Für Hüttenwirt Benno Schödel und seine Frau Andrea läuft die vierte Saison auf der Tölzer Hütte im Vorkarwendel. Dass Benno täglich fünfmal zur Wasserstelle unterhalb der Hütte geht und den Wasserstand prüft, ist für ihn neu. Dort angekommen, stoppt er den Wasserfluss, um zu messen, wie viel Liter Wasser fließen: "Das sind jetzt drei Liter in der Minute, das ist immerhin das Dreifache von letzter Woche", sagt er. Vergangene Woche musste er seine Hütte aufgrund des Wassermangels schließen – und allen Gästen absagen.
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Aber: Das Wasser reicht auch nach dem jüngsten Regen trotzdem kaum. Bei voller Belegung der Tölzer Hütte mit 70 Gästen und zwischen 100 und 200 Tagesgästen verbraucht alleine die Toilettenspülung 1.500 bis 2.000 Liter Wasser – täglich. Deshalb hat Schödel ein provisorisches Wasserreservoir gebaut, um bei Starkregen mehr Wasser aufzufangen, zu filtern und für die Toilettenspülung zu verwenden. Klar ist jedoch: Trockentoiletten sind auch auf der Tölzer Hütte die Zukunft.
DAV: Neue Dimension von Wasserknappheit am Berg
Nicht nur die Tölzer Hütte ist von der Trockenheit betroffen. Der Deutsche Alpenverein (DAV) spricht von einer "neuen Dimension" von Wasserknappheit auf seinen Hütten – vor allem so früh in der Saison.
Nach zwei schneearmen Wintern und wochenlanger Trockenheit versiegen auf zahlreichen Berghütten die Quellen. Die meisten Hütten werden durch oberflächennahe Wasservorräte aus Regen oder Schmelzwasser versorgt. Durch den Klimawandel steht Jahr für Jahr weniger Wasser zur Verfügung.
Auch ein Starkregen bei Gewitter bringt oft nicht die ersehnte Erleichterung. "Wenn es so krass regnet, dann kommt viel Dreckwasser mit in die Quelle. Weil der Boden durch die trockenen Winter ausgetrocknet ist, so dass bei Starkregen alles mitkommt", sagt Benno Schödel. Momentan kann der Betrieb auf der Tölzer Hütte sorgenvoll weiterlaufen.
Hubschrauber liefert Trinkwasser auf Berghütte
Auch in den Berchtesgadener Alpen herrscht Wassermangel. Auf die Blaueishütte im Nationalpark Berchtesgaden muss das Trinkwasser sogar per Hubschrauber geflogen werden. Die Waschräume wurden geschlossen, Trinkwasser gibt es nur noch aus Plastikflaschen – zu je vier Euro pro Liter.
Die Hüttenwirte mahnen Gäste zum äußersten Wassersparen. Auch Benno Schödel erklärt Wanderern bei der Ankunft, wie rar das Wasser derzeit ist. Der Großteil der Gäste reagiert verständnisvoll, sagt Schödel. Und trotzdem: Er hofft, wie viele Hüttenwirte, auf Regen.
Berghütte in den Alpen mit Kühen im Vordergrund
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