Das Pferd der Olympia-Reiterin Jessica von Bredow-Werndl ist am Dienstag überraschend gestorben – möglicherweise am Bornavirus. Das teilte die Reiterin bei Instagram mit. "Noch am Wochenende haben wir gemeinsam getanzt, es hat sich alles so leicht angefühlt", schrieb sie über ihre letzten Tage mit Diallo. Dann sei die Krankheit gekommen wie ein Sturm: "lautlos, gnadenlos und unaufhaltsam, hat sich in Stunden durch deinen Körper gefressen und mir das Herz aus der Brust gerissen".
Der tragische Tod des Wallachs lenkt den Blick auf das Bornavirus. Mal wieder. Im vergangenen Jahr sind einige wenige Menschen in Bayern an dem Virus gestorben. Der Erreger kann schwere, oft tödliche Gehirnentzündungen auslösen. Wie kann man sich schützen? Was insbesondere Besitzer von Haustieren wie Katzen oder Hunden beachten müssen – ein Überblick.
Diese Punkte sollten besonders Katzenbesitzer beachten
Laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) sind Spitzmäuse "das einzige zurzeit bekannte natürliche Reservoir" für das klassische Bornavirus (BoDV-1). Demnach kann die Spitzmaus das Virus "unter anderem über Speichel, Urin, Kot und die Haut ausscheiden, ohne selbst daran zu erkranken". Die Maus selbst erkrankt nicht, ist nur Virusträger.
Dass Katzen das Virus direkt auf den Menschen übertragen, ist bisher nicht nachgewiesen, betont das LGL. "Da das Bornavirus begrenzt umweltstabil ist und Katzen zudem sehr reinliche Tiere sind, würde die in der Theorie angenommene Infektiosität maximal einige Stunden andauern." Zudem seien Bornaviren allgemein nur sehr wenig infektiös und würden nur sehr ineffizient übertragen. Trotzdem sollten besonders Katzenbesitzer, deren Haustiere im Freien jagen, folgende Punkte beachten:
- Tote oder verletzte Mäuse immer nur mit Handschuhen anfassen (plus gegebenenfalls Schutzmaske tragen), in verschlossener Plastiktüte im Restmüll entsorgen und danach immer gut die Hände waschen
- Nach dem Jagen bei Katzen auf Reste von Mäusen an Maul oder Pfoten achten – im Zweifel besser einige Stunden nicht streicheln oder kuscheln
- Katzentoilette nur mit Schutzkleidung (mindestens Handschuhe) reinigen, danach stets die Hände waschen
- Nach dem Streicheln, insbesondere vor dem Essen, ebenfalls die Hände waschen
- Auch Katzen können sich in seltenen Fällen mit dem Bornavirus infizieren und erkranken – deshalb bei auffälligem Verhalten oder neurologischen Symptomen immer zur Tierärztin gehen
Bayern und Teile Ostdeutschlands besonders betroffen
Das Friedrich-Loeffler-Institut zeigt auf einer Karte Endemiegebiete für das Vorkommen von BoDV-1 – "basierend auf Nachweisen in Spitzmäusen, erkrankten Haussäugetieren und Menschen." Demnach sind Bayern und Teile Ostdeutschlands besonders betroffen. Fachleute gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus, besonders was die Verbreitung des Virus in Spitzmäusen angeht.
Karte: Mutmaßliches Verbreitungsgebiet des Bornavirus BoDV-1
Karte: Mutmaßliches Verbreitungsgebiet des Bornavirus BoDV-1
Was ist mit Hunden und anderen Haustieren?
Auch Hunde können sich als Säugetiere theoretisch mit dem Bornavirus infizieren und erkranken. Nachgewiesen wurden BoDV-1-Infektionen unter anderem bei Pferden, Schafen, Alpakas, Igeln und Bibern. Dass beispielsweise Pferde oder Schafe das Virus auf den Menschen übertragen, gilt laut LGL als extrem unwahrscheinlich.
Was tun, wenn es Spitzmäuse in der Nähe gibt?
Das LGL betont: "Werden Spitzmäuse im häuslichen Umfeld beobachtet, ist wichtig, ihre Nahrungsquelle ausfindig zu machen und diese zu beseitigen." Geeignete Nahrungsquellen seien etwa Insekten, die sich in Komposthaufen oder anderen außen gelagerten Abfällen ansiedeln. "Auch im Außenbereich angebotenes Tierfutter nehmen Spitzmäuse gerne."
Nicht alle Spitzmäuse einer Population tragen das Bornavirus. Trotzdem gilt: Spitzmäuse eignen sich unter keinen Umständen als Haustiere. Wer hier Mäuse möchte, muss auf andere Arten ausweichen.
Welche Rolle spielen Bunt- und Eichhörnchen?
Neben dem klassischen Bornavirus BoDV-1 gibt es auch das sogenannte Bunthörnchen-Bornavirus VSBV-1. Laut dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) wurde es 2015 entdeckt. Nachgewiesen wurde es "bei Bunt- und Schönhörnchen sowie vereinzelt bei anderen verwandten exotischen Hörnchenarten".
"In seltenen Fällen kam es darüber hinaus zur Übertragung des Virus von infizierten Hörnchen auf Züchter oder Tierpfleger", teilt das FLI mit. "Diese Infektionen führten zu schweren und zumeist tödlich verlaufenden Gehirnentzündungen." Allerdings gilt auch hier: Das Ganze passiert extrem selten. "In Hörnchenhaltungen in Deutschland wurde das Virus letztmals im Jahr 2019 nachgewiesen. In wildlebenden heimischen Eichhörnchen wurde das Virus bisher nicht nachgewiesen."
- Mehr Informationen über das Bornavirus gibt es auf der Website des LGL (externer Link).
- Noch mehr Infos und Details zur Feldspitzmaus finden sich in diesem Merkblatt von Robert Koch-Institut, Bernhard-Nocht-Institut und Friedrich-Loeffler-Institut (externer Link).
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