Monate- und jahrelang wurde über die Weiterbetreibung des Ankerzentrums Bamberg in der Stadt, aber auch mit dem Freistaat gestritten. Auf den letzten Drücker soll der Stadtrat nun morgen einem Vertrag über die Weiterführung zustimmen. Informationen dazu sollten die Stadträte am vergangenen Wochenende erhalten, das geschah aber offenbar nicht. Nur einige Parteien wurden vorab zu einem Infogespräch mit dem Oberbürgermeister geladen. Gestern Abend gab es dann erste Informationen für die Anwohner rund um das Ankerzentrum.
Anker Bamberg bleibt als einzige Einrichtung in Oberfranken
Zu einer Sondersitzung des Bamberger Stadtrats wird morgen auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erwartet. Es geht um den Vertrag über die Weiterbetreibung des Ankerzentrums im Osten der Stadt Bamberg. Ende des Jahres läuft der Vertrag mit dem Freistaat über den Betrieb der Erstaufnahmeeinrichtung für Oberfranken aus. Kurz vor knapp soll nun der Stadtrat der Vertragsverlängerung zustimmen. Während für Ankerzentren wie Manching oder Fürstenfeldbruck lediglich die Laufzeit bis 2030 erweitert wurde, soll die Bamberger Erstaufnahmeeinrichtung nach ersten Informationen weitere zehn Jahre und damit bis 2035 betrieben werden. Bayernweit gibt es insgesamt sieben Ankerzentren mit insgesamt 21 Dependancen. Nur die Oberpfalz, Oberfranken und Unterfranken haben für ihren Bezirk einen einzigen Standort.
Was auf einer Bürgerversammlung noch bekannt wurde: In Bamberg soll durch den Vertrag mit dem bayerischen Innenministerium die Belegungs-Obergrenze von derzeit 1.500 auf 1.300 reduziert werden. In Zeiten eines starken Flüchtlingszugangs kann die Zahl aber auf bis zu 2.300 steigen.
Vor allem kleine Parteien enttäuscht
Lediglich zwei Stunden wurden für die entscheidende Stadtratssitzung anberaumt. Vor allem bei den kleinen Parteien wird vermutet, dass Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Bürgermeister Jonas Glüsenkamp (Grünes Bamberg) bereits im Vorfeld eine Allianz aus Grünes Bamberg, SPD und Teilen der CSU für die Annahme des Vertrages geschmiedet haben. Das sei auch legitim, ob nun im Bund oder auf Stadtebene, meint Hans-Georg Brünker von Volt.
Zehn Jahre lang hätten es SPD, Grüne und CSU versäumt, eine Alternative zum Ankerzentrum zu schaffen, kritisiert Karin Einwag von Bambergs unabhängige Bürger (BuB). "Leidtragende sind die Bürger in Bamberg-Ost. Die Verursacher des Desasters werden voraussichtlich am Freitag in Hauruckmanier den Weiterbetrieb abnicken."
Andreas Triffo vom Bamberger Bürgerblock (BBB) hat sich mehr Gegenleistungen vom Freistaat erhofft. Manche Formulierungen im Vertrag seien zudem zu unverbindlich. "Außerdem", so Triffo, "hätten wir uns eine deutlich verstärkte Polizeipräsenz sowie die Einrichtung eines Entschädigungsfonds infolge einschlägiger Ladendiebstähle gewünscht."
Bamberg kann Gelände kaufen
Die wichtigste Bedingung für die Vertragsannahme wurde bereits erfüllt: Die Stadt kann das 16 Hektar große Gelände demnächst vom Bund erwerben. Sie stellt es jedoch dem bayerischen Innenministerium während des Weiterbetriebs der Einrichtung mietfrei zur Verfügung. Dafür wird der Freistaat die Sanierung des Stadionbades und Projekte im Volkspark finanziell unterstützen. Weiterhin ist mehr Beratungspersonal im Ankerzentrum Bamberg vorgesehen, eine weitere Bushaltestelle vor und der Bau eines Rad- und Gehwegs in der Nähe der Einrichtung. Gerhard Seitz, Stadtratsmitglied der CSU, kritisiert, dass an die Bürger im Osten der Stadt, wo sich das Ankerzentrum befindet, zu wenig gedacht wurde. Er forderte im Vorfeld der Stadtratssitzung unter anderem feste Bürgersprechstunden und Konfliktmanagement rund um das Einrichtungsgelände.
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