Landtag und Staatsregierung stehen voll hinter der Kampagne "Antisemitismus ohne mich"
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Landtag und Staatsregierung stehen voll hinter der Kampagne "Antisemitismus ohne mich"
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Appell im Landtag: "Raus aus der schweigenden Mitte"

Appell im Landtag: "Raus aus der schweigenden Mitte"

Anfang der Woche meldete RIAS Bayern eine neue Rekordzahl antisemitischer Angriffe im Freistaat. Daraufhin stellten sich zahlreiche Abgeordnete demonstrativ hinter die Kampagne "Antisemitismus ohne mich" - ein Zeichen an die Gesamtgesellschaft.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

"Antisemitismus ohne mich": Der Sticker mit dem Slogan und zwei pinkfarbenen Händen, die einen ebenfalls pinkfarbenen Davidsstern schützend umrahmen, klebt an einem Schaufenster eines kleinen Modeladens in München-Haidhausen. Trixi Obermaier, selbst nicht jüdisch, will damit ein Zeichen setzen. "Weil wir doch alle Menschen sind, weil ich gegen Ausgrenzung bin", sagt die Einzelhändlerin. Es könne nicht sein, dass Jüdinnen und Juden hierzulande Angst haben müssten.

Anonyme Drohungen gegen Einzelhändlerin

Nun ist Trixi Obermaier selbst Opfer von Drohungen geworden. Als die Einzelhändlerin in dieser Woche am Vormittag ihren kleinen Mode-Laden aufsperrt, ist sie schockiert. Denn an die Scheibe ihres Ladens hat jemand direkt neben den pinken Aufkleber geschrieben: "Halts Maul Zio". Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art: Anfang April sprühte jemand über ihre Ladentür die Parole "Zios jagen" - eine eindeutig antisemitische Drohung. Der Staatsschutz ermittelt. Natürlich mache das was mit einem, sagt Obermaier. Angst aber habe sie nicht: "Man darf sich da nicht einschüchtern lassen".

Immer wieder werde sie auch von Kunden angesprochen auf ihr pinkfarbenes Statement. Viele fänden es gut. Bei anderen, die Israel wegen des Kriegs im Nahen Osten kritisierten, müsse sie viel Aufklärungsarbeit leisten. "Die bringen die Politik von Netanjahu durcheinander mit der jüdischen Gemeinde. Das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun", so Obermaier.

Appell: "Raus aus der schweigenden Mitte"

Initiiert hat die Kampagne "Antisemitismus ohne mich" der Münchner jüdische Professor Guy Katz. Er ist Mitglied der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, hat zuletzt nach dem mutmaßlich antijüdisch motivierten Anschlag auf das Münchner Lokal "Eclipse" eine Demonstration organisiert. Sein Appell: "Raus aus der schweigenden Mitte". Jeder könne etwas tun gegen Antisemitismus, "ob ein Aufkleber, ein Anstecker oder Reagieren auf blöde Kommentare im Netz".

Vier Fraktionen und Staatsregierung unterstützen Kampagne

Um dem Nachdruck zu verleihen, hat Guy Katz die Politik mit ins Boot geholt. Er hat alle Fraktionen bis auf die AfD eingeladen, sich anzuschließen. Dutzende Abgeordnete von CSU, Freien Wählern, Grünen und SPD heften sich Mitte der Woche kurz vor der Plenarsitzung einen pink-weißen Anstecker ans Revers. Sie stellen sich demonstrativ zusammen, machen Fotos und Videos für social Media. Ministerpräsident Markus Söder bekräftigt, der Freistaat werde immer gegen "Antisemitismus, Radikalität und hetzerischen Nationalismus" vorgehen. Am Schutz von Jüdinnen und Juden und am Existenzrecht Israels dürfe kein Zweifel aufkommen. Kritik an der israelischen Regierung und ihrem Agieren sei dennoch möglich, ergänzt Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Ihre Botschaft: Die Menschen sollten sichtbar gegen Judenfeindlichkeit eintreten "weil es Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens gibt, die mittlerweile einfach wieder Angst haben".

Flagge zeigen ohne Angst

Kampagnen-Initiator Guy Katz berichtet, er habe inzwischen zehntausende Aufkleber verschickt. Einige würden die Sticker ganz offensiv auf ihr Auto oder ans Fenster kleben. Viele hätten Angst angefeindet zu werden, so wie es der Modehändlerin Trixi Obermaier zuletzt passiert ist. Aber, "man müsse ja nicht auf die Straße gehen" damit. Im Büro, auf dem Laptop, das würde ja ausreichen, so Katz. Auch wenn er sich wünscht, dass keiner Angst haben müsse, wenn er sich gegen Antisemitismus einsetze oder zu erkennen gebe, dass er jüdisch ist.

RIAS: Zahl judenfeindlicher Angriffe gestiegen

Seit 2019 dokumentiert die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS Bayern) judenfeindliche Vorfälle im Freistaat. Gerade erst veröffentlichte RIAS seinen Bericht für das Jahr 2025: Der neue Höchststand: 1.551 Fälle. Registriert werden von RIAS sowohl einzelne Fälle von extremer körperlicher Gewalt als auch leichtere tätliche Angriffe und Sachbeschädigungen. Für Aufsehen sorgten zuletzt judenfeindliche Schmierereien an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität sowie der mutmaßlich antisemitisch motivierte Anschlag auf das Münchner Lokal "Eclipse".

Für Trixi Obermaier ist trotzdem oder gerade deshalb klar: Ihre Aufkleber bleiben am Schaufenster. Sie hofft auf Nachahmer: Denn hätte in ihrer Straße jeder so einen Aufkleber am Schaufester, dann "wäre es ne normale Sache."

Auf dem Ladentisch hat sie einen Stapel Aufkleber ausgelegt - zum Mitnehmen.

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