Noch liegt Schnee auf den Almweiden, auf die Joseph Grasegger aus Partenkirchen seine Bergschafe im Sommer treibt. Mit Lämmern sind es rund 120 Tiere, die er praktisch nicht vor Wölfen schützen kann. In einer Höhe von mehr als 2.500 Metern Zäune aufzustellen, "das ist in der Ideologie verbreitet, aber unmöglich, weder praktisch und wirtschaftlich schon dreimal nicht".
- Zum Artikel: Jagd auf den Wolf: Das steht im neuen Gesetz
Schutzhunde funktionierten gut in geschlossenen Herden, aber nicht in einer Sommerherde mit 650 Schafen von mehr als 50 Mitgliedern der Weidegenossenschaft. Denn ein Herdenschutzhund, der einen Wolf verbellen kann, müsse die Tiere kennen. Außerdem verschrecke ein Herdenschutzhund leicht Touristen.
Joseph Grasegger hat 20 Schafe durch Wolfsriss verloren
Ein Wolfsabschuss soll in Gebieten leichter möglich sein, in denen kein Herdenschutz möglich ist. Vor einigen Jahren sind in seiner Almgenossenschaft 20 Tiere von einem Wolf gerissen worden, berichtet Grasegger.
Es sei klar, dass der Wolf nicht wieder ausgerottet werde, aber die Almbauern bräuchten Weideschutzzonen, "also Zonen, in denen sich Wölfe nicht aufhalten dürfen". Was bei Rehen möglich sei, müsse auch bei Wölfen gehen, sprich wolfsfreie Zonen.
Bund Naturschutz ist gegen "wolfsfreie Zonen"
Wolfsfreie Zonen können sich Naturschützer wie Uwe Friedel vom BUND Naturschutz in Bayern nicht vorstellen. Schließlich sei es nur ein schmaler Streifen am Alpenrand, wo Herdenschutz nicht möglich sei, was dem Wolf immer Spielraum gebe.
In anderen Gegenden Bayerns dagegen sei es leichter machbar, Schafe oder Ziegen mit hohen wolfssicheren Zäunen oder Schutzhunden zu schützen. Allerdings gibt es in Bayern vergleichsweise wenig Wölfe.
BUND: Wolf ist heimische Tierart, auch im Alpenraum
Er glaube nicht, dass das Jagdgesetz den Weidetierhaltern groß weiterhelfen werde, sagt Friedel. "Erstens, weil es aus unserer Sicht europarechtswidrig ist, das heißt, dann auch vor Gerichten irgendwann keinen Bestand haben wird, und zweitens, weil den Weidetierhaltern hier ja versprochen wird, wir lösen das Problem Wolf mit dem Gewehr, und das ist eben nicht der Fall."
Denn ob Weidetiere gerissen würden, das hänge vom Verhalten einzelner Wölfe ab, nicht von ihrer Anzahl. "Der Wolf ist eine heimische Tierart, auch im Alpenraum, er hat ein Existenzrecht", sagt der Wolfsexperte.
Abschuss von "Problemwölfen" leichter möglich
Der Abschuss von Einzelwölfen, die sich auf Weidetiere spezialisiert haben, der sei notwendig und hilfreich, sagt Uwe Friedel. "Wenn jetzt allerdings Wölfe geschossen werden, die nie ein Weidetier gerissen haben, dann bringt das den Weidetierhaltern auch nichts. Gegen diesen Weg würden sich die Umweltschützer einsetzen. Generell gelte nämlich: Rinder seien durch den Wolf kaum bedroht und den anderen Tieren helfe sinngemäß der Herdenschutz und nicht das Gewehr gegen den Wolf.
Jagdminister Aiwanger will bereits im April Abschussfreigaben erteilen
Jagdminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat auf Social Media angekündigt, möglichst schon im April eine Abschussfreigabe erteilen zu wollen für Wölfe, die keine Jungen haben, so weit dass der günstige Erhaltungszustand nicht gefährdet werde. Er spricht von einer Regulierung, dort, wo es Konflikte gebe. Auch mit dem neuen Jagdgesetz wird der Streit um den Wolf also weitergehen.
Der Bayerische Bauernverband erwartet wenig Änderungen in der Praxis. Die Förderung von Elektro-Schutzzäunen und Herdenschutzhunden dürfe in Zukunft nicht gekürzt werden, da sind sich Schafhalter, Bauernverband und Bund Naturschutz einig.
Schafhalter Joseph Grasegger aus Partenkirchen hat vor einigen Jahren 20 Schafe durch Wolfsriss verloren.
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