Von einer "Enttäuschung" spricht CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann am Wahlabend, als sich abzeichnet, dass die CDU nicht mehr in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern einzieht. Die Menschen hätten das Gefühl "Demokratie funktioniert nicht mehr", weil wichtige Entscheidungen der letzten Jahre "nicht getroffen" worden seien. Der Reformkurs müsse deshalb beibehalten werden.
CSU: keine Personaldebatte
Doch ist Friedrich Merz noch der richtige Kanzler? Hoffmann betont: "Wir als CSU führen keine Personaldebatte". Man sei angetreten, "das Land nach vorne zu bringen". Es gehe darum, "dass wir die Abstiegsängste der Menschen ernst nehmen".
Luft nach oben sieht er "im sozialen, im wirtschaftlichen Bereich". Also in den Ressorts, in denen CDU und SPD die Bundesminister stellen. Dagegen lobt Hoffmann die drei "sehr starken" Minister der CSU, die "geliefert" hätten, bei Innenpolitik, Technologie und Raumfahrt sowie Landwirtschaft. "Wir als CSU stehen für den Politikwechsel".
AfD: "Irgendwann regieren wir"
Nicht ganz zufrieden ist Bayerns AfD-Landeschef Stephan Protschka mit dem Wahlausgang in Berlin. Die AfD wurde dort mit 16,3 Prozent drittstärkste Kraft. Stärkste wurden die Linken – die sollen laut Protschka nun auch regieren. Aus der gewonnenen Wahl in Mecklenburg-Vorpommern sehe er seine Partei dagegen mit "geschwellter Brust" gehen.
Protschka ist überzeugt, dass die Bürger in Bund und Ländern "eine Mitte-Rechts-Regierung" wollen - also AfD und Union. Wegen der Brandmauer aber laufe es am Ende doch immer "auf eine linke Regierung" heraus, glaubt der AfD-Politiker.
Protschkas Fazit: "Wir machen die Politik, die der Bürger will." Für seine Partei in Bayern und im Bund bedeute das: "Wir bleiben unserem Kurs treu." Und irgendwann, so der niederbayerische Bundestagsabgeordnete, "regieren wir".
Grüne: "Zeigen, wofür wir brennen"
Weitgehend zufrieden mit den Ergebnissen ihrer Partei zeigte sich die bayerische Grünenpolitikerin Katharina Schulze. Nach dem weiteren Erstarken der AfD aber warnt die Landtags-Fraktionschefin vor einer "Hyperfixierung" auf diese Partei. Sie fordert: weniger auf die AfD schauen, stattdessen nach vorne stellen, "wofür wir kämpfen, wofür wir brennen, was wir verbessern wollen". Die Grünen hätten da unter anderem mit ihrer Umwelt- und Klimapolitik ein Angebot.
Die anderen demokratischen Kräfte im Landtag forderte Schulze auf, sich unterzuhaken und gemeinsam für "die Schönheit der Demokratie" zu werben.
Fragezeichen hat Schulze zur Regierungsbildung in Berlin: Es sei "spannend" wie sich "meine Parteifreundinnen und Parteifreunde" verhalten werden. Möglich wäre eine rot-rot-grüne Regierung unter Führung der Linken. Ob SPD und Grüne in ein Bündnis mit der Linken gehen, ist unklar: Die Berliner Linke steht wegen Antisemitismusvorwürfen in der Kritik, und sie pocht auf die rasche Vergesellschaftung der großen Wohnungskonzerne, was die Grünen skeptisch sehen und die SPD ablehnt.
Aiwanger: Bürgerliche Mehrheiten nur mit Freien Wählern
"Die AfD frisst die Union auf und die linken Parteien regieren", so das Fazit von Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger. Bürgerliche Mehrheiten seien aktuell so gut wie nicht möglich. Mit Ausnahme Bayerns – dank seiner Partei: "Ein Glück, dass es in Bayern die Freien Wähler gibt", so Aiwanger. Nach der nächsten Landtagswahl 2028 ist sein Ziel: weiter mitregieren. Auch in anderen Bundesländern müssten die Freien Wähler "wieder Fuß fassen". In Mecklenburg-Vorpommern haben sie laut vorläufigem Ergebnis gestern 0,4 Prozent der Zweitstimmen erhalten, weniger als 2021.
Er mache sich "Sorgen um dieses Deutschland", so Aiwanger. Etwa wegen der Ankündigung der Berliner Linken, große Wohnungsunternehmen zu enteignen: "Das sind ja mittlerweile kommunistische Züge, die hier an den Tag gelegt werden."
SPD: Kümmern – wie Schwesig
Ein "Alarmzeichen" vernimmt Bayerns SPD-Co-Landeschef Sebastian Roloff. Die SPD müsse ihre Hausaufgaben künftig "anders" machen. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig finde er "toll". Sie habe gezeigt, "wenn man sich um die Menschen kümmert, um Bezahlbarkeit kümmert, Lebensmittelpreise, Mieten und Spritpreise, dass die Menschen sich dann gehört fühlen".
Er begrüße es sehr, dass Schwesig wohl eine zentrale Rolle in der SPD spielen werde. Auf die Frage nach den Bundesvorsitzenden Bärbel Bas und Lars Klingbeil antwortet Roloff: Ein "Trainerwechsel" sei "kein Selbstzweck". Die Probleme der SPD gingen tiefer, "als dass man Köpfe austauscht, und alles wird gut".
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