An einem warmen Sommerabend, wenn die Sonne langsam über den Weinbergen versinkt und auf den Terrassen die ersten Gläser eingeschenkt werden, zählt für die meisten Genießer bisher vor allem eines: der Geschmack. Aus welchem Land der Wein stammt, spielt für viele dabei eine untergeordnete Rolle. Genau das aber soll sich nach dem Willen von Unionspolitikern ändern.z
Idee: Weindeckel in Schwarz-Rot-Gold
Der weinbaupolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Artur Auernhammer (CSU), schlägt einen sogenannten "Deutschlanddeckel" für Weinflaschen vor. Nach österreichischem Vorbild soll eine Kennzeichnung mit den Nationalfarben - Schwarz-Rot-Gold - deutschen Wein im Handel leichter erkennbar machen und so den Absatz steigern. Unterstützung erhält der Vorstoß unter anderem vom CDU-Bundestagsabgeordneten Josef Oster aus der Weinregion Koblenz.
Becker: "Diskussionswürdiger Vorschlag"
In Franken fällt die Reaktion zurückhaltender aus. Die Präsidentin des Fränkischen Weinbauverbands, die Landtagsabgeordnete Barbara Becker (CSU), hält den Vorschlag für diskussionswürdig: "Jede Initiative, die den heimischen Wein stärker ins Bewusstsein der Verbraucherinnen und Verbraucher rückt, verdient eine sachliche Prüfung", sagt sie auf Nachfrage von BR24. Ob eine Deutschlandflagge auf dem Weinverschluss tatsächlich zu höheren Verkaufszahlen führe, "lässt sich allerdings nicht seriös beantworten".
Regionalität schlägt Deutschlandfarben
Für Becker steht fest: Wein werde vor allem über seine Herkunft und seine Geschichte verkauft. "Aus fränkischer Sicht würde ich den Fokus stärker auf die regionale Herkunft legen. Wein lebt von seiner Identität und seiner Geschichte", betont sie. Dazu zitiert sie den Schriftsteller Ernst Jünger: "Nichts macht mit der Landschaft vertrauter, als der Genuss der Weine, die auf ihrer Erde gewachsen und von ihrer Sonne durchleuchtet sind." Genau diese Geschichte wolle Franken erzählen.
Im Video: Fränkische Winzer unter Druck
Nicht der Deckel, sondern die Emotion zählt
Zwar räumt Becker ein, dass Österreich mit seiner rot-weiß-roten Qualitätskapsel einen hohen Wiedererkennungswert geschaffen habe. Das Modell lasse sich jedoch nicht ohne Weiteres übertragen. "Für uns in Deutschland ist 'deutscher Wein' allerdings rechtlich die einfachste Qualitätsstufe. Eine solche Kennzeichnung würde unseren großartigen Weinen nicht wirklich gerecht." Statt eines nationalen Symbols komme es darauf an, welche Emotionen Verbraucher mit Frankenwein verbinden.
Frühere Versuche mit Nationalfarben
Der Fränkische Weinbauverband verweist darauf, dass Verschlusskapseln in den Farben der deutschen Nationalflagge keineswegs eine neue Idee sind. Einzelne Weingüter hätten sie bereits in den 1980er-Jahren und auch später getestet. Ob sich dadurch die Wahrnehmung oder die Kaufbereitschaft tatsächlich verbessern lasse, müsse allerdings zunächst wissenschaftlich untersucht werden. Der Verband fordert deshalb belastbare Marktforschung, bevor über eine flächendeckende Einführung nachgedacht wird.
Weinbranche unter Druck
Die Debatte kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der deutsche Weinbau vor erheblichen Herausforderungen steht. Europaweit sinkt der Weinkonsum, viele Betriebe kämpfen mit einer schwierigen Marktlage. Auch Bauernpräsident Joachim Rukwied warnte bereits davor, dass in Deutschland in größerem Umfang Rebflächen verloren gehen könnten. In Franken wurden bereits viele Flächen gerodet.
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