Die Sonne knallt auf das Fußballfeld der SG Alerheim im Landkreis Donau-Ries. Benjamin Töpfer, sportlicher Leiter des Vereins, hockt vor einem kleinen Bewässerungswagen. Der hat drei Räder und ist in etwa so groß wie ein Bobbycar. Eigentlich sollte der Wagen langsam über das Spielfeld fahren und Wasser auf den Rasen sprühen, aber er ist kaputt.
Kaputter Bewässerungswagen, knallende Sonne
"Gestern ist dieser Bolzen hier kaputt gegangen", sagt Töpfer. Normalerweise wird ein Schlauch angeschlossen, der Wagen dreht den Regner und zieht sich in der Nacht etwa 80 Meter über den Platz. Damit der Platz in der prallen Hitze nicht austrocknet, muss der Wagen jede Nacht fahren und jeden Abend neu aufgebaut werden. Die Ehrenamtlichen schleppen dafür einen rund 100 Meter langen, mit Wasser gefüllten Schlauch über den Platz.
Wasser ist knapp und teuer - aber nötig
Die Arbeit ist das eine, die Kosten sind das andere. Töpfer weiß, dass der Verein beim Wasserverbrauch genau hinsehen muss: "Wir müssen schauen, dass wir irgendwo das Wasser herbekommen, aber gleichzeitig natürlich nachhaltig denken, dass man das Wasser spart und wirklich nicht vergeudet, sondern ganz sinnvoll nutzt." Gerade in den Hitzewellen sei dies herausfordernd.
Ganz auf Bewässerung verzichten können die Vereine allerdings nicht. Wird ein Rasen nicht bewässert und stirbt, kostet es rund 60.000 bis 70.000 Euro, ihn neu anzulegen. Für die Fußballer ist der weichere Untergrund gelenkschonender und beugt Verletzungen vor.
Brunnen, Sickerschacht, Drainagen: Wasser im Kreislauf
Um unabhängiger von teurem Trinkwasser zu werden, hat die SG Alerheim investiert. Am neuen Trainingsplatz hat der Verein einen Brunnen bohren lassen und einen großen Sickerschacht gebaut. Drainagen im Umfeld und am Platz sammeln Regen- und Oberflächenwasser, das sonst über Felder und Wege abfließen würde. Dieses Wasser wird in eine Zisterne geleitet, mit Pumpen wieder auf den Platz gebracht und dort zur Bewässerung genutzt.
Rund 20 bis 30 Kubikmeter Wasser gewinnt der Verein so pro Tag aus dem eigenen System, wenn es genug Zufluss gibt. Für zwei Plätze reicht das in trockenen Phasen aber nicht.
Niederbayern und Oberpfalz: Wasser fehlt, Plätze leiden
Ähnliche Sorgen haben Vereine in anderen Teilen des Freistaats. Bei der Spielvereinigung Ruhmannsfelden im Bayerischen Wald fehlt nach Angaben des sportlichen Leiters Alois Wittenzellner etwa die Hälfte des Wassers, das nötig wäre, um den Rasen ausreichend beregnen zu können.
Bewässert wird mit Grundwasser aus einem Tiefbrunnen und einer Zisterne. Dennoch spricht Wittenzellner von einem "schlechten Zustand des Platzes". Dass die Gemeinde als Eigentümerin des Platzes inzwischen kein Trinkwasser mehr zuschießt, findet er nachvollziehbar: Wasser sei knapp und werde für den normalen Hausgebrauch benötigt.
Die Spielvereinigung Ebermannsdorf im Kreis Amberg-Sulzbach verzichtet angesichts der angespannten Lage ganz auf die Beregnung des Nebenplatzes. Der Hauptplatz wird mit Trinkwasser bewässert, die Kosten übernimmt die Kommune.
Wie viel Wasser braucht ein Fußballplatz wirklich?
Was Vereine tun können, um gezielter und sparsamer zu bewässern, damit beschäftigt sich die Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern (ALB). Sie hat eine Bewässerungs-App entwickelt, mit der Sportvereine ihren Wasserbedarf berechnen können.
Die App verrechnet Wetterdaten, die Speicherfähigkeit der Böden, den Wasserbedarf der Rasenfläche und Eigenschaften der Bewässerungstechnik. So kann auf Tagesbasis berechnet werden, wie viel pflanzenverfügbares Bodenwasser noch vorhanden ist – und ab welcher Schwelle eine Bewässerung nötig wird. An einem heißen Sommertag liegt der Bedarf eines Sportrasens nach seinen Angaben bei etwa fünf Litern pro Quadratmeter.
Regenwasser statt Trinkwasser: BFV fordert Bewässerungsstrategie
Auch der Bayerische Fußball-Verband (BFV) beschäftigt sich mit der Frage, wie Vereine mit der Trockenheit umgehen sollen. Thomas Graml, Bezirksvorsitzender der Oberpfalz und Vizepräsident des BFV, spricht von einer notwendigen Bewässerungsstrategie. Der Verband empfiehlt etwa, seltener, aber durchdringender zu bewässern, um tiefere Wurzeln zu fördern und den Rasen widerstandsfähiger zu machen. Wichtig sei zudem, Beregnungsanlagen mit Steuerungssystemen zu nutzen, die frühmorgens oder nachts laufen. Graml weist aber darauf hin, dass sich nicht jeder Verein und nicht jede Kommune solche Technik leisten kann, selbst wenn es Fördermöglichkeiten gibt.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!
