ARCHIV - 31.08.2026, Bayern, München: Neu gestaltete Frauenfiguren sitzen auf dem Oktoberfestgelände über dem Eingang am Teufelsrad. Das Traditionsgeschäft hat, nach entsprechenden Hinweisen einer städtischen Gleichstellungsstelle, die Frauenfiguren über dem Eingang neu gestaltet und züchtiger angezogen. (zu dpa: ««Teufelsrad» umgestaltet - Debatte um Wiesn-Figur mit Schuh») Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ARCHIV - 31.08.2026, Bayern, München: Neu gestaltete Frauenfiguren sitzen auf dem Oktoberfestgelände über dem Eingang am Teufelsrad. Das Traditionsgeschäft hat, nach entsprechenden Hinweisen einer städtischen Gleichstellungsstelle, die Frauenfiguren über dem Eingang neu gestaltet und züchtiger angezogen. (zu dpa: ««Teufelsrad» umgestaltet - Debatte um Wiesn-Figur mit Schuh») Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Clips vom Teufelsrad werden nach BR-Recherchen dazu genutzt, Desinformations-Kanäle groß zu machen – vermutlich aus kommerziellem Interesse.
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Clips vom Teufelsrad werden nach BR-Recherchen dazu genutzt, Desinformations-Kanäle groß zu machen – vermutlich aus kommerziellem Interesse.

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Teufelsrad-Videos steigern Reichweite von Desinformation

Teufelsrad-Videos steigern Reichweite von Desinformation

Vom Blick unters Dirndl zu Kriegs-Content mit Drohnen und Kampfschiffen: Clips vom Teufelsrad werden nach BR-Recherchen dazu genutzt, Desinformations-Kanäle groß zu machen – vermutlich aus kommerziellem Interesse.

Über dieses Thema berichtet: 11KM - der tagesschau Podcast am .

Anfang August, Wochen bevor das Oktoberfest beginnt, geht auf YouTube ein angeblicher Livestream vom Teufelsrad online: Auf dem Vorschaubild sitzt eine Frau mit gespreizten Beinen und weißer Unterwäsche, offensichtlich digital auf die Oktoberfest-Szene kopiert. Im Video selbst sind stundenlang Szenen vom Teufelsrad aus der Vergangenheit zu sehen. Die eigentlichen Inhalte des YouTube-Kanals sind jedoch andere: Desinformations-Videos im Stil einer Nachrichtensendung zu einem angeblichen militärischen Konflikt zwischen den USA und China mit dramatischen Schlagzeilen wie "Vor einer Minute!" oder "Der Krieg beginnt jetzt".

BR-Recherchen zeigen: Es sind auch Videos mit Frauen auf dem Teufelsrad, mit denen die Reichweite solcher Desinformations-Kanäle vergrößert werden soll – um damit Geld zu verdienen.

Mehr als 50 Accounts mit Teufelsrad-Livestreams

In den Wochen vor dem Oktoberfest haben BR-Recherchen zufolge mindestens 50 verschiedene Accounts solche angeblichen Teufelsrad-Livestreams genutzt, um Reichweite aufzubauen. Die Accounts agierten dabei fast immer nach demselben Muster: Vorschaubilder aus Porno-Filmen und stundenlange Videos von Teufelsrad-Szenen aus den vergangenen Jahren. Inhaltlich decken die Kanäle ein breites Spektrum ab: Minecraft-Videos auf Usbekisch, Musik-Videos zu Bollywood-Filmen oder sogenannte Unboxing-Videos mit schrill-bunten Gegenständen. Und immer wieder: Kriegs-Content, oft mit Bezügen zu aktuellen Konflikten im Iran und der Ukraine.

YouTube-Accounts stehen auf Marktplatz zum Verkauf

Einige dieser Accounts standen auf einem ukrainischen Online-Marktplatz für YouTube-Accounts zum Verkauf, zumeist für einen niedrigen dreistelligen Dollarbetrag. Wer sie erstellt hat und mit – auch KI-generierten – Inhalten befüllt, ist unklar. Der Marktplatz gehört zum Umfeld einer Community von YouTube-Profis in der Ukraine, die nach Nischen suchen, um die Reichweite von Accounts zu vergrößern. Dabei sind sie auch auf das Teufelsrad gestoßen.

Die Betreiber der ukrainischen YouTube-Community teilten auf BR-Anfrage mit, Teufelsrad-Videos von ihren Kanälen entfernt zu haben, ein Fehlverhalten werde damit aber nicht eingeräumt. Die Betreiber des Marktplatzes schrieben auf eine Anfrage des BR, man sei ein Vermittler zwischen Käufern und Verkäufern von YouTube-Accounts. Mit den Inhalten habe man nichts zu tun.

Wiederkehrende Themen: Krieg und Militär

Das BR-Rechercheteam hat seit dem Sommer mehr als 200 Accounts auf dem Online-Marktplatz beobachtet. Mehr als 80 davon fallen dort in die Kategorie "News", mit Inhalten auf Englisch, Deutsch, Polnisch und weiteren Sprachen. Wiederkehrende Themen sind Inhalte zu Krieg und Militär, erstellt aus einer Mischung von Archivaufnahmen und KI-generiertem Content. In den Videos geht es um aktuelle Konflikte wie den Iran-Krieg oder den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine: Bei manchen Accounts ist die Haltung eher pro-ukrainisch, bei anderen eher pro-russisch.

Auch deutschsprachige Videos zum Krieg in Iran

Ein Account, der sich an ein deutschsprachiges Publikum richtet, zeigt KI-generierte Videos zum Krieg zwischen den USA und Iran. Begriffe wie "Eilmeldung" legen nahe, es handle sich um reale Ereignisse aus der Gegenwart. Screenshots von YouTube, die dem BR vorliegen, zeigen, dass die Zuschauer zu 80 Prozent aus Deutschland stammen und zu mehr als 90 Prozent männlich sind. Für einen weiteren Account mit ähnlichen Inhalten auf Deutsch liegen Screenshots vor, die belegen, dass mit einzelnen Videos mehrere Hundert Dollar eingenommen wurden.

Der teuerste Account im Angebot des Marktplatzes hat mehr als 400.000 Abonnenten und veröffentlicht Kriegssimulationen, die zum Teil mehrere Millionen Aufrufe haben. Er stand für mehr als 13.000 US-Dollar zum Verkauf und ist inzwischen vom Marktplatz verschwunden.

YouTube ließ eine BR-Anfrage zum Handel mit Accounts inhaltlich unbeantwortet und hat mitgeteilt, Teufelsrad-Accounts entfernt zu haben.

Forscher: Wirtschaftliches Interesse

Kurz vor Wiesn-Start war nach einer Veröffentlichung des US-Forschers Ben Shultz bekannt geworden, dass zehntausende Teufelsrad-Videos im Internet kursierten (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt). Shultz forscht für das "American Sunlight Project" zu digitaler Gewalt und Desinformation und ist Doktorand an der Hochschule Neu-Ulm. Er hat sich intensiv mit den Mechanismen hinter den Teufelsrad-Videos beschäftigt. Shultz vermutet im BR-Interview hinter diesen Videos keine politische Motivation, sondern eine wirtschaftliche: "Die Leute, die diese Videos veröffentlichen, tun dies nicht, weil ein böswilliger Akteur sie dazu aufgefordert hat. Ich glaube, sie tun es einfach, um Geld zu verdienen."

Shultz kennt das Phänomen sogenannter Content-Farmen aus Südostasien, die insbesondere auf Facebook Teufelsrad-Videos im großen Stil veröffentlicht hatten. Er geht davon aus, dass die Verbreiter die Teufelsrad-Videos in den meisten Fällen nicht selbst gedreht haben, sondern sie in entsprechenden Foren kaufen.

BR-Recherchen zeigen, wer hinter Teufelsrad-Videos steckt

BR-Recherchen hatten zuletzt gezeigt, dass hinter vielen voyeuristischen Teufelsrad-Videos Akteure aus Bayern sowie YouTube-Profis aus der Ukraine stecken. Viele der Aufnahmen sind nach derzeitiger Rechtslage nicht strafbar. Die Bundesregierung will den Upskirting-Paragrafen allerdings verschärfen.

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