Im pyramidenförmigen Innenraum der Kirche St. Andreas in Würzburg soll auf zwei Ebenen gebouldert werden können.
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Im pyramidenförmigen Innenraum der Kirche St. Andreas in Würzburg soll auf zwei Ebenen gebouldert werden können.
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Im pyramidenförmigen Innenraum der Kirche St. Andreas in Würzburg soll auf zwei Ebenen gebouldert werden können.

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Bouldern statt beten: Bayerns erste Kletterkirche in Würzburg

Bouldern statt beten: Bayerns erste Kletterkirche in Würzburg

Veranstaltungsräume, spektakuläre Wohnungen oder Restaurants: Für entweihte Kirchen gibt es bereits kreative Nutzungen. Die Kirche St. Andreas in Würzburg soll nun als Boulderhalle umgenutzt werden. Sie wird die erste Kletterkirche in Bayern.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Die katholische Kirche St. Andreas in Würzburg ist keine typisch barocke Kirche. Sie wurde in den 1960er-Jahren in moderner Betonbauweise gestaltet. Der Innenraum läuft nach oben pyramidenförmig zu. Wer die Kirche betritt, kann sich gut vorstellen, wie aus diesem Gotteshaus in Kürze eine Boulderhalle werden soll. Wo Menschen heute noch beten, soll schon bald Klettern möglich sein. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz haben das Bistum Würzburg und die künftigen Betreiber der Halle diesen Schritt nun bekanntgegeben.

"Auch wenn es schmerzt": Kirche muss umgenutzt werden

An einer Umnutzung der Kirche St. Andreas seien die Verantwortlichen schließlich nicht mehr vorbeigekommen, sagt Pfarrer Tobias Fuchs zu BR24. Die Betriebskosten sind hoch, das Personal fehlt. Deshalb ist der laufende Betrieb kaum zu stemmen. Auch wenn es schmerzt: Es sei irgendwann für alle klar gewesen, dass die Kirche nicht zu halten sei, so Fuchs weiter. Dass hier jetzt eine Boulderhalle entsteht, sieht der Pfarrer als die bestmögliche Entwicklung.

Betreiber: "Mit einer Kirche haben wir nicht gerechnet"

Betrieben wird die Sportstätte dann von den aktuellen Inhabern einer Würzburger Boulderhalle im Stadtteil Lengfeld. Wegen Streitigkeiten mit dem Vermieter suchen sie schon seit Längerem nach einem neuen Standort zum Klettern. Dass es nun eine Kirche wird – damit hätte niemand gerechnet, so Geschäftsführer Thomas Meyer. Die Kirche sei ein sehr besonderer Ort, sagt er: "Das spürt man sofort, wenn man reingeht. Und wir wollen dieses Flair natürlich aufrechterhalten."

Ziel ist es, vor allem mit Einbauten zu arbeiten, die sich zurückbauen lassen, ohne Schäden zu hinterlassen. Das ist umso wichtiger, weil die Kirche seit Februar dieses Jahres denkmalgeschützt ist. Das bedeutet: Das Gebäude darf nicht eingerissen werden. Für langjährige Gemeindemitglieder war das ein wichtiger Schritt. Viele verbinden mit der Kirche Erinnerungen.

Kirchen-Umbau: Bouldern bis ganz nach oben, Yoga, Café

Zum Klettern wollen die Betreiber den pyramidenförmigen Innenraum nutzen. Die Boulderwände seien auf eine Höhe von vier Metern beschränkt, so Architektin Julia Dillamar. Durch eine Galerie soll in der Pyramide aber eine zweite Ebene entstehen, sodass Sportler und Sportlerinnen weit nach oben klettern können.

Neben den Kletterwänden sind außerdem ein Yogaraum und ein Café geplant, das öffentlich zugänglich sein soll.

Eröffnung der Kletterkirche im Sommer 2027 geplant

Der Zeitplan ist ambitioniert, denn bereits im Sommer 2027 wollen die Betreiber die Boulderhalle öffnen. Noch finden in der Kirche Gottesdienste statt, der Termin für die offizielle Profanierung werde gerade geklärt, so Pfarrer Fuchs. Geweiht wurde sie im Jahr 1968. Die Menschen aus der Kirchengemeinde können danach unter anderem in die nahegelegene Kirche St. Adalbero gehen. Schon jetzt werden beide Gotteshäuser gemeinsam verwaltet.

Rund 80 Kirchen im Bistum sollen umgenutzt werden

Weil die Mitgliederzahlen in der katholischen Kirche sinken, hat das Bistum Würzburg eine Immobilien-Kategorisierung vorgenommen und den Bedarf der einzelnen Gotteshäuser geprüft. Dabei wurden insgesamt 80 Kirchen bestimmt, die laut Bistum einer neuen Nutzung zugeführt werden sollen.

Die St. Wolfgangkirche in Wörth am Main im unterfränkischen Landkreis Miltenberg ist zum Beispiel schon seit Jahrzehnten ein Museum für die Schifffahrtsgeschichte am Main.

Nutzung von Kirchen: Vom Club bis zur Kindertagesstätte

In Bayern gibt es bereits weitere kreative Nutzungen für entweihte Kirchen: Die ehemalige Kirche St. Peter und Paul in Regensburg ist heute zum Beispiel ein Club und eine Event-Location. Die profanierte Kirche St. Valentin in Passau ist geteilt: Sie beherbergt nun Büroeinheiten, während der Altarraum als Kapelle erhalten ist.

Eine "Boulderchurch" gibt es bereits in Bad Orb in Hessen, ganz in der Nähe von Unterfranken. In Münster wurde eine Kirche zum Mehrgenerationenhaus mit Kindertagesstätte umgebaut. In Bielefeld wird eine Kirche als Restaurant und Bar genutzt.

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