"Das ehrenamtliche Zugpersonal der Bahn begrüßt Sie herzlich auf unserer Fahrt von Passau nach Freyung", sagt Raphael Jurk durch den Lautsprecher im Führerstand. Seit vier Jahren ist der 16-jährige Schüler aus Pocking ehrenamtlicher Zugbegleiter in der Ilztalbahn.
Ilztalbahn von Passau nach Freyung
Es ist eine der schönsten Bahnstrecken in Bayern: romantisch entlang der Ilz, durch Tunnel und Wald – von Passau nach Freyung. Und in diesem Jahr gibt es doppelten Grund zu feiern: Vor 140 Jahren wurde ihr Bau genehmigt, seit 20 Jahren gibt es den Förderverein.
Früher tägliches Verkehrsmittel – heute Freizeitbahn
Wie Raphael arbeitet das gesamte Personal in der Bahn ohne Geld, denn die Ilztalbahn ist eine Freizeitbahn. Das war vor 40 Jahren anders: Manche Mitfahrer erinnern sich daran, als die Bahn ein tägliches Verkehrsmittel war. "Ich bin vor 50 Jahren als Schüler von Fürsteneck in die Berufsschule nach Passau gefahren", sagt ein Mitfahrer.
Doch dann wurde die Ilztalbahn als nicht mehr rentabel angesehen: Erst wurde im Jahr 1982 der Personenverkehr eingestellt, 2001 dann auch der Güterverkehr. Schließlich sollten die Gleise abgebaut und die Strecke in einen Radweg umgewandelt werden.
Förderverein sorgt für Erhalt der Bahnstrecke
Vor 20 Jahren hat der Förderverein Ilztalbahn verhindert, dass dies passiert. Mit enormem ehrenamtlichem Einsatz wurde der Zug wieder auf die Schiene gebracht. Seit 2011 fahren so Züge zwischen Passau und Freyung – aber nur an den Wochenenden zwischen Mai und Oktober. Mehr können die Ehrenamtlichen nicht stemmen.
Dabei wünschen sich nicht nur viele Fahrgäste der Ilztalbahn mehr Zugverbindungen. Eine Frau im Zug erzählt, dass es sich jeden Morgen auf dem Weg aus dem Bayerischen Wald nach Passau staut. "Eine Verkehrswende ist unbedingt nötig, hier ist zu viel Autoverkehr", sagt ein weiterer Fahrgast. Und eine Frau findet: "Die Parkplätze in Passau sind rar und teuer. Und für die Umwelt wäre es ideal."
Schuberl: Konzept für niederbayerische S-Bahn
Ideal fände das auch Toni Schuberl von den Grünen. Der Landtagsabgeordnete hat vor fünf Jahren ein Konzept für eine niederbayerische S-Bahn erstellt. Einige Gedanken daraus wurden auch umgesetzt, etwa die Reaktivierung der Waldbahn von Gotteszell nach Viechtach. "Es tut sich was im Bahnbereich, aber es ist zu wenig", sagt Schuberl. "Passau hat ein Riesenglück mit Schienenstrecken in alle Richtungen. Man müsste nicht viel neu bauen", sagt er.
Ein Regelbetrieb ist unrealistisch, widerspricht der Landtagsabgeordnete Josef Heisl von der CSU: "Wir sprechen von zig Millionen Euro, die investiert werden müssten. Wir haben keine beschrankten Bahnübergänge, auch das ist ein Problem." Zudem gäbe es wenig Rückhalt in den Orten im Landkreis Passau. Sie befürchten, dass sich der Busverkehr verschlechtern könnte.
Potentialanalyse gefordert
Kurz gesagt: Politisch steht das Projekt seit Jahren auf der Bremse – auch wenn es vom Freistaat vor drei Jahren 2,5 Millionen Euro Förderung für seine Infrastruktur erhalten hat. Statt einer Pro-Contra-Diskussion fordern die Macher jetzt eine Potentialanalyse. Das bedeutet, dass untersucht wird, wie viele Fahrgäste die Bahn nutzen würden.
"Wenn man besser zusammenarbeitet, sodass Bus und Bahn aufeinander angepasst werden, wie es andere Regionen Deutschlands machen, hätte das sehr viel Potenzial", sagt Zugbegleiter Raphael. Damit es Realität wird, arbeiten er und ein Team von etwa 100 Aktiven freiwillig und unbezahlt weiter. Sie hoffen, Weichen für die Zukunft stellen zu können.
Im Video: Mit der Ilztalbahn von Passau nach Freyung
Es ist eine der schönsten Bahnstrecken in Bayern: romantisch entlang der Ilz, durch Tunnel und Wälder - die Ilztalbahn von Passau nach Freyung.
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