"Kill all Jews" - dieses Schmiererei ist im April 2026 im Gebäude der LMU München aufgetaucht.
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"KILL ALL JEWS" - dieses Schmiererei ist im April 2026 im Gebäude der LMU München aufgetaucht.
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RIAS-Bericht: Antisemitische Vorfälle in Bayern auf Höchstniveau

RIAS-Bericht: Antisemitische Vorfälle in Bayern auf Höchstniveau

Seit 2019 dokumentiert die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS Bayern) judenfeindliche Vorfälle im Freistaat. Nun wurde der Bericht für das Jahr 2025 veröffentlicht – mit 1.551 Fällen ist ein neuer Höchststand erreicht.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

"KILL ALL JEWS" (Tötet alle Juden): Diese antisemitische Schmiererei ist erst vor gut einer Woche in einem Gebäude der Ludwig-Maximilians-Universität München aufgetaucht. Die Universitätsleitung hat laut Vizepräsident Armin Nassehi unmittelbar Anzeige erstattet.

Gewalt, Sachbeschädigung, Bedrohungen

Judenfeindliche Vernichtungswünsche wie diesen dokumentiert RIAS Bayern. Die Dokumentationsstelle wird getragen vom Verein für Aufklärung und Demokratie (VAD) und unterstützt von der Staatsregierung. Im Jahr 2025 wurden der Recherchestelle insgesamt 1.551 antisemitische Vorfälle gemeldet. Damit bleibt die Zahl dokumentierter Vorfälle im Vergleich zum Vorjahr (1.526 Fälle) weiterhin auf einem hohen Niveau und ist sogar noch einmal leicht gestiegen.

Unter den juden- und israelfeindlichen Vorfällen im Jahr 2025 wurde auch ein Fall von extremer körperlicher Gewalt mit einem Messer dokumentiert. Hinzu kommen leichtere tätliche Angriffe, Sachbeschädigungen, wie etwa das Beschmieren von Stolpersteinen, Bedrohungen oder Beleidigungen.

Deutlich mehr antisemitische Online-Vorfälle gemeldet

In 466 Fällen waren laut RIAS Bayern jüdische oder israelische Institutionen betroffen – 2024 waren es 192 Fälle. Außerdem wurden im Jahr 2025 deutlich mehr antisemitische Online-Vorfälle gemeldet. Die Zahl stieg laut RIAS von 385 auf 827. Der Anteil des sogenannten israelbezogenen Antisemitismus an allen Vorfällen betrug laut RIAS Bayern 82,5 Prozent.

"Was uns vor allem aufgefallen ist, ist die Bedrohlichkeit, die Intensität und die Unverfrorenheit, die sich gesteigert hat, vor allem im Online-Bereich", erklärt dazu Felix Balandat von RIAS Bayern. Insgesamt kämen die Vorfälle aus allen politischen Richtungen – von rechts bis links, so Felix Balandat.

Grafik: Entwicklung der antisemitischen Vorfälle in Bayern von 2019 bis 2025

Bildrechte: Grafik: BR, Quelle: RIAS
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Antisemitische Vorfälle in Bayern seit 2019.

Spaenle: Entwicklung "erschreckend"

Bayerns Antisemitismus-Beauftragter Ludwig Spaenle (CSU) bezeichnet diese Entwicklung als "erschreckend". Auf BR-Anfrage teilte er mit: "Die dramatische Situation, an der die betroffenen Menschen leiden und die sie als Einschnitt erleben, wird von den bayerischen Sicherheitsbehörden bestätigt: Über 500 judenfeindliche Straftaten gab es 2025."

Jetzt sei nicht nur der Staat gefordert, sondern wir alle, so Spaenle. Er fordert: "aufmerksam hinzuschauen und zu handeln". Denn Antisemitismus sei eine Gefahr für unsere ganze Gesellschaft und unsere Lebensweise. Respekt gegenüber unserem Nächsten sei die Grundlage unserer Demokratie. Der Antisemitismus-Beauftragte spricht sich deshalb für ein "konsequentes Angehen gegen Taten und Täter" aus. Damit jüdische Menschen in Bayern wieder in Sicherheit leben könnten.

Grafik: Antisemitische Vorfälle in Bayern - nach Regierungsbezirk

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Antisemitische Vorfälle nach Regierungsbezirk.

Judenfeindliche Vorfälle und Straftaten seit Oktober 2023 massiv angestiegen

Seit dem Massaker durch die Hamas im Herbst 2023 auf Israel mit über 1.200 Ermordeten und rund 250 Verschleppten in den Gazastreifen und dem darauffolgenden Gegenangriff Israels sind die juden- und israelfeindlichen Vorfälle und Straftaten hierzulande um ein Vielfaches gestiegen.

Im Gegensatz zur Jahresbilanz des Innenministeriums registriert RIAS auch Vorfälle unterhalb der Strafbarkeitsgrenze. Also zum Beispiel, wenn jüdische Menschen für das Handeln der Regierung Israels verantwortlich gemacht werden.

Das Bundesinnenministerium hat 2022 in Deutschland insgesamt 2.641 antisemitische Straftaten erfasst. Im Jahr 2023 schon fast doppelt so viele, nämlich 5.164. Im folgenden Jahr 2024 registrierte das Ministerium 6.236 antisemitische Straftaten in Deutschland. Abschließende Zahlen für das vergangene Jahr liegen aktuell noch nicht vor.

💡 Was ist RIAS Bayern?

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) ist beim Verein für Aufklärung und Demokratie (VAD) e.V. angesiedelt und wird in Bayern vom Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert. Am 1. April 2019 nahm RIAS Bayern ihre Tätigkeit auf. Hauptsächlich nimmt sie Meldungen über Antisemitismus in Bayern auf und unterstützt Betroffene. Antisemitische Vorfälle – auch solche unterhalb der Strafbarkeitsschwelle – können hier (externer Link) oder per Telefon unter 089 / 122 234 060 gemeldet werden.

Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Bayern bleibt weiter hoch. Seit 2019 dokumentiert die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus - kurz RIAS Bayern - judenfeindliche Vorfälle im Freistaat.
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Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Bayern bleibt weiter hoch.

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