Die Lufthansa lässt bereits Flugzeuge am Boden. Ein Grund dafür sind die stark gestiegenen Kerosinpreise. Kommt zu der Teuerung des Treibstoffs infolge des Iran-Kriegs jetzt auch noch, dass Kerosin knapp wird? Mit Blick auf Europa warnte die Internationale Energieagentur (IEA) davor: "Mehrere europäische Länder könnten in den kommenden sechs Wochen einer beginnenden Knappheit von Kerosin gegenüberstehen", hieß es von der IEA am Donnerstag.
Flughafen München: Kerosin-Vorräte "auf normalem Niveau"
An Bayerns größtem Flughafen in München ist die Versorgungslage jedoch derzeit entspannt. "Es gibt aktuell keine Anzeichen oder Meldungen von unseren Raffinerien, dass es am Flughafen München zu einer Verknappung von Flugbenzin kommen könnte", heißt es vom Flughafen auf BR24-Anfrage vom Freitag. "Die Kraftstoffvorräte im Tanklager liegen auf normalem Niveau."
Der Flugbetrieb und die Versorgung mit Flugkraftstoff in München würden wie gewohnt laufen. Der Flughafen München stellt die Betankungsanlage am Airport zur Verfügung. Die Verträge mit den Mineralölgesellschaften zur Lieferung des Kerosins schließen die Fluggesellschaften.
Flughafen Nürnberg verweist auf Mineralölgesellschaften
Der Flughafen Nürnberg verweist deshalb auf Airlines und Mineralölgesellschaften. Er selber könne zur Versorgungslage nichts sagen. "Die Vorratshaltung, Lieferung und Betankung liegen vollständig in der Verantwortung verschiedener Dienstleister und Mineralölgesellschaften, die direkt mit den Fluggesellschaften zusammenarbeiten", heißt es in der Antwort an BR24.
Flughafen Memmingen: "Versorgungslage ist stabil"
"Von unseren Airlines wissen wir, dass es in Teilen Südeuropas derzeit keinen beziehungsweise nur sehr schwer verfügbaren Treibstoff gibt", sagt ein Sprecher des Flughafen Memmingen zu BR24. Es sei eine "abnehmende Menge im Gesamtsystem in Europa" zu beobachten. Aber, was den eigenen Standort betreffe, sei die Lage unkritisch: "Die derzeitige Versorgungslage am Flughafen Memmingen ist stabil." Es gebe aktuell keine Lieferschwierigkeiten und keine Abweichungen vom Normalzustand bei Vorräten oder Lieferungen.
Kerosin aus regionalen Raffinerien
Wie im BR24-Artikel "Kerosin an Bayerns Airports – teuer, aber keine Mangelware" dargelegt, stammt der Großteil des in Bayern getankten Kerosins nach Angaben von Flughäfen aus regionalen Raffinerien, die kaum Öl aus der Golfregion beziehen. Der Münchener Flughafen etwa ist über eine Pipeline an die OMV-Raffinerie in Burghausen angebunden, bezieht aber auch Treibstoff aus dem Raffinerieverbund von Bayernoil in Vohburg und Neustadt an der Donau. Die Flughäfen in Nürnberg und Memmingen beziehen Kerosin ebenfalls überwiegend aus bayerischen Raffinerien und werden dabei vor allem über Tanklaster versorgt.
Ministerin Reiche: Kein Kerosinmangel
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht in Deutschland derzeit keine Gefahr eines Kerosin-, Benzin- oder Dieselmangels. "Wir beziehen Öl unter anderem über Pipelines, wir haben Partnerländer, Kasachstan, Norwegen, die Vereinigten Staaten, wo wir Erdöl beziehen", sagt die Ministerin und verweist auf die Bedeutung der Raffinerien in Deutschland – über das Land verteilt verteilt seien es elf Raffinerien, die Kerosin produzieren.
Auch bei der Freigabe der Ölreserve habe man Teilmengen an Kerosin freigegeben, hatte Reiche bereits vergangene Woche gesagt. Diese seien aber nicht übermäßig nachgefragt worden. Der Chef der Internationalen Energieagentur habe auf eine Knappheit in asiatischen Märkten verwiesen.
Für den heutigen Montag haben Wirtschafts- und Verkehrsministerium zum Thema Kerosin Versorger, Flughäfen, Airlines und Verbände zu Gesprächen geladen.
Fluglinie berichtet von Kerosin-Engpass in Italien
Nicht so entspannt wie Wirtschaftsministerin Reiche sieht der Co-Vorsitzende der Koalitions-Arbeitsgruppe, Sepp Müller (CDU), die Lage. Er warnte vor einer Knappheit und rief dazu auf, möglichst wenig Auto zu fahren. Dadurch könne im Raffinerie-Prozess mehr Kerosin hergestellt werden.
Die ungarische Billig-Fluglinie Wizz Air hat Ende vergangener Woche schon von Kerosin-Engpässen in Italien berichtet. Die Probleme seien aber alle "innerhalb eines Tages und in einigen Fällen innerhalb von Stunden gelöst worden", sagte Wizz-Air-Chef Jozsef Varadi der Wirtschaftszeitung "Il Sole 24 Ore".
Ökonom: "Ticketpreise werden stark steigen"
Auf Flugreisende könnten noch deutlich höhere Kosten infolge des Iran-Kriegs zukommen – das erwartet zumindest der österreichische Ökonom Gabriel Felbermayr. "Die Ticketpreise werden stark steigen, damit wird die Nachfrage nach Flugdienstleistungen zurückgehen", sagte Felbermayr im Deutschlandfunk. Wenn die Nachfrage sinke, tue das auch das Angebot: Einzelne Flugverbindungen könnten entfallen, weil sie sich nicht mehr rechnen.
Mit Informationen von Reuters, dpa und AFP
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