Sie haben Namen wie "Superwoman" oder "Hangover" und sollen ein strahlendes Aussehen verleihen oder den Kater nach einer durchzechten Nacht beseitigen. Doch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte warnt vor den gesundheitlichen Risiken von sogenannten Drip-Spa-Infusionen.
Der Begriff "Drip" steht für Tropfen, also eine Anspielung auf den Tropf im Krankenhaus. Der Zusatz "Spa" soll den Anschein einer Wellnessbehandlung erwecken. Mancherorts sind die Anwendungen auch unter dem Titel IV-Therapie bekannt, wobei "IV" für intravenöse Vitamin-Infusionen steht.
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Vitamin-Infusionen in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen
Die Infusionen werden meist über eine Vene in den Handrücken oder die Armbeuge verabreicht. Derartige medizinische Eingriffe sind in Deutschland nur von einem Arzt oder Heilpraktiker erlaubt. Die Infusionen können auf Anweisung eines Arztes aber auch von medizinischem Fachpersonal, wie Krankenschwestern verabreicht werden. In mehreren großen Städten haben bereits eigene Drip-Bars eröffnet, also Einrichtungen zur Verabreichung der Vitamin-Infusionen - so auch in München.
Die dort verabreichten Infusionen mit hoch dosierten Vitaminen, Mineralstoffen und weiteren Substanzen, sind in Deutschland allerdings nicht als Arzneimittel zugelassen. Die Anbieter werben jedoch damit, dass sie das Immunsystem stärken, das Aussehen und die Leistungsfähigkeit verbessern und die Leberfunktion unterstützen.
Eine mittelfränkische Klinik für Ästhetische Chirurgie erklärt im Internet zudem, dass die intravenöse Verabreichung von Vitaminen und Mineralstoffen effektiver als Tabletten oder Tropfen sei. Über den Blutkreislauf stünden die Nährstoffe dem Körper schließlich unmittelbar zur Verfügung. Bei herkömmlichen Nahrungsergänzungsmitteln würden Nährstoffe zudem oft nicht vollständig vom Darm aufgenommen.
Drip Spa: Gefahr von Überdosierung und allergischen Reaktionen
Für die angeblichen Vorteile gebe es jedoch bei Drip Spa-Produkten keinen wissenschaftlichen Nachweis, mahnt das Bundesinstitut. Vielmehr bestehe für bestimmte Personengruppen sogar die Gefahr der Überdosierung von Vitaminen, von Störungen im Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt des Körpers und von allergischen Reaktionen bis hin zu einem lebensbedrohlichen Schock.
"Während bei Arzneimitteln zur Infusion die Hersteller nachweisbare Qualitätsstandards erfüllen müssen, sind bei Infusionslösungen, die nicht als Arzneimittel zugelassen sind, die Qualität und Sicherheit der Produkte im Sinne des Arzneimittelgesetzes nicht belegt", teilt das Bundesinstitut mit. Auch die AOK kritisiert den fehlenden Nachweis eines Nutzens. Auch dort sieht man eher die Gefahren einer solchen Anwendung.
AOK: Unnötige Eingriffe in die Nährstoff-Balance des Körpers
Für einige wasserlösliche Vitamine habe der Körper schließlich Toleranzgrenzen. Bei einer Infusionstherapie bestehe das Risiko, diese Grenzen zu überschreiten. Greife der Mensch unnötig in die Nährstoff-Balance seines Körpers ein, könne das zu kritischen Ungleichgewichten, negativen Wechselwirkungen mit Medikamenten und einem erhöhten Infektionsrisiko führen.
Unter anderem sorge eine Überdosierung von Vitamin C dafür, dass andere wichtige Nährstoffe nicht mehr richtig aufgenommen werden könnten. Zudem bestehe eine erhöhte Gefahr von Nierensteinen. Eine Überdosierung von Kalium könne gar zu tödlichen Herzrhythmusstörungen führen. Und zuviel Natrium könne zum Schlaganfall führen.
Bei regelmäßigen Infusionen bestehe zudem die Gefahr, dem Körper zu viel Flüssigkeit zuzuführen, so die AOK. Die Folge sei steigender Blutdruck, Gewichtszunahmen oder lebensgefährliche Lungen- und Hirnödeme. Für Arzneien sei daher in Deutschland ein strenges Zulassungsverfahren vorgesehen, das Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität sowie ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis nachweisen müsse.
Bis zu 225 Euro pro Vitamin-Infusion
Die Preise für eine Sitzung variieren in Bayern, je nach Infusionstyp. Eine dermatologische Klinik in Oberbayern bietet eine Infusion für 70 bis 225 Euro an. Entscheidend ist unter anderem die Dauer der Anwendung. Während eine Infusion mit hochdosiertem Vitamin C rund 15 Minuten dauern soll, benötigen andere Infusionen bis zu eine Stunde. Oft werden bis zu fünf Sitzungen empfohlen, um den gewünschten Effekt zu erreichen. Entsprechende Pakete werden für rund 500 Euro angeboten. Die gesetzlichen Krankenkassen kommen für die Kosten nicht auf. Die AOK nennt Drip Spa eine "teure Lifestyle-Wellness-Anwendung".
Bei Mangelerscheinungen: Ursachen abklären lassen
Von der Krankenkasse heißt es, gesunde Menschen, die sich ausgewogen ernähren, müssten sich keine zusätzlichen Nährstoffe zuführen – weder über Nahrungsergänzungsmittel noch über Injektionen. Wer das Gefühl habe, unter einem Mangel zu leiden, sollte mögliche Ursachen dafür von einem Allgemeinmediziner abklären lassen. Auch Verbraucherschützer warnen vor Drip Spa.
Mit Informationen von dpa.
Im Video: Vitamin-Infusion – sinnvoll oder riskant?
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