(Symbolbild) Schüler sitzen rund um einen Tisch, eine Lehrerin steht daneben und deutet auf eine der Karten, die auf dem Tisch liegen.
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(Symbolbild) Lehrerinnen und Lehrern fehlt in Deutschland oft schlichtweg die Zeit zur Unterrichtsvorbereitung.
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Nach PISA: Was Lehrerinnen und Lehrer im Schulalltag bräuchten

Nach PISA: Was Lehrerinnen und Lehrer im Schulalltag bräuchten

PISA zeigt: In erfolgreichen Bildungssystemen unterrichten Lehrkräfte weniger und arbeiten mehr zusammen. Warum ist das in Deutschland so schwierig? Was müsste sich dafür an unseren Schulen ändern?

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Abend am .

Die Idee für die nächste Unterrichtsstunde wäre da. Vielleicht ein Experiment oder Aufgaben für unterschiedliche Lernstände. Doch zum Ausarbeiten fehlt die Zeit. Also doch wieder das Schulbuch aufschlagen und die nächste Seite durcharbeiten.

Dass Lehrkräfte darunter leiden, zeigen die Studien des Göttinger Arbeitszeitforschers Frank Mußmann (externer Link). Besonders belastend sei für viele Lehrerinnen und Lehrer, dass sie zu wenig Zeit für die Unterrichtsvorbereitung hätten – obwohl sie genau wüssten, dass sie ihren Schülerinnen und Schülern mehr bieten könnten.

Berufsalltag für Lehrer hat sich stark verändert - mehr organisatorische Aufgaben

Wo bleibt die ganze Zeit? Das Drumherum ist mehr geworden: Krankmeldungen müssten mitunter dreimal erfasst werden, sagt Mußmann: auf Papier, auf der Schulplattform und im schuleigenen System. Dazu kommen Protokolle, Elterngespräche und Klassenfahrten.

Mußmanns Untersuchungen zeigen, wie stark sich der Berufsalltag von Lehrerinnen und Lehrern verändert hat: Am Gymnasium machten solche zusätzlichen Tätigkeiten in den 1950er- und 1960er-Jahren rund 14 Prozent der gesamten Arbeitszeit aus, in neueren Erhebungen sind es etwa 35 Prozent (externer Link). Die Folge: Lehrkräfte machen Überstunden oder müssen an anderer Stelle Zeit einsparen, zum Beispiel bei der Vorbereitung des Unterrichts.

Arbeitszeit von Lehrkräften erfassen, Aufgaben bewerten und verteilen

Mußmann fordert deshalb, die gesamte Arbeitszeit von Lehrkräften systematisch zu erfassen: Unterricht ebenso wie Korrekturen, Gespräche, Organisation und Vorbereitung. Anhand der Daten könnten Schulen überlegen: Welche Aufgaben sind wirklich nötig? Was kann wegfallen? Und wofür braucht es überhaupt eine ausgebildete Lehrkraft? In Bremen läuft seit August 2026 an neun Schulen ein Pilotprojekt zur digitalen Arbeitszeiterfassung (externer Link), das Mußmann wissenschaftlich begleitet.

IT-Fachkräfte oder Sozialpädagogen könnten laut Mußmann die Lehrkräfte im Alltag deutlich entlasten. Die Schulleitungen könnten von Verwaltungsaufgaben befreit werden. So bliebe demnach mehr Zeit für die pädagogische Arbeit.

Lehrkräfte sollten keine Einzelkämpfer sein

Ein weiteres Problem an deutschen Schulen: Lehrkräfte sind häufig Einzelkämpfer, sagt der Potsdamer Bildungsforscher Dirk Richter. "In Deutschland arbeiten sehr viele Lehrkräfte für sich, unterrichten alleine und bereiten ihren Unterricht auch alleine vor."

Dass es anders geht, zeigt Singapur. Der Stadtstaat gehört bei PISA 2025 in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen zu den leistungsstärksten Bildungssystemen (externer Link). Dort ist Zusammenarbeit fest im Schulalltag verankert. Lehrkräfte treffen sich regelmäßig, planen gemeinsam ihren Unterricht und tauschen Materialien aus. Dafür haben sie feste Zeiten und Arbeitsplätze in der Schule.

Gemeinsam vorbereiteter Unterricht besser für Lehrer und Schüler

Das fehlt in Deutschland leider, sagt Richter. Obwohl es den Kindern viel bringen würde: Denn Unterricht, der gemeinsam vorbereitet und reflektiert werde, weise insgesamt eine höhere Qualität auf. "Man sieht, welche Schüler man vielleicht nicht im Auge hatte oder welche Differenzierung man nicht vorgenommen hat", erklärt Bildungsforscher Richter. Gerade Kinder, die zusätzliche Förderung brauchen, könnten davon profitieren.

Und auch für die Lehrkräfte hat die Zusammenarbeit mit anderen Vorteile. Sie müssen nicht alles alleine stemmen. Das sorgt für mehr Zufriedenheit und weniger Erschöpfung, zeigt die Forschung.

Lehrer brauchen mehr Zeit für Zusammenarbeit und Entlastung an anderer Stelle

Bildungsforscher Richter schlägt vor, feste Zeiten für gemeinsame Unterrichtsvorbereitung und fachlichen Austausch im Stundenplan freizuhalten. Auch Fortbildungen sollten nicht nur gelegentliche Einzelveranstaltungen sein, deren Ideen anschließend im Alltag versanden. Sinnvoller seien längerfristige Angebote, bei denen Lehrkräfte gemeinsam Neues ausprobieren und auswerten.

Doch das darf nicht einfach als weitere Aufgabe obendrauf kommen. Dafür müssten Lehrkräfte an anderer Stelle entlastet werden – gegebenenfalls auch durch weniger Pflichtstunden. Oder wie Arbeitszeitforscher Frank Mußmann fordert, indem man sie von Aufgaben befreit, die andere genauso gut übernehmen könnten.

Denn an guten Ideen für den Unterricht mangelt es Lehrkräften meist nicht. Nur an der Zeit, sie umzusetzen.

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