament für viele kognitive Fähigkeiten und hat so Einfluss auf die Zukunftschancen der Kinder. Tipps, was man beim Vorlesen beachten sollte.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Abend am .

Laut dem Vorlesemonitor 2024 (externer Link) lesen Eltern ihren Kindern im Durchschnitt zwar wieder etwas mehr vor als noch 2023, aber immer noch wird jedem dritten Kind hierzulande gar nicht oder sehr selten vorgelesen. Dabei legt Vorlesen das Fundament für zahlreiche Fähigkeiten von Kindern und beeinflusst so maßgeblich die Zukunftschancen der Kleinen.

Laura Trost, Leiterin für Kommunikation und Marketing bei der Stiftung Lesen, bezeichnet das Vorlesen als "Workout für das komplette Gehirn". Ein Überblick über die positiven Effekte des Vorlesens – und was Vorlesende bei der Buchauswahl und dem Vorlesen beachten sollten.

Wofür Vorlesen wichtig ist

Vorlesen sei so viel mehr als irgendeine Abendroutine, sagt Trost. Es sei ein "Entwicklungsverstärker" für die Kinder. Sie lernten dadurch nicht nur, wie Sprache funktioniert, was ihnen bei der Entwicklung ihres Wortschatzes und beim Lesenlernen helfe. "Vorlesen macht kreativ, es fördert das Einfühlungsvermögen und hilft einfach, den Kindern, sich auch in anderen Situationen zurechtzufinden", erklärt Trost. Zudem stärke das Vorlesen die Bindung zwischen dem Kind und der vorlesenden Person und sei damit Familienzeit und Gehirntraining in einem.

Studien belegen positive Effekte des Vorlesens

Dass das Vorlesen sich positiv auf die Entwicklung der Kinder auswirkt, wurde auch mit mehreren Studien (externer Link) belegt. Wem vorgelesen werde, der sei besser im Deutschunterricht und das strahle automatisch auch auf die anderen Fächer aus, sind auch Trosts Erfahrungen.

Eine US-amerikanische Studie (externer Link) kam zu dem Ergebnis: Kindern, denen in den ersten Lebensjahren täglich aus fünf Büchern vorgelesen wurde, haben im Alter von fünf Jahren bereits über eine Million Wörter mehr gehört als Kinder, denen nicht vorgelesen wurde – das bestätigt auch Manja Attig, Arbeitsbereichsleiterin für frühkindliche und schulische Bildung am Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi).

"Digitale Medien nicht per se verteufeln"

Wichtig sei auch die Interaktion beim Vorlesen, sagt Attig. Nicht einfach nur die Geschichte vorlesen, die im Buch drinstehe, sondern das Kind mit einzubeziehen und es je nach Alter auch mal bitten, die Geschichte selbst zu erzählen, rät die Psychologin vom LIfBi.

Geschichten auf Tablets oder Smartphones sind nach neuen Untersuchungen zwar kein geeigneter Ersatz für Bücher, so Attig. Durch die Bildschirme seien Kinder weniger aufmerksam, als wenn aus Büchern vorgelesen wird Trotzdem sollte man soziale Netzwerke nach Ansicht von Trost "nicht per se verteufeln". Wenn man das Smartphone zum Lesen verwende, sei es für die Kinder auf der gleichen "Spaß-Stufe" wie mit dem Smartphone spielen oder Video schauen. "Und das ist ein ganz wichtiger Punkt, den wir damit erreichen können", sagt die Kommunikationschefin von der Stiftung Lesen.

Tipps fürs Vorlesen

Die wesentlichen Tipps, die Attig und Trost Vorlesenden geben, sind:

  • Beim Vorlesen entspannt bleiben, nicht in Hektik verfallen
  • Früh mit dem Vorlesen anfangen – laut Trost ist es nie zu früh, Kindern vorzulesen, schon für Einjährige ist das Vorlesen Attig zufolge sinnvoll
  • Besser regelmäßig und kurz vorlesen anstatt lang und selten
  • Mirjam Burkard, Germanistin an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) rät außerdem, Kindern nicht nur aus "Heile-Welt-Büchern" vorzulesen. "Ich bin davon überzeugt, dass Kinder Bücher brauchen, in denen sie sehen, dass nicht immer alles rosig ist, Probleme aber gelöst werden können", sagt sie in einem Interview mit der LMU (externer Link).

Internationaler Kinderbuchtag

Der Internationale Kinderbuchtag – ein internationaler Aktionstag, der die Freude am Lesen unterstützen und das Interesse an Kinder- und Jugendliteratur fördern soll – wird seit 1967 jedes Jahr am 2. April, dem Geburtstag des Dichters und Schriftstellers Hans Christian Andersen (1805 - 1875), begangen.

Im Video: Die Entwicklung der Kinderbücher

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