Wer im Allgäu mit dem Zug unterwegs ist, braucht in den kommenden Monaten Geduld und gute Nerven. Zwischen München, Buchloe, Memmingen und Lindau kommt es bis mindestens Mitte November immer wieder zu Zugausfällen, Umleitungen und Schienenersatzverkehr.
Am heutigen Donnerstag und am morgigen Freitag fahren zwischen Lindau und Memmingen teilweise Busse statt Züge. Zwischen Wangen und Memmingen läuft der Schienenersatzverkehr voraussichtlich noch bis zum 24. August. Danach folgen weitere Einschränkungen auf unterschiedlichen Abschnitten.
Besonders problematisch könnte die Zeit rund um das Oktoberfest werden. Das größte Volksfest der Welt findet vom 19. September bis zum 4. Oktober statt. Laut Arverio plant die DB InfraGO, vom 5. September an für über einen Monat eines der beiden Gleise auf dem Weg von Buchloe nach München zu sperren. Vom 9. bis 13. Oktober soll außerdem die Strecke zwischen Mindelheim und Buchloe komplett gesperrt werden.
Arverio vermisst einen klaren Plan
Arverio betreibt die Züge auf der Strecke, ist aber nicht für das Schienennetz verantwortlich. Das liegt bei der DB InfraGO. Arverio kritisiert deren Baustellenplanung deutlich. Geschäftsführer Arno Beugel spricht von "Flickschusterei". Sprecher Winfried Karg vermisst einen langfristigen Plan für die Strecke München–Lindau. Die Achse sei erst vor wenigen Jahren umfassend erneuert und für die Elektrifizierung lange gesperrt worden. Trotzdem gebe es nun ständig neue Baustellen.
Nach Angaben von Karg bleiben Langsamfahrstellen zudem häufig auch nach Bauarbeiten bestehen. Für Fahrgäste bedeute das längere Reisezeiten und zusätzliche Umstiege. An manchen Tagen müssten Reisende zwischen München und Memmingen sogar mehrfach zwischen Zug und Bus wechseln.
Auch Arverio selbst kämpft laut Karg mit den häufigen Fahrplanänderungen. Das Unternehmen müsse Fahrgäste informieren und zugleich das Zugpersonal immer wieder auf neue Dienstzeiten einstellen.
DB kündigt mehr Planbarkeit an
Die DB betont, dass es zu ihren Kernaufgaben gehöre, Langsamfahrstellen zu beseitigen. Baustellen seien dafür notwendig. Das Unternehmen bemühe sich, sie früh anzukündigen und möglichst gut abzustimmen.
Ab 2027 soll das sogenannte "vertaktete Bauen" flächendeckend für mehr Planbarkeit sorgen. Dann will die DB feste Zeitfenster für Instandhaltungsarbeiten bereits bei der Fahrplangestaltung berücksichtigen und Baumaßnahmen stärker bündeln. So soll langfristig feststehen, in welchen Abschnitten wann und wie lange gebaut wird, Reisende und Bahnunternehmen sollen sich besser darauf einstellen können.
Bis dahin bleibt es für Bahnreisende im Allgäu kleinteilig: Wer unterwegs ist, sollte die aktuellen Verbindungen vor der Fahrt bei Arverio oder der DB prüfen.
Riesbahn ebenfalls betroffen
Auch auf der Riesbahn zwischen Donauwörth und Nördlingen gibt es Probleme. Nach hitzebedingten Schäden an den Gleisen musste der Bahnverkehr dort ausgesetzt werden. Wann wieder Züge fahren, ist offen. Arverio setzt Ersatzbusse ein.
Die DB erklärt, dass einige Arbeiten nur bei kühlerem Wetter möglich seien. Die Rekordhitze belaste auch die Bahninfrastruktur erheblich. Auch in der Vergangenheit ist es immer wieder zu Einschränkungen besonders auf der Riesbahn gekommen. Personalnot und andere Bauarbeiten waren damals die Gründe.
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