Polizistin winkt Autofahrer raus.
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Verstärkte Verkehrskontrollen im Nürnberger Land
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313 Tote auf Bayerns Landstraßen - Unfallschwerpunkte im Visier

313 Tote auf Bayerns Landstraßen - Unfallschwerpunkte im Visier

313 Menschen sind auf Bayerns Landstraßen im vergangenen Jahr bei Unfällen ums Leben gekommen, 16 mehr als im Vorjahr. Das will die Polizei nicht hinnehmen und kontrolliert bis Ende Juni an Unfallschwerpunkten – auch im Nürnberger Land.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Die Laserpistole ist eingestellt, die Kelle in der Hand der Beamtin, eine große Parkbucht in einer Nebenstraße abgesperrt. Am frühen Vormittag startet die Schwerpunktkontrolle der Polizei in Unterwelitzleiten, einem Weiler nahe dem mittelfränkischen Altdorf, direkt an der A6 gelegen – und ein besonderer Kontrollpunkt, weil es hier besonders oft kracht.

Den Einsatz leitet Polizeihauptkommissar Horst Gruber, Experte für Unfallschwerpunkte im Nürnberger Land, auch für Landstraßen zuständig. "Wir haben im vorderen Bereich an der Autobahnanschlussstelle Altdorf-Leinburg einen sogenannten Unfallhäufungspunkt. Das ist ein Punkt, in dem in einem Zeitraum von drei Jahren eine gewisse Anzahl von Unfällen stattgefunden hat, mit entsprechenden Folgen", erklärt Gruber.

Unfallursache oft zu schnelles Fahren

Die Statistik wurde in den Jahren 2021 bis 2023 erhoben: elf Unfälle – elf Verletzte. Die Zusammenstöße passierten fast immer beim Abbiegen. Diese Information zur Unfallursache gibt die Statistik her. Die Begründung dafür werde erst bei der Unfallaufnahme deutlich. "Da heißt es oft: 'Ich habe den Gegenverkehr zu spät gesehen.' Da gibt ja keiner zu, was auf dem Tacho steht", so Gruber im BR-Interview. Vieles spricht für ihn dafür, dass hier zu schnell gefahren wird. Deswegen liegt sein Hauptaugenmerk auf Geschwindigkeitsvergehen. Mit sechs weiteren Beamten aus den drei Polizei-Dienststellen Lauf, Altdorf und Hersbruck führt er hier eine Schwerpunktkontrolle durch.

Pinkeln für den Drogentest

Gerade wurde ein junger Fahrer aus Polen geblitzt. 86 statt der erlaubten 70 Kilometer pro Stunde zeigt das Lasergerät an. Diese Information geht per Funk von der Messstelle an die Kontrollstelle. Eine Polizistin winkt den Mann mit der Kelle in die Bucht. Außerorts – also auf der Landstraße – kosten 16 Kilometer pro Stunde über dem Erlaubten 40 Euro. Zahlen kann der Fahrer den Strafzettel per Sofortkasse. Dann sei dieses Verfahren abgeschlossen, erklärt die Polizistin dem Fahrer auf Englisch.

Doch ihr Kollege hat einen Verdacht: Der junge Mann hat stark gerötete Augen, blinzelt dauernd und ist recht blass im Gesicht. Das seien drogentypische Auffälligkeiten, so der Beamte im Gespräch mit dem Polen. Der erklärt, er habe nichts konsumiert, sondern sei müde von der elfstündigen Autofahrt. Ein Test soll Klarheit bringen, deswegen geht es in Polizei-Begleitung in die Büsche – zum Pinkeln für einen Drogentest. Der Schnelltest würde auf THC, Methamphetamin, Amphetamin, Kokain und Morphium im Urin reagieren. Das Ergebnis ist aber negativ. Der Mann darf weiterfahren.

Innenministerium aufgeschreckt

Drogen, Alkohol, Rasen und Ablenkung durchs Handy sind die Hauptursachen für 313 Verkehrstote auf Bayerns Landstraßen, geht aus einer Mitteilung des bayerischen Innenministeriums hervor. Dem sprunghaften Anstieg – im Jahr 2025 waren es 16 tödliche Unfälle mehr als im Vorjahr – werde entschieden entgegengetreten, teilte Innenstaatssekretär Sandro Kirchner (CSU) Ende Mai mit. Er kündigte für den gesamten Juni bayernweite Schwerpunktkontrollen an.

Mobile Teams in ganz Bayern

Die in Unterwelitzleiten ist nach zwei Stunden vorbei. Die Polizisten packen zusammen. Sie haben noch zwei unfallträchtige Standorte vor sich: am Birkensee bei Schwaig und in Altensittenbach bei Hersbruck. Das ist Teil des Konzepts: Mobile Teams sind in ganz Bayern unterwegs, um an möglichst vielen Stellen Präsenz zu zeigen.

Die Bilanz für die Kontrolle am Weiler bei Altdorf: zwei Geschwindigkeitsvergehen, zwei Mal wurden Warndreieck und Verbandskasten vergessen, einem Fahrzeug haben die Beamten die Prüfplakette abgekratzt: Der VW-Bus war nicht versichert, das ist in Deutschland strafbar.

Polizeihauptkommissar Gruber gibt sich zufrieden: "Das zeigt, dass unsere Präsenz hier schon Wirkung zeigt!" Dabei wird es der Experte aber wohl nicht bewenden lassen. Gruber ist Mitglied in der Unfallkommission Nürnberger Land. Gemeinsam mit dem staatlichen Bauamt und der unteren Baubehörde werde die Unfallhäufung weiter konsequent bekämpft, erklärt er. Die Geschwindigkeitsbegrenzung vor der A6-Auffahrt Altdorf-Leinburg auf 70 km/h sei ein erster Schritt, Unfälle zu vermeiden. Als nächstes soll eine Ampel gebaut werden, so Gruber. Wohl auch, um Landstraßen-Raser weiter auszubremsen.

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