Sofie Weidner steht noch mit 90 am Zapfhahn.
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Sofie Weidner steht noch mit 90 am Zapfhahn.
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90 Jahre alt, Wirtin und keine Lust aufzuhören

90 Jahre alt, Wirtin und keine Lust aufzuhören

Sofie Weidner ist in Burgbernheim und darüber hinaus bekannt. Seit den 1960ern ist sie Wirtin in dem kleinen mittelfränkischen Ort. Und das, obwohl sie kürzlich ihren 90. Geburtstag gefeiert hat. Aufhören will sie nicht, denn sie liebt, was sie tut.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

1958 kam Sofie Weidner nach Burgbernheim. Begeistert war sie damals nicht. Der kleine Ort im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim war für sie ein Dorf. Doch mit ihrem Mann ist sie dorthin gekommen. Kennengelernt hatte die im heutigen Tschechien Geborene den Musiker als Kellnerin im "Mathäser", damals Münchens größte Bierstadt. Heute sagt sie: "Nirgends ist es so schön wie in Berna!" Das ist der Spitzname der Einheimischen für Burgbernheim.

90 Jahre alt und topfit

Sofie Weidner ist Ende März 90 Jahre alt geworden. Trotzdem steht sie auch heute noch hinter dem Tresen in ihrer Wirtschaft "Zum Grünen Baum". "Ich lieb' einfach meinen Beruf und ich könnt' ohne den auch nicht leben. Ich könnte nicht", antwortet sie auf die Frage, ob sie nicht mal ans Aufhören denkt. Ihre Stammgäste hoffen, dass sie die 100 noch knackt. Sofie Weidner hat nie etwas anderes gemacht, außer zu kellnern. Sie stellte sogar einmal einen Biermaß-Ausschankrekord auf einem Fest auf: 1.111 Maß Bier schleppte sie da an einem Tag.

Als ihr Mann starb, fing sie trotz kleiner Tochter in Burgbernheim an zu kellnern und pachtete nur kurze Zeit später ihre erste Wirtschaft. Und die lief gut. 1968 dann die Gelegenheit: Das Gasthaus "Zum Grünen Baum" stand zum Verkauf und sie wagte es. Damals eine große Sache, immerhin war sie allein mit einem kleinen Kind. "Aber ich hatte immer den Willen, ich schaff‘ das und ich hab' es auch geschafft, weil ich halt auch zufrieden bin", sagt Weidner.

Bekannt mit der eigenen Gaststätte

Ihre Stammgäste aus ihrer vorherigen Wirtschaft blieben ihr, sie hatte jeden Tag von früh bis spät geöffnet. Es dauerte nicht lange, da kannte Sofie jeder. Sie heiratete erneut, bekam noch zwei Kinder. Für die war es manchmal lästig, wenn sie überall auf den Straßen in der kompletten Region erkannt wurde, gibt sie heute zu. Doch so war es halt und ist es noch.

Gerne denkt sie an die alten Zeiten zurück, die leider nicht mehr wiederkämen. Die heutige Jugend sei anders, sagt Sofie Weidner, die "karteln" zum Beispiel nicht mehr. Und sie sagt ernst: Corona hat einiges kaputt gemacht.

Aber ein bisschen kürzer tritt die 90-Jährige doch wegen ihres Alters: Sie hat nur noch an zwei Tagen pro Woche geöffnet und nur noch einen Gastraum mit 30 Plätzen. Außerdem gibt es Essen nur auf Vorbestellung. Das kocht ihr Sohn, der gelernter Koch ist.

Zufriedenheit und kein Alkohol

Manche Gäste kennt Sofie Weidner, seit sie Windeln getragen haben. Heute haben die schon Enkelkinder. Und die Jungen kommen auch zu ihr, feierten mit ihr ihren 90., obwohl bei ihr strenges Handy- und Mützenverbot herrscht. Das macht sie stolz.

Weidner hat einige Burgbernheimer überlebt, was nicht immer leicht für sie war. Ihr Geheimnis, warum sie mit 90 immer noch so fit ist: Zufriedenheit. Und die Wirtin schenkt Alkohol zwar aus, aber sie trinkt ihn nicht. Solange sie allein aufstehen, sich anziehen und essen kann, möchte sie weiter Wirtin sein. Ist das einmal nicht mehr möglich, will sie lieber gleich sterben, lacht sie.

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