Ein Ehepaar steht Arm in Arm vor einem Tresen voller Backwaren.
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Zurück aus dem Ruhestand: Karin und Heinrich Pflaum in ihrem Stadtcafé in Pegnitz.
Bildrechte: BR / Kristina Kreutzer
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Zurück aus dem Ruhestand: Karin und Heinrich Pflaum in ihrem Stadtcafé in Pegnitz.

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"Wie heimkommen": Ehepaar öffnet Backstube trotz Rente wieder

"Wie heimkommen": Ehepaar öffnet Backstube trotz Rente wieder

Vor sechs Jahren haben sie ihre Bäckerei zugesperrt. Doch seinen Ruhestand hat ein Ehepaar aus Pegnitz nun erstmal wieder beendet, um Leerstand in der Innenstadt zu vermeiden. Seit Anfang des Monats sind sie zurück in ihrem "Stadtcafé".

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Franken am .

Im Stadtcafé in der Pegnitzer Innenstadt ist reger Betrieb. Es riecht nach frischem Plunder und Kaffee. In der kleinen Backstube schiebt Heinrich Pflaum gerade ein neues Blech Croissants in den Ofen.

Der 69-jährige Bäcker- und Konditormeister ist vor sechs Jahren in den Ruhestand gegangen. Eigentlich. Die Pächter seiner Bäckerei haben allerdings den Vertrag nicht mehr verlängert. "Wir haben einfach keinen Nachfolger gefunden. Die Wahl war relativ einfach: entweder Leerstand oder wir betreiben selbst", sagt Pflaum.

"Es ist wie heimkommen"

Backstube statt Ruhestand: eine Entscheidung, die er gemeinsam mit seiner Ehefrau Karin getroffen hat. Auch wenn sie erstmal gar nicht begeistert war. Und ganz klar gesagt hat: "Hintern Ladentisch stelle ich mich nicht mehr!" Das muss sie auch nicht. Denn nicht nur die Pflaums sind zurückgekommen, auch ihre Mitarbeiterinnen.

"Es ist wie heimkommen", sagt Sabine Raum. Drei der vier Mitarbeiterinnen haben schon früher für die Pflaums gearbeitet. Als klar war, dass sie das Stadtcafé wieder öffnen möchten, haben die drei ihre Jobs gekündigt. "Auch wir wollten als Team zurückkommen", sagt Bea Warstat.

Lange Familientradition

Das Stadtcafé wurde in den vergangenen Monaten saniert, gestrichen, neu eingerichtet – an den Wänden hängen Erinnerungsstücke aus der 120-jährigen Geschichte, die die Familie mit der Bäckerei verbindet. Mit 21 Jahren hat Heinrich Pflaum die Bäckerei in dritter Generation von seinem schwer erkrankten Vater übernommen. Damals konnte nicht, sondern musste alles funktionieren, sagt er. "Ich musste meine Eltern, Kinder und Mitarbeiter versorgen. Jetzt ist der Unterschied: Ich muss nicht, sondern darf arbeiten."

Belebung der Innenstadt

Mit ihrem Stadtcafé beleben sie auch die Pegnitzer Innenstadt. Unterstützung gab es dabei auch aus dem Rathaus. Bürgermeister Wolfgang Nierhoff (Pegnitzer Gemeinschaft) sagt, dass gerade in Zeiten des Ladensterbens in den Innenstädten jeder Laden, der wieder aufmacht, ein riesengroßer Zugewinn sei. Und der Erfolg der ersten zwei Wochen zeigt: Die Pegnitzer nehmen es an.

Rund 300 Kunden waren es teils täglich in den ersten Tagen nach der Wiedereröffnung, sagt Heinrich Pflaum.

Treffpunkt für alle – ganz ohne WLAN

Brot und Brötchen sucht man in der Auslage allerdings vergebens. Die gibt es nur noch auf Bestellung zum selbst fertigbacken. Das Stadtcafé soll jetzt vor allem eines sein: ein Treffpunkt. "Alle reden immer von einem Kommunikationsproblem. Wir gehen hier gegen den Trend. Wir haben kein WLAN, aber einen Tisch und zwei Cappuccino. Man trifft sich hier und nicht im Handy drin", sagt der 69-Jährige. Und genau das kommt bei den Gästen an.

Ob Frühstück oder eine Tasse Kaffee. Die Plätze sind gut gefüllt. "Das hat einfach gefehlt", sagt eine Kundin. Und ein anderer ergänzt: "Ich bin froh, dass sie wieder hier sind, auch wenn ich ihnen ihren Ruhestand gegönnt hätte."

Mit ihrer Entscheidung, den Ruhestand noch ein bisschen aufzuschieben, wollen die Pflaums zeigen: Auch mit 69 kann man noch etwas auf die Beine stellen. "Das ist das Tolle, dass man in diesem Lebensabschnitt einfach was ausprobieren, einfach was machen kann. Aber auch Arbeitsplätze schafft und der Gesellschaft etwas zurückgeben kann", sagt Heinrich Pflaum. Er will damit auch ein positives Beispiel für die jüngere Generation sein.

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Stehen hinter den Pflaums und dem Tresen: Petra Post, Sabine Raum, Bea Warstat und Ines Schaffer.

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