Teresa Rizos in München und Collien Fernandes in Berlin
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Teresa Rizos in München und Collien Fernandes in Berlin
Bildrechte: Petr Jerabek/BR und picture alliance/dpa|Sebastian Christoph Gollnow
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Teresa Rizos in München und Collien Fernandes in Berlin

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Deepfakes: Prominente und Politiker für härtere Strafen

Deepfakes: Prominente und Politiker für härtere Strafen

In München fordern Schauspielerin Teresa Rizos und Bayerns Justizminister Eisenreich Strafen für Deepfakes, in Berlin ist Moderatorin Collien Fernandes bei der Übergabe einer Petition dabei: Politiker und Prominente kämpfen gegen männliche Gewalt.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Schauspielerin Teresa Rizos schwankte zwischen Entsetzen, Scham und Ratlosigkeit. Durch Zufall entdeckte sie vor ein paar Jahren in einer Internet-Suchmaschine ein Foto: "ein nackter Frauenkörper in einer pornografischen Pose mit meinem Gesicht", erinnert sie sich. Die Schauspielerin ("Dahoam is Dahoam", "Servus Baby") wurde Opfer eines sexualisierten Deepfakes, einer digitalen Fälschung.

Ein "Riesenschock" sei es für sie gewesen, sagt Rizos. "Ich habe mich entsetzlich unangenehm berührt gefühlt. Es war ein Gefühl von Scham und sofort auch ein bisschen das Gefühl: Habe ich etwas falsch gemacht?" Rizos ging damals weder zur Polizei, noch vertraute sie sich jemandem an. Erst mit den Jahren fasste sie den Mut, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Jetzt macht sie sich gemeinsam mit dem bayerischen Justizminister Georg Eisenreich (CSU) für einen besseren strafrechtlichen Schutz stark.

Minister beklagt "Schutzlücken"

"Immer mehr Menschen, vor allem Mädchen und Frauen, werden Opfer von Deepfakes", betont Eisenreich. Mit täuschend echt wirkenden Bildern, Videos oder Tonaufnahmen könnten viele Straftaten begangen werden: "Betrugsversuche, man kann sie zum Mobben, Stalken, in Rache-Pornos nutzen, aber auch zur Manipulation der öffentlichen Meinung." In 90 Prozent der Fälle gehe es um sexualisierte Bilder oder Videos.

Eisenreich fordert, das Strafrecht endlich an die neuen Herausforderungen anzupassen. Das geltende Recht sei missverständlich und lückenhaft. Deswegen macht sich der CSU-Politiker seit fünf Jahren dafür stark, einen eigenen Straftatbestand für Deepfakes zu schaffen, der Schutzlücken schließt.

Eisenreich fordert bis zu fünf Jahre Haft

2024 brachte Bayern im Bundesrat einen Gesetzentwurf ein, dem die Länderkammer auch zustimmte. Die damalige Ampel-Regierung sei aber untätig geblieben, beklagt der Minister. Mittlerweile hat die aktuelle Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) einen Gesetzentwurf vorgelegt.

Bayern sei aber nicht mit allem einverstanden, insbesondere nicht mit dem Strafrahmen von zwei Jahren bei pornografischen Deepfakes. Das genüge nicht, sagt Eisenreich. Virtuelle Gewalt durch pornografische Deepfakes sei mit realer Gewalt gleichzusetzen. "Und der Strafrahmen der Körperverletzung liegt bei fünf Jahren."

"Total aufgewühlt"

Heute würde Teresa Rizos nach eigenen Angaben "auf jeden Fall damit zur Polizei gehen" und Anzeige erstatten. Für sie sei die #Metoo-Debatte ein Auslöser gewesen, neu darüber nachzudenken, "was wir als Frauen tragen sollten, müssen oder eben auch nicht – und wo sexualisierte Belästigung, Missbrauch, Gewalt anfängt."

Auch die Debatten der vergangenen Wochen über digitale Gewalt und Deepfakes hätten sie "total aufgewühlt", sagt sie dem BR, "das Bekanntwerden von so vielen Fällen", von "üblem Macht- und Vertrauensmissbrauch". Deswegen sei sie der Meinung, "dass wir darüber mehr reden müssen und dass sich die Gesetze ändern müssen".

Collien Fernandes: "Laut bleiben"

Große Aufmerksamkeit hatte das Thema digitale sexualisierte Gewalt zuletzt durch den Fall der Moderatorin Collien Fernandes erhalten, die ihre Geschichte öffentlich gemacht hatte. Eine Petition mit dem Titel "In Solidarität mit Collien Fernandes" unterzeichneten mittlerweile mehr als 336.000 Menschen. Sie richten zehn Forderungen an die Bundesregierung zum Schutz von Frauen vor männlicher Gewalt. Dazu zählen: Strafbarkeit von Erstellung und Verbreitung sexualisierter Deepfakes, Rechtsansprüche auf schnelle Löschung, Schadenersatz und Accountsperrung sowie klare Regulierungspflichten für Plattformen.

Am Mittag wurde die Petition in Berlin an Bundestagsabgeordnete von SPD, Grünen und Linken übergeben. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch kündigte an, sich in der Regierungskoalition dafür einzusetzen, längst bekannte Gesetzeslücken zu beseitigen. Zugleich müssten Staatsanwaltschaften und Polizei technisch in die Lage versetzt werden, gegen Kriminelle vorzugehen.

Auch Collien Fernandes kam zur Übergabe und erinnerte an Demonstrationen der vergangenen Wochen: "Warum waren so viele Frauen auf der Straße? Weil es ihre Realität ist, weil sie digitale Gewalt erleben." Solange das von Tätern und ihren Anwälten als "unverhältnismäßige Hysterie" abgetan werde, "müssen wir einfach laut sein, laut bleiben, wütend bleiben".

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