35 Prozent, also ein gutes Drittel derer, die in Deutschland in der Landwirtschaft arbeiten, sind Frauen. Dass die Zahl der Betriebsleiterinnen in Bayern mit neun Prozent sehr niedrig ist, will der Bayerische Bauernverband ändern. Dazu legt er heute ein Konzept vor.
- Zum Artikel: Landwirtschaft: Nur wenige Frauen leiten Betriebe in Bayern
Johann und Anna-Maria Naß führen gemeinsam einen Schweinemastbetrieb in Fiegenstall im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Johann Naß ist offiziell Betriebsleiter, arbeitet aber auch außerhalb des Hofs. Anna-Maria Naß schmeißt faktisch den Bauernhof. Sie wünscht sich vor allem mehr Wertschätzung.
Wertschätzung für vielfältige Arbeit auf dem Hof
Bäuerinnen kümmern sich um Hof, Haushalt, Familie und sind oft auch für die Verwaltung und Finanzen auf dem Hof zuständig. "Eine Bäuerin hat zehn Berufe. Das sollte mehr wertgeschätzt werden", sagt Naß. Ihre Tochter will möglicherweise in den Betrieb einsteigen.
Carola Reiner aus Oberdachstetten im Landkreis Ansbach hat diesen Schritt bereits gewagt: Sie übernahm den elterlichen Milchviehbetrieb. Sie erzählt, dass sie auch schon nach dem Chef gefragt wurde, wenn Geschäftspartner auf den Hof kamen – offenbar, weil es schwer vorstellbar oder zumindest nicht üblich ist, dass die Chefin eine junge Frau ist.
Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Den Betrieb leiten und später vielleicht auch Kinder haben – für Carola Reiner ist das kein Widerspruch. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf dem Hof will der Bauernverband fördern. Ein Weg dorthin: der geplante Mutterschutz für Selbständige. Der ist bereits im Koalitionsvertrag festgeschrieben und müsse nun gesetzlich verankert werden, fordert der Verband.
Rollenbilder ändern sich
Noch vor einigen Jahrzehnten waren die Rollen auf dem Bauernhof klar und damit auch die Ausbildungen: Die Frau managt die Hauswirtschaft, der Mann den Hof, bei dem die Frauen allerdings mithalfen – etwa bei der Stallarbeit und auf dem Feld. Gerade bei den vielen Nebenerwerbsbetrieben im Freistaat dürfte bis heute viel der tatsächlichen Arbeit auf dem Hof von den Frauen erledigt werden. Das macht sie aber noch nicht zu den offiziellen Betriebsleitern.
Auch Johanna Sturm aus dem Landkreis Deggendorf ist eine junge Frau, die sich die Betriebsleitung zutraut, ebenso wie den Umgang mit Bulldog und großen Erntemaschinen – das war lange eine Männerdomäne auf dem Bauernhof. "In der Landwirtschaft brauchen wir Frauen und Männer", ist sie überzeugt. "Mir ist das wichtig, dass auch die Frauen die Fahrzeuge fahren können und damit umgehen können."
Milchkönig und Bauernpräsidentin? Das wäre ein Novum
Und die Vertreter der Landwirtschaft in Politik und Gesellschaft? Die Verbandsspitzen sind in den allermeisten Fällen Männer. Junge Frauen haben die Rolle der Produktbotschafterinnen inne, etwa als Milchkönigin, Weinkönigin, Hopfen- und Meerrettichkönigin.
Eine Frau an der Spitze des Landwirtschaftsministeriums – das ist längst kein Novum mehr. Eine Bauernpräsidentin allerdings, die gab es bisher noch nicht – weder bundesweit, noch im Freistaat.
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