Das Heim im Oberallgäu hinter einer Buchenhecke.
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In diesem Heim im Oberallgäu sollen fragwürdige Erziehungsmethoden angewandt worden sein.
Bildrechte: BR / Rupert Waldmüller
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In diesem Heim im Oberallgäu sollen fragwürdige Erziehungsmethoden angewandt worden sein.

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Allgäuer Kinderheim: Erziehung mit Chilipaste und Polizeigriff?

Allgäuer Kinderheim: Erziehung mit Chilipaste und Polizeigriff?

Im April hat das Jugendamt alle Kinder aus einem Heim im Oberallgäu geholt. Der Grund: kindeswohlgefährdende Erziehungsmethoden. Jetzt wurden weitere Einzelheiten bekannt. Im Raum stehen freiheitsentziehende Maßnahmen und mögliche Misshandlungen.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

Schon Anfang März hatte die Regierung von Schwaben ein Tätigkeitsverbot gegen die pädagogische Leitung des Heims verhängt. Mitte April bestätigte das Verwaltungsgericht Augsburg diesen Schritt. In dem Gerichtsbeschluss, der mittlerweile dem BR vorliegt, werden konkrete Vorwürfe genannt: Unter anderem sollen die Kinder in dem Heim bis zu 30 Minuten festgehalten und auf den Boden gedrückt worden sein – immer wieder auch mit dem Polizeigriff.

Kalte Dusche, Waschlappen im Mund

Darüber hinaus werden in dem Gerichtsbeschluss fragwürdige Erziehungsmethoden aufgelistet: Einem Kind soll wiederholt eine scharfe Chilipaste auf die Lippen geschmiert worden sein, ein Kind soll unter die Dusche gezerrt und kalt abgeduscht worden sein. Und wieder einem anderen Kind wurde laut den Vorwürfen immer wieder ein Waschlappen oder ein Korken in den Mund gesteckt, wenn es laut gesummt oder gesungen hat. Außerdem sollen die Betreuer die Kinder teils über Stunden in ihre Zimmer eingesperrt haben. Schon bei kleinen Fehlern soll es harte Strafen gegeben haben.

Betreiber: "Vorwürfe ungeprüft übernommen"

Hinter dem Heim steht der umstrittene Verein Mission Freedom aus Hamburg, dem ein christlich-fundamentalistisches Weltbild nachgesagt wird. Auf eine BR-Anfrage zu den nun bekannt gewordenen, konkreteren Vorwürfen hat der Verein bisher nicht reagiert. In dem Gerichtsbeschluss wird aber eine Stellungnahme des Trägers ausführlich zitiert. Darin heißt es: Die Regierung von Schwaben habe die Vorwürfe im Wesentlichen ungeprüft übernommen. Die Meldepersonen – ehemalige Mitarbeiter hatten sich im Februar an die Heimaufsicht gewandt – könnten mangels Qualifikation nicht zwischen anerkannten traumapädagogischen Maßnahmen und Anwendungen gegen den Willen eines Kindes unterscheiden.

Heim-Betrieb inzwischen eingestellt

In Eskalationssituationen seien die Kinder festgehalten worden, um weitere Schläge und Tritte der Kinder zu verhindern und die Kinder selbst und andere zu schützen. Auf seiner Internetseite schreibt der Verein in einer Anfang Mai zuletzt aktualisierten Stellungnahme: Eine beauftragte externe Kinderschutzfachkraft habe keine aktuelle Kindeswohlgefährdung in dem Heim festgestellt. Inzwischen sei der Betrieb aber aufgrund der weiteren Entwicklungen eingestellt worden. Der Träger werde zudem keine weiteren rechtlichen Schritte mehr verfolgen.

Misshandlung? Staatsanwaltschaft ermittelt

In der Traumapädagogik gibt es durchaus Methoden, Betroffene in Extremsituationen mit starken Reizen zurück ins Hier und Jetzt zu holen. Das hatte das für das Heim zuständige Jugendamt Oberallgäu in Sonthofen dem BR schon vor Längerem bestätigt. Im Fall des privaten Heims war der schmale Grat zwischen dem, was einem Kind helfe und dem, was ihm schade, aus Sicht des Jugendamts jedoch in etlichen Fällen überschritten. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Heimleitung wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen.

Vermieter kündigt Betreiber fristlos

Die Regierung von Schwaben als Heimaufsicht prüft unabhängig von den strafrechtlichen Ermittlungen derzeit die Betriebserlaubnis für das Heim. Der Vermieter des Hauses, die Katholische Jugendfürsorge (KJF) in Augsburg, hat dem Betreiber wegen der Vorgänge inzwischen fristlos gekündigt. Bis zu einer möglichen rechtskräftigen Verurteilung gilt für alle Beschuldigten die Unschuldsvermutung.

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