Mutter und Vater mit ihren zwei Kindern auf einer Bank in den Bergen.
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Generationengerechtigkeit: Während die Bundesregierung auf Reformen setzt, warnen Kritiker vor wachsenden Belastungen für junge Menschen.
Bildrechte: BR/Rupert Waldmüller
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Generationengerechtigkeit: Während die Bundesregierung auf Reformen setzt, warnen Kritiker vor wachsenden Belastungen für junge Menschen.

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Bafög, Elterngeld, Rente: Reformen und Generationengerechtigkeit

Bafög, Elterngeld, Rente: Reformen und Generationengerechtigkeit

"Sehr gute Jahre" lägen vor dem Land, für die Kinder und Enkel: Mit diesem Versprechen wirbt Kanzler Merz für die anstehenden Reformen. Doch: Wie blickt die junge Generation auf das Versprechen der Generationengerechtigkeit?

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Über dieses Thema berichtet: Podcast Berlin Code am 05.06.2026

Es ist eine Botschaft der Zuversicht, die der Kanzler immer wieder setzt – Richtung junge Generation. Anfang Juni auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum sagte Friedrich Merz (CDU): Es lägen nicht die besten Jahre hinter dem Land, sondern "sehr gute Jahre vor uns". Man dürfe nicht auf den großen Befreiungsschlag hoffen, den großen "Big Bang", der alle Probleme auf einmal löse – den werde es nicht geben. Stattdessen, so Merz, arbeite man daran, dass die Kinder und Enkel eines Tages sagen könnten: "Ja, die haben es damals verstanden, die haben das richtig gemacht und die haben auch die richtigen Entscheidungen getroffen."

Stichwort: Generationengerechtigkeit. Doch: Der bisherige Kurs kommt auch in den eigenen, jungen Reihen noch nicht an. Konrad Körner ist 34 Jahre alt, CSU-Abgeordneter aus Erlangen und spricht die Rekordschulden an: "Über Schulden belasten wir die nächste Generation einseitig. Und wir nutzen diese Schulden auch nicht nur für Investitionen, also für Anschaffungen, von denen auch die nächste Generation was hat." Sie werde nach ihm auch "zum Stopfen von Löchern" in Sozialversicherungen verwendet. Für ihn sei deswegen "die Generationengerechtigkeit in sehr schwerem Fahrwasser". Aber: Die anstehenden Reformen könnten den Wind drehen.

Knackpunkt: Demografischer Wandel

Diese sind notwendig. Der Knackpunkt ist fast überall derselbe: der demografische Wandel. Immer weniger Junge müssen für immer mehr Ältere aufkommen. Wer mit jungen Leuten spricht, hört derzeit oft das Gegenteil von Zuversicht: Ein junger Mann macht sich Gedanken, ob er sich jemals ein Haus leisten könnte. Ein anderer fühlt sich nicht gehört, und "nebenbei wird einem gesagt, dass man selber für die Renten vorsorgen soll". Er fühle sich von der Politik oft nicht priorisiert.

Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, geht hart mit der Politik ins Gericht und meint nicht nur die aktuelle Regierung: Alle Bundesregierungen seit den 90ern hätten Politik zulasten der Jungen betrieben, so Fratzscher. Die Liste sei lang: von der Umweltzerstörung über ungleiche Bildungschancen bis hin zur Rente. Was an Lasten auf Junge umverteilt werde, nennt Fratzscher "unverantwortlich".

Rente, Bafög, Elterngeld, Pflege: Eine lange Liste – viele Lasten?

Besonders scharf geht er beim Thema Rente ins Gericht. Vor 25 Jahren habe man einen Nachhaltigkeitsfaktor eingeführt: das Versprechen, dass die Älteren bei der demografischen Wende Abstriche machen. "Und diese Bundesregierung hat das im Dezember letzten Jahres ausgehebelt und gesagt: Nein, wir ignorieren dieses Versprechen an die junge Generation und erhöhen die Renten in der Zukunft effektiv stärker als die Löhne. Das ist, was das die Garantie des Rentenniveaus letztlich beinhaltet." Beschlossen hat die schwarz-rote Bundesregierung bereits ein erstes Rentenpaket, das unter anderem das Rentenniveau bis 2031 stabil hält.

Signale der Verunsicherung aus der Union

Auch die Jüngeren sollten nicht leer ausgehen: Deshalb haben sich Union und SPD die Frühstartrente ausgedacht: der Staat gibt zehn Euro monatlich pro Kind für ein Aktiendepot – eine staatlich geförderte private Altersvorsorge. Doch die Kassen sind knapp: Der Spardruck zeigt sich beispielsweise an der angekündigten BAföG-Novelle, die wackelt. Angekündigt war eine "große Novelle": die Wohnkostenpauschale sollte bereits in diesem Wintersemester von 380 auf 440 Euro steigen, der Grundbedarf – aktuell 475 Euro – dauerhaft an das Grundsicherungsniveau gekoppelt werden.

Aus der Union – Fraktionschef Jens Spahn (CDU) sowie die zuständige Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) – kamen stattdessen Signale der Verunsicherung und des Sparens. Dazu kommen Sorgen um mögliche Kürzungen beim Elterngeld und Kritik an der geplanten Pflegereform von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), die nach Ansicht von Kritikern auch Jüngeren treffe.

Die Asymmetrie in Zahlen

Junge Menschen und Familien, so die Befürchtung von Betroffenen, aber auch von Ökonomen, seien genau jene Gruppen ohne laute Lobby. Und der demografische Wandel verstärkt das auch an der Wahlurne. Bei der Bundestagswahl 2025 waren 3,9 Prozent aller Wahlberechtigten Erstwähler. Demgegenüber stand mit über 42 Prozent die große Gruppe der über 60-Jährigen.

Generationenforscher Jörg Tremmel von der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen erkennt ein Dilemma: "Wir haben einerseits Wählerwünsche, die sich sehr stark an der eigenen Generationenzugehörigkeit orientieren – und wir haben dagegen die Notwendigkeit des Handelns, wie sie von Experten aber auch Jüngeren immer wieder dagegengehalten wird." Tremmel meint, wir lebten über unsere Verhältnisse, so könne es nicht weitergehen. Auch, dass Politiker Probleme in die Zukunft verschieben würden nach dem Motto: "Bloß nicht in meiner Amtszeit irgendein Risiko für meine Wiederwahl eingehen."

Junge bayerische Abgeordnete

Es bleibt der Maßstab, den der Kanzler selbst gesetzt hat: dass die Enkel einmal sagen, man habe es richtig gemacht. Dafür wollen sich vor allem auch junge Abgeordnete einsetzen – über Parteigrenzen hinweg. Wie Luke Hoß von der Linken, mit 24 Jahren ist der Passauer einer der Jüngsten im Bundestag: "Wir als junge Generation wollen, dass sich etwas verändert." Und dafür werde er Druck machen im Bundestag.

Eine Stimme für junge Menschen sein will auch die niederbayerische Bundestagsabgeordnete Marlene Schönberger von den Grünen. Doch dafür müssen Junge auch gehört werden: "Ich muss das wissen und mitbekommen, um gute Politik zu machen. Deswegen versuche ich ständig neue Formate auszuprobieren, bei denen sich mehr junge Menschen bei mir melden." Wie in WhatsApp-Sprechstunden. Diese Botschaft eint die jungen Abgeordneten: die Jungen müssen sich auch Gehör verschaffen.

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