Sie sind gerade mal zehn Monate alt, gehen aber schon bald auf eine große Reise. Die beiden Luchskinder Thea und Koda haben im Mai 2025 im Tiergarten Nürnberg das Licht der Welt erblickt. Nun sollen sie im Rahmen eines Auswilderungsprogramms auf ein Leben in Freiheit vorbereitet werden.
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Zur Erhaltung der Art: Auswilderung von Luchs-Nachwuchs
Die Jungtiere könnten helfen, die Luchs-Population in Deutschland zu stärken. Der Tiergarten Nürnberg beteiligt sich seit 2023 intensiv an einem Erhaltungsprogramm, sagt Jörg Beckmann, stellvertretender Leiter des Tiergartens Nürnberg. "Nach 30 Jahren Pause züchten wir im Rahmen dieses Programms wieder Luchse und mittlerweile sind drei Luchse von uns ausgewildert worden."
Die beiden jungen Karpaten-Luchse Thea und Koda sind die nächsten, die ausgewildert werden. In geräumigen Transportkisten verpackt machen sich die beiden Nürnberger Wildkatzen auf den Weg in den Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe – eine Übergangsstation. Dort erwartet sie ein spezielles Auswilderungsgehege.
"Die Tiere werden dort fernab vom Menschen gehalten und gehen dann von dort aus in das jeweilige Auswilderungsprojekt", erklärt Jörg Beckmann. Die Luchse müssen den Tiergarten Nürnberg verlassen, auch weil dort demnächst bald schon ein neuer Wurf erwartet wird.
Auswilderungsgehege in Karlsruhe: Luchse ziehen um
Wo die Tiere später ausgewildert werden, das ist bislang nicht klar. Jetzt ziehen sie erst mal in eine Außenstelle des Karlsruher Zoos. Dort angekommen werden die Kisten mit den jungen Luchsen sofort in das sogenannte Koordinationsgehege gebracht. Thea und Koda sollen so schnell wie möglich ihre neue Heimat kennenlernen. Hier werden sie, weit weg von den Zoobesuchern, künftig kaum noch Menschen zu Gesicht bekommen.
In ein paar Wochen findet dort dann ein Verhaltenstest statt, erklärt Marco Roller, Tierarzt im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhe. "Da schauen wir dann, wie reagieren die Luchse, zeigen sie Interesse oder flüchten sie, wenn sich ein Pfleger oder ich als Tierarzt in das Gehege reingehen und uns nähern."
Jahrhunderte lang ausgerottet: Aktuell 120 Luchse in Deutschland
Nur wenn die Tiere scheu genug sind, können sie in die Freiheit entlassen werden. Schon in wenigen Jahren könnten die Nürnberger Luchse dort dann selbst Junge bekommen und so die Population weiter stabilisieren. Denn, Schätzungen zufolge, leben in ganz Deutschland gerade einmal 120 Exemplare in freier Wildbahn. Jahrhunderte lang war er in Deutschland sogar ausgerottet.
"Der Luchs hat ein sehr konservatives Ausbreitungsverhalten, er ist kein Langstreckenzieher", sagt Jörg Beckmann. Deshalb versuche man nun, einen kleinen Bestand in Deutschland aufzubauen, der mit der Schweiz, Österreich und Tschechien verknüpft ist, "so dass wir dann von einer 'Metapopulation' sprechen können".
In Nürnberg freut man sich derweil schon wieder auf neuen Wildkatzen-Nachwuchs. Luchsdame Desari scheint trächtig zu sein. Im Mai könnten bereits die nächsten Katzenbabys zur Welt kommen. Und auch auf sie könnte dann ein Leben in Freiheit warten.
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