Erntehelferin zupft einzelne Kohldistel-Samenstände mit der Hand von der Pflanze und wirft sie in den Papiersack
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Kohldistel-Ernte bei Rieger-Hofmann
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Kohldistel-Ernte bei Rieger-Hofmann

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Wildblumen anbauen – Landwirtschaft mal ganz anders

Wildblumen anbauen – Landwirtschaft mal ganz anders

Sie sind nur an die Natur angepasst und kein Züchter hat sie je optimiert. Deswegen bringt der Anbau von Wildblumen viele Herausforderungen mit sich. Deren Saatgut braucht man für Ausgleichsflächen und Blühwiesen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Die Nachfrage von Wildblumen-Samen ist nach dem Volksbegehren zum Artenschutz stark gestiegen. Doch seit einiger Zeit nimmt sie ab. Die Begeisterung für Blühwiesen geht zurück und die Bundesregierung plant, dass man sich künftig von der Pflicht, Ausgleichsflächen anzulegen, freikaufen kann. Eine zusätzliche Schwierigkeit für einen Betrieb, der davon lebt, Wildpflanzen-Samen zu verkaufen.

Manche Wildblumen muss man mit der Hand ernten

Ein buntes Feld aus lauter schmalen Streifen in Blaufelden im Landkreis Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg. Im Ortsteil Raboldshausen sitzt die Firma Rieger-Hofmann, einer der größten Erzeuger von Wildblumen-Saatgut in Deutschland. Es leuchtet hellgrün, sonnengelb, violett, dunkelgrün, kupferfarben. In einem rund einen Meter breiten hellgrün-hellgrauen Streifen wachsen Kohldisteln. Vier Erntehelfer zupfen einzelne Samenstände von den Stängeln und werfen sie in Papiersäcke.

Das Problem: Es sind immer nur ein paar Samenstände erntereif. An einer Pflanze sind gleichzeitig geschlossene Blütenknospen und offene Blüten, die alle noch keinen Samen gebildet haben. Das ist typisch für eine Wildpflanze. Kein Züchter hat sich bislang darum gekümmert, dass sie gut zu ernten ist. Deswegen müssen die Samen der Kohldisteln mit der Hand gezupft werden. Die Mitarbeiter gehen vier Wochen lang zwei Mal pro Woche durch das Feld. Ein enormer Aufwand.

Der Wildblumen-Absatz geht vor allem über Mischungen

Kohldisteln tauchen in Aussaatmischungen für feuchte Wiesen auf. Sie sind eine wichtige Nahrungsquelle für Schmetterlinge und andere Insekten. Taubenschwänzchen, Hummel-Waldschwebfliege und Wanzen umkreisen die Blüten auch während der Ernte. Daran sieht man, wie wichtig die unscheinbare Kohldistel für die Artenvielfalt ist, so Johannes Rieger, einer der Chefs von Rieger-Hofmann. "Die muss auch mit rein, auch wenn damit vielleicht kein Geld verdient ist, weil so viel Handarbeit drinsteckt." Ein Kilo Kohldistelsamen kostet 850 Euro. Bei den Kohldisteln sind viele Samen in einem Blütenköpfchen. Und an den einzelnen Samen befinden sich winzige Flugschirmchen – die nächste Tücke. Denn am Schluss will Johannes Rieger den reinen Kohldistelsamen, entweder um ihn pur oder gezielt in Mischungen zu verkaufen. Um Blattreste, Stängelchen und die Schirmchen rauszubekommen, braucht man mehrere Spezialmaschinen.

Wildblumen-Saatgut muss aus der Region kommen

Andere Wildblumen wie Glockenblumen, Margeriten oder Fingerhut ernten sie mit Schneidladern, kleinen Mähmaschinen. Die Wildblumen müssen meist im grünen Zustand geerntet werden, sonst fallen zu viele Samen schon auf dem Feld aus. Die Firma Rieger-Hofmann hat über 300 verschiedene Pflanzenarten im Angebot, allein 150 Arten bauen sie selbst an. Der Rest kommt von Landwirten aus ganz Deutschland, die für Riegers Wildblumen anbauen. Das ist die nächste Besonderheit: Wildblumen-Samen darf nur in der Region ausgebracht werden, aus der er ursprünglich stammt. Das ist wichtig für die Tiere, die an die Wildblumen angepasst sind. Dazu ist Deutschland in 22 Ursprungsgebiete unterteilt.

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Die einzelnen Ursprungsgebiete - Karte in einem Produktionsgebäude von Rieger-Hofmann

Am Anfang steht das Sammeln

Am Anfang müssen sie in jedem Gebiet den Samen erst mal sammeln. Firmengründer Ernst Rieger war kürzlich bei Eichstätt unterwegs, um unter anderem Flockenblumen, Primel- und Heide-Nelken-Samen zu sammeln. Er hat dann einen Eimer mit bis zu acht verschiedenen Papiertüten dabei und muss auf der Hut sein, dass er keine interessante Pflanzenart übersieht. "Die Schwierigkeit ist dann, in die richtige Tüte das richtige Sämchen reinzuschütten."

Und es ist noch komplizierter: Wer gewerblich Samen sammelt, braucht dazu eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde. Die kann innerhalb einer Woche vorliegen, so Ernst Rieger. "Es gibt aber auch Untere Naturschutzbehörden, da haben wir jetzt wieder einen Fall, da hat es jetzt zwei Jahre gedauert."

Nachfrage ist rückläufig

Nach Jahren des Booms geht die Nachfrage nach Wildblumen-Saatgut aus der Region zurück. Das geplante Naturflächenbedarfsgesetz (externer Link) wird dazu führen, dass weniger Ausgleichsflächen angelegt werden, und es ist fraglich, ob die bestehenden Agrarumweltprogramme für Blühwiesen nach 2027 weitergeführt werden. Deswegen werden sie die Erzeugung von Wildblumen-Samen reduzieren, so Johannes Rieger. "Wir können nur das anbauen, was der Markt auch abnimmt." Damit ihr Saatgut-Bestand, der viele Millionen Euro wert ist, länger hält, bauen sie gerade ein Kühlhaus. In der Hoffnung, dass in ein paar Jahren Wildblumen aus heimischem Anbau wieder stärker gefragt sind.

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