Thomas Meister läuft die Landwehrstraße entlang. Es ist früher Abend im Münchner Bahnhofsviertel, doch von Alltagsroutine ist hier nichts zu spüren. Polizeifahrzeuge stehen dicht an dicht, Einsatzkräfte sichern die Straße. Der Zoll-Beamte und Pressesprecher des Münchener Zolls ist mittendrin – auf dem Weg zu einem der ersten Einsatzorte: "Wir lassen uns jetzt überraschen. Ich bin selbst ganz gespannt!" Was ihn und seine Kollegen genau erwartet, ist unklar. Einen Einsatz dieser Größenordnung hat er selbst noch nicht erlebt – obwohl er seit 1996 im Dienst ist.
Größter Zoll-Einsatz in Bayern
Rund 500 Beamte von Zoll und Polizei kontrollieren an diesem Abend etwa 80 Betriebe rund um die Landwehrstraße in der Nähe des Hauptbahnhofes. Im Fokus stehen Shisha-Bars, Friseurläden und Kioske. Der Verdacht: Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung und weitere Gesetzesverstöße.
Erster Einsatz: Friseurladen
Meisters erster Weg führt in ein Friseurgeschäft. Schon vor dem Laden stehen mehrere Einsatzkräfte, weitere sind im Inneren. Für solche Situationen gelten klare Sicherheitsregeln: Zollbeamte wie Meister betreten die Geschäfte nur in Begleitung bewaffneter Polizisten. "Wenn wir einen Laden betreten, dann ist es aus Eigensicherheitsgründen so, dass immer mindestens zwei bewaffnete Kollegen uns begleiten müssen, weil ich selbst kein Waffenträger bin."
Im Geschäft ist die Lage unter Kontrolle. Thomas Meister erkundigt sich: "Was habt's ihr da?" Die Antwort folgt schnell – und bestätigt den Verdacht. Die Beamten haben einen Mann angetroffen, der sich eventuell illegal in Deutschland aufhält. Für ihn endet der Abend auf der Dienststelle – vier Polizisten führen ihn ab. Für den Zoll ist das ein erster Erfolg.
Großeinsatz sorgt für Aufsehen
Der Einsatz bleibt im Viertel nicht unbemerkt. Immer wieder bleiben Passanten stehen und beobachten das Geschehen. Auch Anwohner verfolgen die Kontrollen aufmerksam. Eine Frau, die seit Jahrzehnten im Viertel lebt, zeigt sich besorgt: "Ich habe das hier so noch nicht erlebt. Ich wohne hier seit 30 Jahren. Der Einsatz zeigt, dass das Viertel in eine Parallelwelt, in eine gewisse Gesetzlosigkeit reingeschlittert ist. Das ist ja nicht das einzige Anzeichen. Aber jetzt wird’s mal ganz deutlich."
Erste Funde nach wenigen Stunden
Während Meister weiter durch die Landwehrstraße geht, arbeiten seine Kollegen bereits die nächsten Betriebe ab. Nach knapp zwei Stunden liegt eine erste Zwischenbilanz vor: Die Beamten stellen unter anderem verbotene Tabakwaren sicher, finden eine Schreckschusswaffe und beschlagnahmen illegale, sogenannte Hautaufhellercremes.
"Man wird manchmal so überrascht"
"Guat, geh ma!", sagt Thomas Meister und macht sich mit seinen Kollegen von Zoll und Polizei auf den Weg zum nächsten Kontrollort. Diesmal ein Kiosk. Wieder ist die Ausgangslage unklar. Genau das mache die Arbeit so schwer einschätzbar: "Man denkt, man geht in einen Laden rein und da ist 100-prozentig was und der ist dann ganz sauber. Und manchmal wird man so überrascht", so die Einschätzung des Zollbeamten.
Im Kiosk fallen zwei Personen auf. Sie werden überprüft. Doch solche Kontrollen brauchen Zeit. Dokumente müssen gesichtet und teils angefordert, Angaben überprüft werden.
Kontrollen bis Mitternacht
Der Großeinsatz zieht sich bis Mitternacht. Erst am nächsten Tag lässt sich eine umfassendere Bilanz ziehen: Insgesamt stellen die Behörden weit über hundert Verstöße fest. Diese reichen von illegaler Beschäftigung über Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht bis hin zu Delikten nach dem Waffen- und Betäubungsmittelgesetz. Außerdem werden drei Personen festgenommen, die per Haftbefehl gesucht wurden.
Für den Pressesprecher und Zollbeamten Meister ist der Einsatz ein Erfolg. "Bei jedem zweiten Betrieb haben wir eine Feststellung getätigt", sagt er. Gleichzeitig betont er, dass nun die eigentliche Arbeit erst beginne: Alle Fälle müssten im Detail geprüft und rechtlich bewertet werden.
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