Dafna Gerstner vor der Synagoge am Münchner Sankt-Jakobsplatz.
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Drei Jahre nach Hamas-Angriff: "Fühle mich nicht mehr sicher"

Drei Jahre nach Hamas-Angriff: "Fühle mich nicht mehr sicher"

Die Münchnerin Dafna Gerstner hat das Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 in ihrem israelischen Heimatdorf überlebt. Ihr Bruder und viele enge Freunde und Bekannte wurden ermordet oder als Geiseln verschleppt. Wie kann sie heute damit leben?

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

Wenn Dafna Gerstner über den Kibbuz Be'eri, den Ort ihrer Kindheit, spricht, dann lächelt sie: "Wir hatten Sicherheit, konnten alles machen. Herumlaufen, spielen. Ich habe mich so wohl gefühlt, es war eine Traumkindheit", erinnert sie sich.

Kindheit im Kibbuz Be'eri

Der Kibbuz Be'eri (abgeleitet vom hebräischen Wort "Be'er" für 'Brunnen') wurde 1946 gegründet und liegt in Südisrael, wenige Kilometer vom Gazastreifen entfernt.

Jahrzehntelang haben viele der rund tausend Bewohnerinnen und Bewohner, die dort teilweise schon seit Generationen zusammenlebten, auch gute Kontakte zu ihren Nachbarn gepflegt. So gab es Hilfe für kranke Palästinenser und auf den landwirtschaftlichen Feldern des Kibbuz auch Arbeiter aus Gaza.

"Explosionen und Gewehrsalven ohne Pause"

Doch alles ändert sich am 7. Oktober 2023. Es ist ein Samstagmorgen und der jüdische Feiertag Simchat Tora. Dafna ist mit ihrem deutschen Mann Florian zu Besuch bei ihrer Familie und übernachtet im Haus ihres Bruders. Am Vorabend sitzen sie noch zusammen, spielen mit der Nichte. Dafna und Eitan trinken spätabends noch ein Bier. Dass sich in wenigen Stunden ihr Leben für immer verändern wird, ahnen sie nicht.

"Das war aus dem Nichts. Um halb sieben hab ich ein komisches Geräusch gehört, konnte das nicht zuordnen. Und bin natürlich in Panik aufgewacht", erinnert sich die Fotografin, die seit zehn Jahren in München lebt. Dann sei alles ganz schnell gegangen: "Gegen sieben waren dann nur Explosionen und Gewehrsalven zu hören, ohne Pause".

19 Stunden voller Angst im Schutzraum

Insgesamt 19 Stunden verbringt das Ehepaar Gerstner im Schutzraum, bis sie von der Armee evakuiert werden. Über WhatsApp bekommen sie mit, was in Israel passiert: Die Überfälle auf andere Kibbuzim oder das Massaker auf dem Nova-Musikfestival.

Später erfahren sie, dass Dafna Gerstners Bruder Eitan getötet wurde, ebenso wie über 100 weitere Menschen aus der Gemeinschaft. 32 werden alleine aus Be’eri als Geiseln verschleppt, unzählige Häuser niedergebrannt oder zerstört. Laut Informationen der israelischen Armee dringen an dem Tag rund 340 Angreifer in den Kibbuz ein.

Be'eri gilt heute als symbolträchtiger Ort des Massakers

Heute gilt Be‘eri als eine der symbolträchtigsten Stätten des Massakers. "Der Kibbuz ist wie eine Familie. Jeder kennt jeden. Ich bin mit den Leuten, die ermordet wurden, aufgewachsen. Ich habe unglaublich viele Freunde verloren", erzählt Dafna Gerstner.

"Fühle mich hier nicht mehr sicher"

Dafna bleibt ein halbes Jahr in Israel, um ihrer Familie beizustehen. Mittlerweile lebt und arbeitet sie wieder in München. Doch neben Trauer und Schmerz ist ein weiteres Gefühl hinzugekommen: Angst. "Ich fühle mich hier nicht mehr sicher. Die Stimmung ist gegen Israel, gegen Juden, gegen Israelis. Ich fühle mich nicht mehr wohl, offen auf der Straße Hebräisch zu reden", sagt sie.

Immense Zunahme antisemitischer Straftaten seit Oktober 2023

Die Deutsch-Israelin ist damit nicht alleine. Beleidigungen, Bedrohungen, Angriffe gegen Jüdinnen und Juden nehmen zu. Synagogen oder jüdische Schulen werden fast rund um die Uhr von der Polizei bewacht.

"Seit dem 7. Oktober 2023 müssen wir leider feststellen in Bayern, dass wir eine immense Zunahme an antisemitischen Straftaten haben", erklärt dazu auch Michael Weinzierl, Beauftragter der Bayerischen Polizei gegen Hasskriminalität, insbesondere Antisemitismus. Er betont auch, dass es keine andere feindselige Weltanschauung gebe, die bei so vielen unterschiedlichen Gruppierungen vorkomme. Und: "Dass Antisemitismus nahezu in allen Gesellschaftsschichten zu finden ist. In allen Geschlechtsbereichen, in allen Altersgruppen".

Im Video: Interview mit Charlotte Knobloch

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch erzählt davon, wie sie den Tag des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 erlebt hat
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IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch erzählt davon, wie sie den Tag des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 erlebt hat

Buch soll zu mehr Verständnis beitragen

"Vor dem 7. Oktober war es gar kein Thema, Israeli zu sein", erklärt Dafna Gerstner. Heute sei das ganz anders.

Vor einigen Wochen hat sie ihr Buch veröffentlicht mit dem Titel: "Sie kamen, um uns zu töten". Sie beschreibt darin das Leben im Kibbuz vor dem Angriff und den Zusammenhalt der Gemeinschaft danach. Und: Wie sich ihr Leben seitdem verändert hat. "Das hat mir geholfen, den Schmerz zu verarbeiten und das Unsagbare in Worte zu fassen. Mir war wichtig, eine Art Zeitzeugen-Bericht zu verfassen, damit die Menschen auch hier in Deutschland ein bisschen mehr verstehen".

Dafna Gerstner wünscht sich, dass sie sich irgendwann einmal wieder so sicher fühlen kann wie früher.

Drei Jahre nach dem Massaker der Hamas im Süden Israels gedenkt das Land der Opfer des Terrorangriffs. BR24 spricht mit Talya Lador-Fresher (israelische Generalkonsulin in München und dem ehemaligen Leiter des BR-Studios Tel Aviv Christian Limpert. Das Video zum Gespräch.

07.10.2026, Israel, Kibbuz Reim: Ein israelischer Soldat gedenkt am Ort des Nova-Musikfestivals in der Nähe des Kibbuz Reim im Süden Israels dem dritten Jahrestag des Hamas-Angriffs auf Israel vom 7. Oktober 2023, bei dem zahlreiche von Festivalbesuchern getötet und entführt wurden. Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Jahrestag der Angriffe auf Israel am 7. Oktober

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