Bei den Mitgliedern der Jungen Union in Vilsbiburg, Kreis Landshut, wirken die Ergebnisse der Kommunalwahlen auch Wochen später nach. Nicht nur, dass die CSU bayernweit massiv an Einfluss verloren hat – auch das Ergebnis der AfD bereitet ihnen Sorge. Stefan Berghammer, Kreisvorsitzender der JU Landshut-Land, sieht die Schuld dafür womöglich auch bei der Spitze. "Zumindest ist es so, dass unser foodbloggender Parteivorsitzender nicht unbedingt eine große Hilfe war", sagt er über Markus Söder.
JU-Kreisvorsitzender: Söder-Effekt zieht nicht mehr
Berghammer erzählt im BR-Politikmagazin Kontrovers, dass er in letzter Zeit immer wieder eine gewisse Unzufriedenheit in Zusammenhang mit seiner Partei mitbekomme. "Das merkt man, wenn man mit den Leuten redet, sowohl in der Partei als auch außerhalb, dass der Söder-Effekt einfach nicht mehr so zieht, dass sich viele Leute mehr inhaltliche Tiefe und eine breitere Aufstellung innerhalb der CSU wünschen", sagt er.
Berghammer ist nicht der Einzige, der sich da so äußert. Auch Simon Hoiß von der Schülerunion in Landshut findet klare Worte: "Ich finde, die Aufgabe von einem bayerischen Ministerpräsidenten ist es nicht, der freundliche Weißwurst-Esser von nebenan zu sein, sondern eben staatsmännisch aufzutreten", sagt er. Und Benedikt Hillinger, Ortsvorsitzender der JU Vilsbiburg, findet: "Man muss sich wieder mehr auf verschiedene Personen konzentrieren, sich breiter aufstellen."
Es kommt nicht oft vor, dass Mitglieder der Parteijugend den Ministerpräsidenten derart offen kritisieren. Die Junge Union gilt eigentlich als Stütze von Markus Söder, eigentlich weiß er den Parteinachwuchs hinter sich. Doch die Wahlschlappe der CSU bei der Kommunalwahl scheint etwas verändert zu haben.
Laut Recherchen von Kontrovers soll es derzeit auch in der Landtagsfraktion rumoren. Ein erfahrenes Fraktionsmitglied sagt zunächst ein Interview zu, zieht dieses aber kurzfristig wieder zurück. Aus Termingründen, heißt es.
Söder sah Ursache des Versagens zunächst vor Ort
Dabei sah Söder selbst das Problem zunächst offenbar auf der unteren Ebene. Am Tag nach der Stichwahl forderte er eine Analyse des Versagens. Aus seiner Sicht müsse man vor Ort ansetzen. "Die künftige Auswahl von Kandidaten – ich glaube, das muss noch einmal grundlegend überlegt werden und kann nicht nur vor Ort, sondern muss zumindest begleitet werden von hier aus", so Söder damals. Wenige Stunden später nahm er diese Aussage nach Kritik aus den eigenen Reihen wieder zurück.
Festredner Django Asül scherzhaft: "Schuld ist immer der auf dem Plakat"
Die Krise der CSU war auch Thema beim Maibockanstich 2026. Kabarettist und Festredner Django Asül hatte an dem Abend viele Spitzen gegen den bayerischen Ministerpräsidenten vorbereitet. In Zusammenhang mit der Kommunalwahl lästerte er vom Podium: "Schuld ist immer der auf dem Plakat, nicht der Parteichef. Habe ich das so richtig wiedergegeben?"
- Zum Artikel: Maibockanstich – Berlin-Bashing und Biene-Maja-Witze
CSU-Kandidaten scheitern bei Kommunalwahl oft an Freien Wählern
Während die CSU noch in der Fehleranalyse steckt, sind die Freien Wähler im Erfolgsrausch. Viele ihrer Kandidaten konnten sich erstmals gegen CSU-Kandidaten durchsetzen, beispielsweise in Cham. Dort gewann der 32-jähriger Christian Schindler, der bis dahin noch nie ein kommunales Mandat hatte, gegen den CSU-Landratskandidaten Michael Multerer mit 18-jähriger Erfahrung als Bürgermeister.
Ex-CSU-Chef Erwin Huber: "Die Freien Wähler müssen auf den Prüfstand gestellt werden"
Eine Entwicklung, die den ehemaligen CSU-Parteichef Erwin Huber ärgert. Aus seiner Sicht müsse seine Partei die Freien Wähler viel mehr als Konkurrenz und weniger als Partner auffassen. "Es darf auch nicht länger durchgehen, dass der Aiwanger seinen Hobbys nachgeht, der Jagdpolitik und sonstigen, Wohltaten verteilt und die Arbeit als Wirtschaftsminister muss dann der Ministerpräsident Söder selber machen", so Huber. "Die Freien Wähler müssen auf den Prüfstand gestellt werden."
Huber bereitet auch die Landtagswahl 2028 Sorgen. Söder dürfe sich nicht allzu sicher fühlen, warnt er. "Er wird gemessen an den Wahlerfolgen. Und deshalb wird 2028 auch für Markus Söder ein ganz wichtiges Wahljahr werden. Aber er ist noch jung genug, dass er noch lernen kann."
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