Katar, 23.11.22: Das deutsche Team hält sich bei der Fußball-WM nach dem Wirbel um die "Regenbogen-Binde" aus Protest den Mund zu (Symbolbild).
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Katar, 23.11.22: Das deutsche Team hält sich bei der Fußball-WM nach dem Wirbel um die "Regenbogen-Binde" aus Protest den Mund zu (Symbolbild).

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Kritik an Funktionären & Co: Welche Strafen drohen Fußball-Fans?

Kritik an Funktionären & Co: Welche Strafen drohen Fußball-Fans?

Scharfe Kritik am Deutschen Fußball-Bund oder an Funktionären: Für solche Aktionen im Stadion sind seit diesem Jahr bis zu fünf Millionen Euro Strafe möglich. Was geändert wurde, warum der DFB abwiegelt – und wie es bei der anstehenden WM aussieht.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft und politische Botschaften – da war doch was. Bei der Weltmeisterschaft 2022 in Katar wollte das Team ein Zeichen gegen Homophobie und für Menschenrechte setzen. Doch der Fußball-Weltverband FIFA untersagte Kapitän Manuel Neuer das Tragen einer regenbogenfarbenen "One Love"-Kapitänsbinde. Daraufhin hielten sich die Spieler beim Foto vor dem Gruppenspiel gegen Japan den Mund zu – während auf der Tribüne unter anderem die damalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) die Binde am Arm trug.

Jetzt steht die nächste aufgeladene WM an, mit vielen Spielen in den von Präsident Donald Trump geprägten USA. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will dieses Mal erkennbar unpolitisch bleiben. Aber auch in Deutschland köchelt weiter die Debatte, wie politisch es im Stadion zugehen darf – besonders auf den Rängen. Der DFB hat seit diesem Jahr einen verschärften Sanktionskatalog, angepasst auf Anweisung der FIFA. Was steht darin, welche Strafen drohen Fußball-Fans? Alle wichtigen Infos.

Was hat der DFB konkret im Sanktionskatalog geändert?

Um rassistische und anderweitig diskriminierende Botschaften ahnden zu können, sind sie in der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB (externer Link) unter Strafe gestellt. Das ist schon länger so – bislang liegen die Geldstrafen für entsprechende Fanvergehen im fünf- bis niedrigen sechsstelligen Bereich, die Obergrenze bei 150.000 Euro. Aber seit diesem Jahr gilt, beschlossen in einer nicht-öffentlichen Sitzung des DFB-Vorstands:

  • Der Strafrahmen für rassistisches oder menschenverachtendes Verhalten wurde hochgesetzt und liegt jetzt zwischen 20.000 und einer Million Euro.
  • Strafen drohen auch für herabwürdigende, diskriminierende oder verunglimpfende Äußerungen oder Handlungen in Bezug auf die "politische oder sonstige Anschauung".
  • "Richtet sich das Vergehen gegen Spieler, Schiedsrichter, Trainer, andere Funktionsträger eines Vereins oder eine andere Person, die während eines Spiels eine offizielle Funktion ausübt, kann eine Höchststrafe von bis zu € 5.000.000,00 verhängt werden."

Auf BR24-Anfrage betont der DFB, der Rahmen von bis zu fünf Millionen Euro beruhe auf einer verbindlichen FIFA-Vorgabe. Die Anpassung bedeute aber nicht, "dass künftig Strafen in dieser Größenordnung verhängt werden". Politische Botschaften im Zusammenhang mit Fußballspielen seien schon lange untersagt. Sie könnten zu "Eskalationen" in einem voll besetzten Fußballstadion führen.

Was befürchtet die (politische) Fan-Seite?

"Scheiß-DFB", "Fußball-Mafia FIFA": Solche Botschaften finden sich immer wieder in den Fankurven. Viele Fans befürchten eine Kultur der Einschüchterung durch das Androhen extrem hoher Strafen für politische und verbandskritische Meinungsäußerungen. Auch Vereine könnten den Druck auf die eigene Fanszene erhöhen, um das Risiko schmerzhafter Geldstrafen zu minimieren. Die Fan-Interessenvertretung "Unsere Kurve" erklärte zuletzt: "Dass Kritik sich starker Bilder bemüht, wenn sie ansonsten Gefahr läuft, nicht wahrgenommen zu werden, können wir nachvollziehen."

Wie reagiert der DFB auf diese Sorgen?

Der DFB teilt mit: "Die Sorgen der Fanvertreter nehmen wir ernst, sie sind aber unbegründet. Uns ist wichtig, klarzustellen, dass inhaltliche, auch scharfe Kritik am DFB, an der FIFA oder an anderen Akteuren des Fußballs weiterhin zulässig ist." Es gehe nicht darum, legitime Meinungsäußerungen oder Kritik zu sanktionieren. Das DFB-Sportgericht habe in den vergangenen Jahren keine Geldstrafen wegen politischer Botschaften verhängt.

Zudem beachte die DFB-Sportgerichtsbarkeit "die grundrechtlich geschützte Meinungsfreiheit in jedem Einzelfall". Gleichzeitig könne man "auch unterhalb der strafrechtlichen Bewertung" Äußerungen sanktionieren, zur Einhaltung der Fairness und des Respekts.

Doch es gibt offenbar auch intern Zweifel, dass der verschärfte DFB-Sanktionskatalog gegen "politische oder sonstige Anschauungen" zur im Grundgesetz verankerten Meinungsfreiheit passt. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet (externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt), weisen führende DFB-Juristen darauf hin, dass es in Deutschland "kein Verbot der anständigen Meinungsäußerung" gebe und die Sportgerichtsbarkeit an staatliche Gesetze gebunden sei.

Wer muss zahlen: Vereine oder Fans?

Strafen, die der DFB für das (Fehl-)Verhalten von Fans im Stadion verhängt, müssen immer vom jeweiligen Verein gezahlt werden. Das gilt auch für das Abbrennen von Pyrotechnik. Vereinfacht gesagt: Der Verein ist verantwortlich für das Verhalten seiner Anhänger im Stadion.

Zivilrechtlich kann ein Verein allerdings versuchen, sich das Geld von den verantwortlichen Fans zurückzuholen. In einzelnen Fällen ist das auch schon passiert. Allerdings ging es da "nur" um fünfstellige Summen – und um Pyrotechnik, nicht um politische Botschaften.

Welche Sanktionen drohen bei der Fußball-WM 2026?

Der verschärfte DFB-Sanktionskatalog gilt nur für Wettbewerbe in Deutschland wie Bundesliga oder DFB-Pokal. Nicht für die Fußball-WM, die im Juni und Juli 2026 in den USA, Mexiko und Kanada stattfindet. Relevant sind dort die nationalen Gesetze – und die Vorgaben des Fußball-Weltverbands FIFA, die aber nicht weniger streng sind.

Für Fans bei der WM gilt: Politische Äußerungen in der Kurve können zu einem Stadionverweis oder Stadionverbot führen. Bei Gewaltaufrufen oder anderen strafrechtlich relevanten Handlungen drohen zusätzlich polizeiliche Maßnahmen. Die FIFA kann gegen Nationalverbände Geldstrafen verhängen, theoretisch sogar Punktabzüge. Was genau passiert, wenn Fans in WM-Stadien gegen Trumps Politik oder FIFA-Chef Gianni Infantino protestieren? Das dürften die nächsten Wochen zeigen.

Dieser Artikel ist erstmals am 10.06.2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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