Waldbrände halten zurzeit die Einsatzkräfte in Bayern auf Trab. Bei Nabburg in der Oberpfalz waren am Montag 24 Feuerwehren damit beschäftigt, ein Feuer zu löschen. Der Brand ist inzwischen unter Kontrolle. Anders ist die Lage am Saurüsselkopf bei Ruhpolding: Laut dem Landratsamt Traunstein stehen dort rund 160 Hektar Wald in Flammen, am Vortag war noch die Rede von 50 Hektar gewesen. "Die erhoffte deutliche Wende in der Brandbekämpfung ist bislang nicht eingetreten. Die Lage bleibt dynamisch", teilte die Behörde am Abend mit.
Bei BR24 um 16 Uhr schätzte BR-Korrespondentin Laura Goudkamp die Lage vor Ort ein. Darüber hinaus gab es ein Interview mit dem Waldbrandexperten des Deutschen Feuerwehrverbands, Ulrich Cimolino. Das Video finden Sie oben eingebettet über diesem Artikel.
Elf Löschhubschrauber am Saurüsselkopf im Einsatz
Seit Sonntagabend kämpft die Feuerwehr gegen den Brand. Das Feuer breite sich weiterhin aus, die Hubschraubereinsätze zeigten aber erste Wirkung, heißt es aus dem Landratsamt. Die West- und Ostflanke konnten tagsüber durch den Hubschraubereinsatz stabil gehalten werden. Aufgrund einer Windänderung liegt der Schwerpunkt aktuell auf der Südflanke. Die Lage im Bereich der Landesgrenze wird weiterhin besonders beobachtet; mit den zuständigen Stellen auf österreichischer Seite bestehe Kontakt. Weil das Gelände nur sehr schwer zugänglich ist, liegt der Fokus weiterhin auf der Brandbekämpfung aus der Luft.
Am Dienstag gab es zusätzliche Hilfe durch die Bundeswehr, denn deren Löschhubschrauber fassen zehnmal so viel Wasser wie die der Polizei. Auch ein Hubschrauber der Landespolizei Baden-Württemberg und zwei Hubschrauber von Heli Austria unterstützen das Team. Damit sind insgesamt elf Hubschrauber im Einsatz.
Lage weiter angespannt
Die Lage ist nach Einschätzung von Ruhpoldings Bürgermeister Justus Pfeifer (CSU) weiterhin angespannt. Eine besondere Herausforderung stelle die Nacht dar. Mit Einbruch der Dunkelheit können aus Sicherheitsgründen keine Hubschrauberflüge mehr stattfinden. Durch die nächtliche Einstellung der Löscharbeiten aus der Luft flammten die Brände oft wieder auf. Pfeifer sprach von einer Sisyphus-Arbeit, bei der man am Morgen aufholen müsse, "was wir über Nacht verloren haben". Er dankte allen boden- und luftgebundenen Einsatzkräften, die Großartiges leisten würden.
Der Einsatz läuft in der Nacht vom Boden aus weiter, soweit dies gefahrlos möglich ist, unter anderem mit handgeführten Strahlrohren und Tanklöschfahrzeugen. Parallel laufen die Planungen für Mittwoch. Auch dann sollen wieder Hubschrauber im Einsatz sein, die am Weitsee, Mitter- und Lödensee Löschwasser aufnehmen.
"Jedem Ruhpoldinger blutet das Herz"
Pfeifer zeigte sich im Interview mit dem BR persönlich betroffen: "Jedem Ruhpoldinger hat, glaube ich, das Herz geblutet, als dieser Berg gebrannt, geraucht hat." Gleichzeitig zeigte er sich stolz über die "unglaubliche Hilfsbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger". Es gebe viele Angebote, von der Verpflegung bis zur Unterbringung von Helfern, auch wenn diese aktuell noch nicht benötigt würden.
Katastrophenfall im Landkreis Traunstein
Der Traunsteiner Landrat hatte am Montag den Katastrophenfall ausgelöst. Das Feuer am Saurüsselkopf bedroht ein Trinkwasserschutzgebiet. Die Quelle versorgt 30.000 Bürgerinnen und Bürger und muss dringend vor den Flammen geschützt werden.
Insgesamt ist die Waldbrandgefahr in Bayern in den vergangenen Tagen gestiegen. Gerade im Osten und Süden des Freistaats zeigt der Waldbrandgefahrenindex gebietsweise Stufe vier. Das bedeutet, dass eine hohe Gefahr von Wald- und Buschbränden besteht.
Waldbrand-Experte: "Ein Funke reicht"
Grundsätzlich werde es im Frühjahr immer trockener, sagte Ulrich Cimolino vom Deutschen Feuerwehrverband bei BR24. Im April habe es in Bayern ungewöhnlich wenig Niederschlag gegeben. "Bei diesen trockenen Temperaturen reicht ein Funke", betonte Cimolino. Seinem Eindruck nach ist in 95 Prozent der Fälle ein Mensch die Ursache für einen Waldbrand. So wüssten etwa viele gar nicht, dass von März bis Oktober Rauchen und offenes Feuer im Wald grundsätzlich verboten sei.
Bayernkarte: Wie hoch ist die Waldbrandgefahr?
Im Video: Löscharbeiten am Saurüsselkopf werden intensiviert
In den Chiemgauer Alpen am Saurüsselkopf gilt seit gestern der Katastrophenfall. Rund 160 Hektar stehen in Flammen.
BR24 auf Instagram: Waldbrand am Saurüsselkopf weitet sich aus
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