Die Gefahr aus der Luft ist längst kein Szenario mehr, das nur in Berichten aus Kriegsgebieten vorkommt. Allein im vergangenen Jahr hat das Bundeskriminalamt über Deutschland 1.289 verdächtige Drohnenflüge registriert. Nach dem Fund einer Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig/Halle zeigte sich auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk besorgt. Dass eine solche Drohne entdeckt wurde, sei für ihn "auf jeden Fall schon innerhalb Deutschlands eine neue Dimension".
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Man müsse "überall in Deutschland inzwischen mit dem Risiko solcher mutmaßlichen Anschläge oder Anschlagsversuche rechnen", so Herrmann. Auch in Bayern kam es Ende 2025 in kurzer Zeit zu diversen Drohnensichtungen, so auch am Münchner Flughafen. Es mussten Flüge abgesagt werden, die Bevölkerung reagierte verunsichert. Um für diese Bedrohungslage künftig besser vorbereitet zu sein, hat sich Bayern daher sowohl personell als auch technisch neu aufgestellt.
Im Audio: Drohnenaufspürmöglichkeiten in Bayern
Abfangdrohne im Einsatz
Gebündelte Kompetenzen gegen die Bedrohung aus der Luft
Für die Landesverteidigung sind zwar vor allem Bundeswehr und Bundespolizei zuständig, doch auch der Freistaat soll über die nötigen Fähigkeiten verfügen, wie Innenminister Herrmann betonte.
Um effizienter auf die Bedrohung aus der Luft reagieren zu können, wurde im April dieses Jahres das Bayerische Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum (DKAZ) in Erding ins Leben gerufen. Hier arbeiten mehr als 40 Einsatzkräfte, perspektivisch sollen es am Ende 100 werden. Es soll die bisherigen Strukturen ergänzen und vorhandene Kompetenzen bündeln. Zudem werden dort Einsatzkräfte geschult, Technik bereitgestellt und neue Systeme erprobt.
Ministerpräsident Markus Söder, der bei der Eröffnung des Zentrums anwesend war, fasste es so zusammen: "Neue Herausforderungen erfordern neue Maßnahmen." Und genau hier soll das neue Zentrum ansetzen.
Polizei aus Bund und Land arbeiten eng zusammen
Im DKAZ steht Spezialtechnik bereit, die bei Bedarf kurzfristig an jeden Einsatzort gebracht werden kann. Dabei hat vor allem der Schutz von Flughäfen im Freistaat hohe Priorität. Die drei bayerischen Flughäfen München, Nürnberg und Memmingen sind laut einem Sprecher des bayerischen Innenministeriums mit Technik ausgestattet, um Drohnen zu erkennen und abzuwehren. Zusätzlich würden Erfahrungen aus Vorfällen wie in Leipzig laufend ausgewertet und bei Bedarf in die bestehenden Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen integriert.
"Die bayerischen Sicherheitsbehörden stehen in einem engen und intensiven Austausch mit Bund und Ländern und ergreifen die rechtlich und tatsächlich möglichen präventiven und repressiven Maßnahmen, um die Sicherheit in Bayern bestmöglich zu gewährleisten", so der Ministeriumssprecher gegenüber dem BR. Und weiter: "Uns liegen aktuell keine Erkenntnisse über konkrete Anschlagspläne in Bayern vor."
Rechtslage mit Denkmustern aus dem Kalten Krieg
Für die Juristin an der Universität der Bundeswehr München, Verena Jackson, ist die Bündelung von Kompetenzen zur Drohnenabwehr in einem Zentrum sinnvoll. Sie kritisiert jedoch zugleich die Unklarheiten bei den Zuständigkeiten. Die Expertin für Drohnenabwehr findet, dass die aktuelle Rechtslage und das Sicherheitsverständnis noch aus Logiken des Kalten Krieges und des "Krieges gegen den Terror" stammen. Dabei werden Bedrohungen strikt danach getrennt, ob sie von innen oder von außen kommen, und entsprechend entweder der Polizei für die innere Sicherheit oder der Bundeswehr für äußere Bedrohungen zugeordnet. "Wir können mit den Gegebenheiten, die wir heute haben […] nicht mit einer Rechtslage aus dem letzten Jahrhundert sozusagen arbeiten. Und auch nicht mit einem Mindset aus dem letzten Jahrhundert", so Jackson.
Denn bei Drohnenangriffen greift diese Trennung nicht mehr klar: Die Drohne befindet sich im Inland und wird möglicherweise aus der Nähe gesteuert, die Hintermänner könnten jedoch ausländische Terrorgruppen oder ein Staat sein. Die Juristin schlägt deshalb vor, das Sicherheits- und Rechtsverständnis grundlegend zu modernisieren und die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Bundeswehr flexibler zu regeln. Sie plädiert für mehr Kooperationsmöglichkeiten zwischen den verschiedenen Sicherheitsbehörden und den Streitkräften, damit hybride Bedrohungen wie Drohnen effektiv gemeinsam bewältigt werden können.
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