Nach einem Amoklauf an einem Ansbacher Gymnasium verurteilte die Jugendstrafkammer des Landgerichtes Ansbach den Täter zu neun Jahren Jugendstrafe und ordnete zudem als Maßregel die unbefristete Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an. Sechzehn Jahre war er als Patient dort untergebracht, bis er von einem genehmigten Ausgang nicht mehr zurückkam. Bei seiner Flucht nach Kolumbien könnte er Helfer gehabt haben, so die Ermittlungsbehörden.
Flucht aus der Psychiatrie nach Südamerika
Nachdem am 16. August dieses Jahres sein Fehlen in der psychiatrischen Klinik in Erlangen bemerkt worden war, befand sich der Amokläufer laut Ermittlungsbehörden nicht mehr in Deutschland. Als der Hinweis kam, dass er sich in Kolumbien aufhalten könnte, hat ein Verbindungsbeamter des Bundeskriminalamts den Kontakt zu den kolumbianischen Behörden hergestellt und die Festnahme dort koordiniert. Die Ermittler gingen schnell davon aus, dass er bei der Flucht Hilfe gehabt habe, weil diese detailliert geplant und die Route gut durchdacht gewesen sei.
Nun wird gegen mehrere Personen ermittelt, die dem Mann bei der Flucht nach Südamerika geholfen haben könnten. Die Staatsanwaltschaft Ansbach habe ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Gefangenenbefreiung gegen mehrere Personen eingeleitet, teilte Behördensprecher Jonas Heinzlmeier mit. Weitere Details könne er nicht nennen.
Rückflug für 195.000 Euro
Die Rückführung von Kolumbien nach Deutschland habe schnell erfolgen müssen, so der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Ansbach. "Andernfalls hätte sich die Staatsanwaltschaft selbst dem Vorwurf der Strafvereitelung im Amt ausgesetzt." 195.000 Euro kostete der der Rückflug.
Es handelt sich dabei um die Kosten für einen Sonderflug, also eine gecharterte Maschine. Denn ein regulärer Linienflug sei mit dem aus der Psychiatrie entflohenen Mann nicht möglich gewesen, so der Sprecher. Die Fluggesellschaft, die die Strecke im Direktflug anbietet, nehme nur Passagiere mit, die ihre Reise freiwillig antreten und nicht gefesselt sind. So kam es zum Flug mit einer Sondermaschine.
Nach dem Amoklauf in die Psychiatrie
Der heute 34-Jährige hatte 2009 als 18-Jähriger am Ansbacher Carolinum-Gymnasium mit einer Axt, Messern und Brandsätzen die Schule gestürmt. Dabei verletzte er neun Mitschüler und einen Lehrer. Im April 2010 wurde er deshalb zu neun Jahren Jugendstrafe verurteilt.
Hinzu kam die unbefristete Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik. Nach 16 Jahren in der forensischen Psychiatrie hatte der inzwischen 34-Jährige zuletzt 30 Stunden Freigang pro Woche. In dieser Zeit konnte er sich frei bewegen und konnte offensichtlich sogar einen Reisepass beantragen.
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