04.08.2026, Österreich, Klosterneuburg: Eine Frau steht am Ufer der Donau in Niederösterreich mit Blick auf eine Rollfähre. Ausbleibende Niederschläge und hohe Temperaturen sorgen derzeit für historisch niedrige Wasserstände an der Donau. Foto: Georg Hochmuth/APA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
04.08.2026, Österreich, Klosterneuburg: Eine Frau steht am Ufer der Donau in Niederösterreich mit Blick auf eine Rollfähre. Ausbleibende Niederschläge und hohe Temperaturen sorgen derzeit für historisch niedrige Wasserstände an der Donau. Foto: Georg Hochmuth/APA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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4. August 2026: Niedrigwasser der Donau.
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Ausbaggern gegen Niedrigwasser: Das sind die Nebenwirkungen

Ausbaggern gegen Niedrigwasser: Das sind die Nebenwirkungen

Die europaweite Dürre führt zu Rekord-Niedrigwasser an deutschen Flüssen, Schiffe können kaum noch fahren. Die Erderwärmung wird das Problem verschärfen. Fahrrinnen weiter auszubaggern, lautet ein Vorschlag - aber mit unerwünschten Nebenwirkungen.

Über dieses Thema berichtet: Stadt Land Leute am .

Ob Bodensee, Starnberger See, Rhein, Elbe oder Donau: Viele Gewässer in Deutschland verzeichnen derzeit wegen der extremen Hitze und der anhaltenden Trockenheit historische Tiefstände. Ein Problem für die Schifffahrt, das sich durch die Erderwärmung weiter verschärfen wird.

Bund Naturschutz: Schifffahrt muss sich dem Fluss anpassen, nicht umgekehrt

Am Rhein und an der Donau ist die Güter- und Ausflugsschifffahrt derzeit wegen des starken Niedrigwassers massiv eingeschränkt. Unter anderem Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat als Lösung vertiefte Fahrrinnen für Schiffe ins Gespräch gebracht.

Christine Margraf vom Bund Naturschutz Bayern sieht das kritisch. Denn tiefere Flüsse würden die Fließgeschwindigkeit des Gewässers ändern. Das hätte unter anderem zur Folge, dass Wasser noch schneller abgeführt, der Fluss quasi zum Kanal werde. Und gerade bei anhaltender Trockenheit sollte das Wasser ja in der Landschaft bleiben. "Es ist einfach keine Lösung, dass die Schifffahrt jetzt den sinkenden Wasserständen hinterher baggern will, sondern die Schifffahrt muss sich an den Fluss anpassen und nicht umgekehrt. Und gerade in Zeiten der Klimakrise ist das wichtiger denn je", erklärt die Biologin.

Tiefere Flüsse - trockenere Auen

Letztendlich würden tiefer ausgebaggerte Flüsse also zu noch mehr Trockenheit an den Flussauen führen. Denn wenn der Wasserstand nach unten gezogen wird, geht auch der Grundwasserstand entsprechend zurück - und das bedeutet für die umgebenden Bereiche, dass sie noch trockener werden. Der Flusspegel und das Grundwasser sind eng miteinander verbunden und tauschen stetig Wasser aus: Bei Normal- oder Niedrigwasser speist das Grundwasser den Fluss. Bei Hochwasser speist der Fluss das Grundwasser. Flussvertiefungen würden dabei das natürliche Gleichgewicht stören und zu einer dauerhaften Absenkungen des Grundwasserspiegels führen.

Das zeigen schon jetzt auch Gewässer, die vor vielen Jahrzehnten begradigt wurden und sich deshalb immer tiefer in den Boden gebohrt haben.

Artenvielfalt nimmt weiter ab

Professor Arnd Hartlieb forscht an der TU München am Lehrstuhl für Wasserbau. Er erklärt, dass Flussvertiefungen nicht nur negative Auswirkungen auf die natürliche Auen- und Flusslandschaft, sondern auch auf die Artenvielfalt haben können: "Die morphologische Vielfalt, die jetzt in solchen Wasserstraßen natürlich eh schon nicht mehr besonders groß ist, die wird noch geringer, weil man dann für die Schifffahrt den Abfluss immer noch mehr auf eine Mittelrinne konzentrieren will. Und dann wird die Strömungsvielfalt noch geringer und Strömungsvielfalt heißt auch Artenvielfalt".

Die Strömungsvielfalt in einem Fluss beschreibt das abwechslungsreiche Nebeneinander von verschiedenen Wassertiefen und Fließgeschwindigkeiten. Sie ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal für gesunde Ökosysteme.

Auch in Bayern wurde heftig über Flussvertiefungen diskutiert

Nicht nur am Rhein (externer Link zum SWR), auch in Bayern wurde in den vergangenen Jahren heftig über Flussvertiefungen diskutiert. Und zwar im Zusammenhang mit dem geplanten Donau-Ausbau zwischen Straubing und Vilshofen.

Auf dem rund 70 Kilometer langen Donauabschnitt geht es im Kern darum, den Hochwasserschutz zu verbessern, aber auch den Fluss für große Schiffe verlässlicher passierbar zu machen. Unter anderem soll die Fahrrinne um 20 bis 25 cm vertieft werden.

Donauausbau: Für Bund Naturschutz ein positives Beispiel

Dennoch ist der geplante Ausbau der Donau für den Bund Naturschutz ein positives Beispiel, wie verschiedene Interessen berücksichtigt worden sind: "An der niederbayerischen Donau zwischen Straubing und Vilshofen ist es ja sehr gut gelungen, dass man jetzt den Donauausbau so macht, dass sowohl Verbesserungen für die Schifffahrt durchgeführt werden, dass eben auch bei niedrigerem Wasser gefahren werden kann - als auch, dass man die ökologischen Anforderungen der Donau berücksichtigt", erklärt Christine Margraf. Zumindest in weiten Teilen sei auf die Forderungen des Bund Naturschutz eingegangen worden. "Und man kann da wirklich jetzt sagen, es ist ein Gewinn für beide", so Margraf.

Die Bauarbeiten an der Donau sollen schon in diesem Herbst beginnen. Ob 20 Zentimeter mehr Tiefe auch bei anhaltender Trockenheit und extremer Hitze der Schifffahrt dort wirklich etwas bringt, wird sich zeigen. Und auch, ob die Artenvielfalt und Umwelt unter den Baumaßnahmen leiden werden.

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