Ein Mann schwenkt in einem Weinkeller ein Weinglas.
Ein Mann schwenkt in einem Weinkeller ein Weinglas.
Bild
Ein Mann schwenkt in einem Weinkeller ein Weinglas. (Symbolbild)
Bildrechte: pa/dpa/ Robert Michael
Schlagwörter
Bildrechte: pa/dpa/ Robert Michael
Videobeitrag

Ein Mann schwenkt in einem Weinkeller ein Weinglas. (Symbolbild)

Videobeitrag
>

Alkoholfreier Wein aus Franken: Neue Technik für volles Aroma

Alkoholfreier Wein aus Franken: Neue Technik für volles Aroma

Alkoholfreier Wein wird immer mehr nachgefragt, gerade bei Jüngeren. In Franken entstehen deshalb neue Anlagen, die dem Rebensaft schonend den Alkohol entziehen. Auch kleinere Winzer sollen davon profitieren können – und das nicht nur hierzulande.

Über dieses Thema berichtet: Unser Land am .

Der erste alkoholfreie Wein - komplett "Made in Franken" - ist da: Im Weinkeller der Winzergemeinschaft Franken (GWF) ist er entstanden – in der eigens dafür angeschafften Entalkoholisierungsanlage für rund 800.000 Euro. Die GWF nutzt sie nicht nur für ihre eigenen Produkte, sondern bietet die Anlage als Dienstleister auch anderen Winzern an. Schon ab einer Menge von 1.500 Litern können sie damit ihrem Wein den Alkohol entziehen lassen – besonders schonend, mit einer innovativen Membrantechnik, so dass möglichst viel Aroma und damit Weincharakter erhalten bleibt, wie es heißt.

Alkoholfreier Wein: Wachsende Nische

Darauf hofft auch Winzer David Kirch. Er hat im vergangenen Jahr zum ersten Mal alkoholfreien Wein produziert. Der Grund: Immer mehr Leute verzichten auf Alkohol, gerade jüngere Generationen. Diesen Leuten will er eine Alternative anbieten: "Alkoholfreier Wein wird normalem Wein nie das Wasser reichen, aber es ist eine super Ergänzung. Das ist Wein, den ich ansonsten nicht verkaufen würde", erklärt Kirch.

Zwar sind alkoholfreie Weine mit einem Marktanteil von zwei Prozent eine Nische – aber sie wächst: Im vergangenen Jahr haben Absatz und Umsatz laut Deutschem Weininstitut um 25 Prozent zugelegt. Deutsche Winzerinnen und Winzer bieten mittlerweile viel mehr alkoholfreien Wein an als früher: Im vergangenen Jahr hatte jedes dritte Weingut alkoholfreien Wein im Sortiment – so wie auch David Kirch.

Bisher nur wenige Entalkoholisierungsanlagen

Für seinen ersten Versuch im vergangenen Jahr musste er seinen Wein noch quer durch Deutschland fahren. "Nicht optimal fürs Endprodukt", erklärt der 27-jährige Winzer. Doch bis vor kurzem gab es deutschlandweit nur drei Entalkoholisierungsanlagen, die als Dienstleister tätig waren: in Rheinhessen, der Pfalz und Baden-Württemberg. Dass Produktion und Abfüllung alkoholfreier Weine nun bei der GWF in Franken möglich sind, macht für Kirch einiges einfacher.

Bau zweiter Anlage in Unterfranken

Und das Marktpotenzial ist offenbar noch nicht ausgeschöpft. Denn bis zum Jahresende wird noch eine weitere Entalkoholisierungsanlage dazu kommen – ebenfalls in Unterfranken. Sie entsteht gerade in Sennfeld im Landkreis Schweinfurt. Kostenpunkt samt Flaschenabfüllung: zehn Millionen Euro. "Frankenzero" heißt das eigens dafür gegründete Unternehmen.

Geschäftsführer ist Luca Dahms, Sohn der Schweinfurter Winzerfamilie Dahms, der seit einigen Jahren erfolgreich alkoholfreie Weine unter dem Namen "Senzo" produzieren lässt. Bisher noch in Rheinhessen, ab 2027 dann in der eigenen Anlage in Unterfranken – so der Plan, erklärt Luca Dahms. Mehr als 20 Investoren hätten in das Millionenprojekt investiert – vor allem aus der Region. "Es ist ein Unternehmen von Franken für Franken", sagt Dahms.

Konkurrenz durch Millionenprojekt?

Rund 12 Millionen Liter alkoholfreien Wein kann die neue Anlage laut Dahms im Jahr zu produzieren. Pro Stunde soll sie 3.500 Liter schaffen. Zum Vergleich: Die Anlage der GWF schafft nur 500 Liter pro Stunde und hat sich eine Million Liter in den nächsten zehn Jahren als Ziel gesetzt. Auf rund 100 Quadratmetern soll außerdem ein eigenes kleines Forschungslabor entstehen. Man arbeite eng mit dem Deutschen Weininstitut und der Hochschule Geisenheim zusammen.

Mit der neuen Anlage will Frankenzero auch als Dienstleister tätig werden. Einige Winzer aus der Region hätten auch schon bei ihm nachgefragt, so Dahms. Frankenzero tritt damit in direkte Konkurrenz zur GWF. Dennoch sieht Dahms darin kein Problem: Der Markt sei noch absolut in den Kinderschuhen und bestehende Anlagen teilweise überfüllt. "Wer dort Weine entalkoholisieren will, muss teilweise mit einer Wartezeit von zwei bis drei Monaten rechnen", sagt Dahms.

Noch dazu müsse man den Blick über Franken hinaus auf ganz Europa weiten: Der 33-Jährige plant künftig, Weinen aus Italien, der Schweiz oder Österreich den Alkohol zu entziehen, weil es auch dort kaum Anlagen gibt – beziehungsweise es teilweise sogar verboten war.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!