Auf dem Bild sind viele Menschen zu sehen, die auf Bierbänken vor dem Felsenkeller in Fürth sitzen.
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Nach zwei Jahren ist die Sanierung des Felsenkellers in Fürth abgeschlossen. Die Stadt hat das Gebäude für knapp drei Millionen Euro saniert.
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Nach zwei Jahren ist die Sanierung des Felsenkellers in Fürth abgeschlossen. Die Stadt hat das Gebäude für knapp drei Millionen Euro saniert.

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Bierexperte: "Bierkeller könnten Branchendefizite ausgleichen"

Bierexperte: "Bierkeller könnten Branchendefizite ausgleichen"

Viele Brauereien stecken in der Krise. Die Preise für Strom und Material steigen, gleichzeitig trinken die Deutschen immer weniger Bier. In den Bierkellern macht sich das aber nicht bemerkbar. Zum Saisonstart erleben die Wirte einen regelrechten Run.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Am ersten Mai eröffnen viele fränkischen Bierkeller die Saison. Auch Bernhard Senkel vom Roßdorfer Felsenkeller steckt Ende April noch in den letzten Vorbereitungen. Sorge davor, überrannt zu werden, hat er aber nicht. "Es gibt ja viele Ausflugsziele in Franken, da verteilt sich das gut", sagt Senkel. Dass seine Bierbänke leer bleiben, glaubt er aber auch nicht: "Bei dem Wetter zieht es die Leute doch raus!"

Bierkeller werden überrannt

Der Bamberger Biersommelier Markus Raupach war schon draußen vor den Kellern. "Einige haben wegen des Wetters ja schon eher eröffnet", sagt der Bier-Experte. Er berichtet von einem regelrechten Ansturm auf die Bierkeller. "Die Leute sind vom Winter ausgelaugt und das merkt man." Gerechnet hätte der Bier-Experte damit nicht. In den Gaststätten seien die Gäste aktuell eher zurückhaltend. "Deshalb freut mich der Ansturm total." Auch für die Betreiber: Der aktuelle Keller-Kult könnte andere Defizite der Branche wie steigende Kosten und weniger Absatz ausgleichen.

Allerdings müssten die Keller-Besucher trotzdem mit einem kleinen Preisanstieg zum Saisonstart rechnen. "Anders geht's nicht, wenn alles teurer wird", sagt Raupach. Überteuerte Preise sehe man in den fränkischen Kellern aber nicht. Auch Bernhard Senkel vom Roßdorfer Felsenkeller findet: "Ein voller Biergarten ist mir lieber, als wenn die Leute aufs Geld gucken müssen."

Mehr Vielfalt auf der Bierbank

Komplett selbstverständlich sei der Run auf die Bierkeller nicht. "Von den Betreibern wird erwartet, dass sie ihr Profil schärfen", sagt Raupach. Das mache sich vor allem auf den Speise- und Getränkekarten bemerkbar. "Rund 30 Prozent des Absatzes machen die Bierkeller heute mit alkoholfreiem Bier". Viele würden nicht nur eine promillefreie Biersorte anbieten, sondern gleich eine ganze Auswahl.

"Gleiches gilt für Speisen: Viele haben auch für Vegetarier und Veganer ein Angebot." Das, betont Raupach, bedeute keine Verdrängung von Alkohol und Fleisch, sondern eine Erweiterung. Er sagt, wer aber keine Lust auf Alkoholfreies und vegane Currywurst habe, finde in der Fränkischen Schweiz nach wie vor auch viele rustikale Lokale.

Die Bierkeller-Trends 2026

"Insgesamt mögen die Gäste das Traditionelle. Das bleibt", sagt Raupach. Allerdings beobachtet der Experte trotzdem zur neuen Keller-Saison auch neue Keller- und Bier-Trends. "Es gibt eine gewisse Verschiebung hin zum Hellen. Früher gab's ja überwiegend Kellerbier." Wenig beliebt sei dafür aktuell das Weißbier.

Nicht zuletzt berichtet Raupach von optischen Anpassungen. Viele Keller würden saniert und verschönert werden. "Man merkt das an den Toiletten. Die waren früher ja oft echt gruslig. Heute sind die Top!", sagt der Biersommelier.

Bierkeller-Eröffnung in Fürth: 3 Millionen Euro Förderung

Auch in Fürth wurde saniert. Nach zwei Jahren Umbau hat der "Grüne Felsenkeller" Ende April neu eröffnet. Pächter Michael Urban erzählt: "Jahrelang gab es hier noch nicht mal eine richtige Küche, gekocht wurde unter provisorischen Umständen." Jetzt stehen neue Geräte in den alten Mauern des "Grünen Felsenkellers". Gefördert ist das Keller-Projekt mit knapp drei Millionen Euro vom Bund.

Der Fürther Keller hat eine lange Geschichte. Die denkmalgeschützte Waldgaststätte wurde 1863 ursprünglich als Hopfenlager errichtet. Demnach musste die Kulturstiftung den Denkmalschutz beachten – aber auch den Naturschutz. Urban sagt: "Wer hier ein kühles Bier genießen will, kann den Keller zu Fuß oder mit dem Rad erreichen. Autos sind nicht erlaubt." Denn der Keller liegt mitten im Naturschutzgebiet. Ganz in der Nähe überwintern seltene Fledermäuse.

Wer nicht gut zu Fuß ist, findet zum Start der Bierkeller-Saison in Franken aber auch anderswo eine freie Bierbank. Schließlich lebt die Kultur in Franken weiter: In der Region gibt es hunderte Bierkeller.

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