Vorsichtig tastet Allgemeinmediziner Josef Schwarz den Knöchel eines Mädchens ab. Das Kind ist umgeknickt. Die Mutter ist mit ihr in die Notfallambulanz ins Krankenhaus in Kösching gekommen. Seit dem 1. August ist die Notaufnahme im Krankenhaus geschlossen. Stattdessen gibt es jetzt eine Notfallambulanz. Die ist für leichte Fälle wie diesen da, sagt Josef Schwarz: "Wunden oder Infektionen. Den Großteil der Fälle können wir weiterhin behandeln. Was wir nicht können, sind schwere Fälle, wie Lungenembolie oder Herzinfarkt." Diese schweren Fälle kommen nun direkt nach Eichstätt oder Ingolstadt. Allerdings war das in vielen Fällen auch vorher schon so.
Ambulantes Zentrum soll ausgebaut werden
Die Kliniken im Naturpark Altmühltal sind an zwei Standorten, in Eichstätt und Kösching, vertreten. Dass der Betrieb der Notaufnahme in Kösching eingestellt wurde, lag letztlich am Personalmangel, so die Klinikleitung.
Sorgen um die Gesundheitsversorgung müsse sich aber keiner machen, versichert Klinikchef Marco Fürsich. "Schwere Fälle werden schon jetzt in Eichstätt behandelt. Und in Kösching haben wir mit Notfallambulanz, der fachärztlichen und der hausärztlichen Versorgung eine Struktur geschaffen, um die Patienten gut auffangen zu können." Dazu kommen unter anderem ein ambulantes OP-Zentrum mit Überwachungsbetten, das derzeit ausgebaut wird, und eine Kurzzeitpflege.
Das ist die Idee: leichte bis mittlere Fälle vor Ort behandeln, schwere Fälle an Spezialisten. Die Klinik in Kösching wird ein Gesundheitszentrum. Die Leistungen werden in Eichstätt gebündelt. Auch in Tirschenreuth gibt es seit 2024 keine Notaufnahme mehr. Patienten mit schwereren Erkrankungen kommen dort nach Weiden und Marktredwitz.
Trend: weniger, dafür größere Standorte
Schließungen von Notaufnahmen oder gar die Schließung kompletter Standorte sind keine Ausnahmen, sondern ein bundesweiter Trend. Laut bayerischem Gesundheitsministerium sank die Zahl in den vergangenen zehn Jahren von 411 auf 393. Meist seien dann an anderen Krankenhäusern die Kapazitäten erhöht worden.
Dennoch: Im Vergleich zum europäischen Ausland sei die Klinikdichte noch immer hoch, meint Gesundheitsökonom Boris Augurzky. "Insofern ist halt immer im Einzelfall die Frage: Welche Standorte braucht es für die Zukunft, welche nicht?" Wichtig für die Patienten sei dabei, in welcher Zeit sie ein Krankenhaus erreichen und welche Qualität dort angeboten werde. Und so berge die Konzentration auf weniger Standorte nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern auch die Patienten könnten davon profitieren: "Ich kann nicht in jedem Krankenhaus die Top-Qualität anbieten. Da fehlt mir schon das Personal, das ich nicht überall hinbekommen kann. Nicht überall habe ich da Koryphäen."
Ärzte, die mehrmals täglich die gleiche Leistung bringen, würden diese auch in einer höheren Qualität erbringen als Ärzte, die diese Leistung nur alle zwei Wochen erbringen würden, meint Augurzky. Er und auch das bayerische Gesundheitsministerium gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren noch mehr Krankenhausstandorte wegfallen werden. Auch beispielsweise in Mainburg wird viel diskutiert, mit der Hoffnung, das Krankenhaus dort noch zu erhalten.
Klinikum Ingolstadt baut Notaufnahme aus
Dass das Krankenhaus in Kösching keine Notaufnahme mehr hat, sehen viele Menschen vor Ort kritisch. Es ist damit zu rechnen, dass sie künftig in das etwa zehn Kilometer entfernte Klinikum in Ingolstadt fahren werden.
"Wir rechnen mit mehr Patienten und stellen sowohl mehr ärztliches als auch pflegerisches Personal zur Verfügung, weil wir perspektivisch davon ausgehen, dass wir mehr Patienten haben werden", sagt Klinik-Geschäftsführer Andreas Tiete. Auch räumlich soll die Notaufnahme größer werden.
In einem bislang wenig genutzten Bereich des Krankenhauses soll die Notaufnahme erweitert werden. Davon erhofft sich das Klinikum eine effizientere Flächennutzung und optimierte Behandlungsabläufe. Die entsprechenden baulichen Anträge laufen bereits. Mit der Fertigstellung rechnet das Klinikum derzeit in der zweiten Jahreshälfte 2027.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!
