Weil sie im März vergangenen Jahres auf das Grundstück des bayerischen Bauernpräsidenten eingedrungen sein sollen, müssen sich seit Mittwochmorgen sieben mutmaßliche Mitglieder der Tierrechtsbewegung "Animal Rebellion" vor dem Amtsgericht Hersbruck verantworten. Aus Platzgründen findet der Prozess jedoch in Nürnberg statt. Zum Prozessauftakt demonstrierten dort am morgen fünf Aktivisten vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth mit einem großen Banner mit dem Schriftzug: "Klima schützen ist kein Verbrechen".
Mit Felßner als Landwirtschaftsminister "Schmerzgrenze erreicht"
Als der Prozess am Vormittag im Landgericht begann, hatte einer der Angeklagten die Gelegenheit, sich ausführlich zu dem Vorfall auf dem Hof des CSU-Politikers zu äußern. Der Vorsitzende Richter Andrè Gläßel räumte ihm für seine Aussage viel Raum und Zeit ein. Dabei sagte der 50-jährige Angeklagte aus Oberbayern über sich selbst: Er könne nicht anders handeln als das, was sein Gewissen als richtig ansehe. Er sei sehr engagiert, sein Leben bestehe aus Arbeit und Aktivismus.
Er habe sich schon früh mit Klimafragen und Tierschutz auseinandergesetzt. Und als bekannt wurde, dass der bayerische Bauernpräsident Günther Felßner als Bundeslandwirtschaftsminister gehandelt werde, so der 50-Jährige weiter, sei bei ihm eine Schmerzgrenze erreicht gewesen.
Aktivisten vor Gericht: "Von privatem Grund nichts gewusst"
Eine weitere Angeklagte von "Animal Rebellion" ließ zum Prozessauftakt über ihren Verteidiger eine Erklärung verlesen. In der bestätigte sie, an dem Tag im März 2025 vor Ort gewesen zu sein. Sie habe aber den öffentlichen Straßenraum nicht verlassen und gab weiter an, sie sei als Polizeikontakt vor Ort gewesen, aber nicht als Teil der Gruppe.
Bei ihren Aussagen gaben mehrere Angeklagte an, sich nicht bewusst gewesen zu sein, privaten Grund betreten zu haben. Ein öffentlicher Weg führt durch das landwirtschaftliche Anwesen des bayerischen Bauernpräsidenten. Verantworten müssen sich die sieben Angeklagten unter anderem wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs.
Aktivisten waren auf Felßners Rinderstall geklettert
Am 24. März 2025 hatten die Tierrechtsaktivisten auf dem Hof des bayerischen Bauernverbandspräsidenten Günther Felßner im Nürnberger Land gegen seine mögliche Ernennung zum Bundeslandwirtschaftsminister protestiert. Zwei Aktivisten der Tierrechtsbewegung "Animal Rebellion" kletterten auf das Dach von Felßners Rinderstall, um ein Transparent zu befestigen – mit dem Schriftzug: "Kein Tierausbeuter als Agrarminister". Dafür hatten sie lange Leitern mitgebracht. Weitere Aktivisten hatten sich auf dem Hof verteilt und Plakate mit Protestnoten in die Höhe gehalten, teilte "Animal Rebellion" damals mit.
Wie eine Justizsprecherin erklärte, sollen die Angeklagten bei der Protestaktion unberechtigt Felßners Anwesen betreten haben, dort Pyrotechnik gezündet und mit Bannern und Plakaten gegen vermeintlich tierschutzrelevante Missstände protestiert haben. Felßner sprach von einem Überschreiten aller Grenzen und verzichtete infolgedessen auf den von CSU-Chef Markus Söder zugesagten Ministerposten.
Günther Felßner
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

