(Symbolbild) Eine Frau raucht eine E-Zigarette.
(Symbolbild) Eine Frau raucht eine E-Zigarette.
Bild
(Symbolbild) "Baller-Liquids" werden in E-Zigaretten gefüllt und sind stark gesundheitsgefährdend. Sie können sogar zum Tod führen.
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Marijan Murat
Schlagwörter
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Marijan Murat
Audiobeitrag

(Symbolbild) "Baller-Liquids" werden in E-Zigaretten gefüllt und sind stark gesundheitsgefährdend. Sie können sogar zum Tod führen.

Aktualisiert am
Audiobeitrag
Erschien zuerst am
>

"Baller-Liquids"? Jugendlicher kollabiert nach Zug von Vape

"Baller-Liquids"? Jugendlicher kollabiert nach Zug von Vape

Ein Jugendlicher kollabiert, ein Mädchen muss ins Krankenhaus: In Niederbayern hat die Polizei innerhalb kürzester Zeit zwei Fälle registriert, bei denen die Jugendlichen vor ihrem Zusammenbruch offenbar gefährliche Stoffe in Vapes konsumiert haben.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Niederbayern am .

Ein 18-Jähriger ist nach dem Rauchen einer Vape im Landkreis Freyung-Grafenau kollabiert. Der junge Mann habe am Samstag am Busbahnhof Grafenau einen Zug von einer Vape genommen, die ihm ein Fremder zuvor angeboten habe, teilte die Polizei mit. 

Auf der anschließenden Zugfahrt mit seinen Freunden habe sich der 18-Jährige übergeben müssen und sei am Bahnhof in Spiegelau kollabiert. Der Rettungsdienst brachte ihn ins Krankenhaus. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung und sucht nach Zeugen. Im Labor soll überprüft werden, ob Betäubungsmittel in der Vape waren. Mit den Ergebnissen ist laut Polizei erst in der kommenden Woche zu rechnen.

13-Jährige bekam Betäubungsmittel in der Vape verabreicht

Nur einen Tag vorher ein ähnlicher Fall im Landkreis Freyung-Grafenau: Eine 13-Jährige bekam Betäubungsmittel über eine E-Zigarette verabreicht. Ein 16-Jähriger habe der Schülerin einen Zug angeboten, danach habe sie schlecht gesehen und gehört. Im Krankenhaus seien dann Benzodiazepine im Blut der Jugendlichen festgestellt worden. Der 16-Jährige konnte von der Polizei festgestellt und befragt werden, er wurde angezeigt. Laut Polizei kannten sich das Mädchen und der Jugendliche nicht.

Die Fälle könnten in Zusammenhang mit sogenannten Baller-Liquids stehen. Der Begriff "Baller" wird in der Drogenszene verwendet, weil sich die Konsumenten mit dem Betäubungsmittel "wegballern", also zudröhnen wollen. Andere Bezeichnungen sind auch "Zombie Liquid" oder "Görke". Es handelt sich um eine Flüssigkeit aus synthetischen Cannabinoiden, die in Vapes eingefüllt wird. Diese Flüssigkeit verdampft dann in der E-Zigarette und wird eingeatmet. Die Wirkung imitiert die von THC in Cannabis, wirkt aber um das 300-fache stärker.

Mehrere Fälle in Niederbayern und der Oberpfalz

Vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist der Stoff im Trend. Der Konsum kann Herzrasen, Krampfanfälle, Panikattacken und Psychosen auslösen. Deshalb ist sie auch verboten in Deutschland. Die Polizei hat die Droge auf dem Schirm und sie auch öfter schon polizeilich registriert, wie das Polizeipräsidium Oberpfalz dem BR-Studio Regensburg mitteilte. In zwei Fällen weiß die Polizei in der Oberpfalz von Rettungseinsätzen, die direkt mit "Baller-Liquids" in Zusammenhang standen, wie eine Sprecherin dem BR mitteilte.

In Schwandorf wurden Ende Februar zwei Männer tot aufgefunden. Bei ihnen steht der Verdacht im Raum, dass sie zuvor "Baller-Liquids" konsumiert haben könnten. Hier steht laut Polizei noch das Obduktionsergebnis aus. Auch in anderen Teilen Bayerns sind bereits Fälle im Zusammenhang mit "Baller-Liquids" aufgetaucht.

Eltern sollten offen mit Kindern über Drogen sprechen

Karin Schmittner ist Leiterin der Caritas-Suchtberatung in Schwandorf. Sie beobachtet, dass die Suchtverläufe von Drogenabhängigen oft schon mit 13 oder 14 Jahren losgehen. Die Jugendlichen seien neugierig, wollten Neues ausprobieren – seien dabei aber unvorsichtig und naiv.

Wichtig sei deshalb, neben Präventionsarbeit in den Schulen auch in Familien mehr über Drogen zu sprechen, meint Schmittner. "Einfach im Gespräch bleiben, zu fragen: Was interessiert euch daran, worauf seid ihr neugierig?" Dabei sollte laut Expertin immer wieder vehement auf die Gefährlichkeit von Drogen aufmerksam gemacht und betont werden, dass kein Konsum risikofrei sei. "Und es geht ja letztendlich schon früh los: Wie wird grundsätzlich in Familien mit Suchtmitteln umgegangen, mit Alkohol und Zigaretten? Wie normalisiert ist das und wie konsumieren die Eltern?"

Hilfreich könne für Eltern auch sein, zu wissen, was gerade jüngere Jugendliche auf dem Handy konsumieren. Teilweise würden Drogen wie "Baller Liquids" auch auf Social Media angeboten werden.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!