Fünf von sieben Angeklagten im Prozess um die Aktion von "Animal Rebellion" im März 2025 auf dem Grundstück des Bauernpräsidenten Günther Felßner im Nürnberger Land sind wegen Hausfriedensbruchs zu Geldstrafen verurteilt worden. Ein Angeklagter erhielt einen Freispruch, der Prozess um eine weitere Angeklagte wurde abgekoppelt, da ein neues Gutachten erforderlich ist.
Der Vorsitzende Richter André Gläßl vom Amtsgericht Hersbruck ist davon überzeugt, dass die Aktivisten mit ihrer Protestaktion Aufmerksamkeit erregen wollten: "Mit gezündeten Bengalos sollte es nach etwas ausschauen." Die fünf Aktivisten wurden zu 40 bis 60 Tagessätzen zu 30 bis 50 Euro verurteilt. Der Prozess fand aus Platzgründen in Nürnberg statt.
Verstöße gegen Tierschutz nicht bestätigt
Im März 2025 waren Mitglieder von "Animal Rebellion" in das Grundstück des bayerischen Bauernpräsidenten im Nürnberger Land eingedrungen, um gegen dessen mögliche Ernennung zum Bundeslandwirtschaftsminister zu protestieren. Der Anklage zufolge sollen sie Pyrotechnik gezündet und mit Bannern und Plakaten gegen vermeintlich tierschutzrelevante Missstände protestiert haben. Ein entsprechendes Verfahren gegen Felßner wurde eingestellt, da sich der erhobene Verdacht nicht bestätigt hatte.
Bei der Aktion, die Felßner als "Überfall" bezeichnet, waren zwei Aktivisten auf das Dach von Felßners Rinderstall geklettert, um ein Transparent zu befestigen. Es trug den Schriftzug: "Kein Tierausbeuter als Agrarminister". Dafür hatten sie lange Leitern mitgebracht. Weitere Aktivisten hatten sich auf dem Hof verteilt und Plakate mit Protestnoten in die Höhe gehalten, teilte "Animal Rebellion" damals mit.
Felßner sicher: Das war Terrorismus
Am zweiten und letzten Prozesstag hat am heutigen Mittwoch unter anderem das Ehepaar Felßner ausgesagt. Günther Felßner gab dabei an, er sei im Zug nach Berlin unterwegs gewesen, als der Anruf seiner Frau kam. Der CSU-Politiker erinnerte sich, dass sie gesagt habe: "Die zünden uns an, hol Feuerwehr und Polizei." Er verurteilte die Aktion der Aktivisten vor Gericht mit den Worten: "Wenn das so ist, dass die 'Terroristen' mich unter Druck setzen, dass sie meine Familie angreifen, dann ist für mich sofort Schluss mit diesem Amt."
Felßner sprach von einem Überschreiten aller Grenzen und verzichtete auf den von CSU-Chef Markus Söder zugesagten Posten. Vor Gericht warf er den Angeklagten vor, dass die Gesundheit seiner Familie angegriffen wurde, um Ziele auch gewaltsam zu erreichen – für ihn ein terroristischer Akt.
Schritte auf dem Dach des Kuhstalls
Doris Felßner sagte vor Gericht, sie habe Panik bekommen, als sie zehn bis 15 Aktivisten vor dem Stall bemerkt hatte. Ihrer Aufforderung, das Grundstück zu verlassen, seien die Aktivisten nicht nachgekommen. Doris Felßner sei mit ihrem Mitarbeiter unter Panik im Stall geblieben, habe die Polizei gerufen, danach ihren Mann kontaktiert. Ihm schilderte sie damals, dass sie Schritte auf dem Dach des Stalls gehört habe und nun Rauch an der Seite in den Stall ziehe. Die Tiere hätten sich laut Aussage des Mitarbeiters aus Angst in eine Ecke des Laufstalles gedrängt.
Günther Felßner schilderte dem BR, dass er aufgelegt habe, ohne zu wissen, wie es mit seiner Familie weitergehe. Im Prozess wurde klar, dass es sich bei dem Rauch um Pyrotechnik handelte, welche die Angeklagten gezündet hatten.
Felßner: "Die Angst ist eingezogen"
Auch jetzt, ein Jahr nach dem Angriff, so Doris Felßner, gehe sie noch mit einem unguten Gefühl in den Stall. Im Gespräch mit dem BR sagte sie, sie lasse heute niemanden, den sie nicht kenne, in den Stall. "Die Angst ist eingezogen", fügt ihr Mann hinzu. "Für uns hat sich das Leben völlig verändert. Wir haben viele unserer Ideale verloren durch diesen Angriff." Dazu gehöre zum Beispiel, dass die Familie keine Schulklassen mehr auf dem Hof empfange. Günther Felßners Wunsch lautet: "Das darf sich nicht wiederholen."
Im Audio: Bayern 1-Gerichtsreporterin Miriam Scholz zum Prozess
(Archivbild) Protestaktion von Animal Rebellion
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