"Manche haben mich für verrückt gehalten", sagt Josef Brandner. Der Busunternehmer hatte bereits 2018 überlegt, sein Unternehmen umzustellen - von Fahrzeugen mit Verbrennermotor auf Elektroantrieb. Die Haltung der Skeptiker war nachvollziehbar, schließlich galten Dieselmotoren bei Nutzfahrzeugen lange als erste Wahl - robust, kraftvoll und sparsam.
"Wir hatten damals auch keine Erfahrungswerte, wie viele Jahre beispielsweise ein Akku im Linienbetrieb hält. Es war schon ein gewisses Risiko", sagt Brandner. Denn die Kilometer-Laufleistungen der Busse liegen um ein Vielfaches höher als die eines gewöhnlichen Autos. Hinzu kommt die Ladeproblematik: ein Bus muss einsatzbereit und pünktlich sein.
Drei Stunden den Bus laden, dreihundert Kilometer fahren
30.000 Fahrgäste befördert BBS Brandner mit Sitz in Krumbach jeden Tag. Hundert rein elektrische Fahrzeuge besitzt das Unternehmen mittlerweile.
"An der Ampel kann man besser starten, sonst fährt es sich wie ein normales Fahrzeug", sagt Busfahrer Wolfgang Maaß. Ungefähr drei Stunden dauert es, bis die Akkus für eine Reichweite von 300 Kilometern geladen sind, sie stecken im Dach der Busse. Auf großen Monitoren lassen sich alle Ladestandorte der Firma auch in anderen Gemeinden überblicken.
Mit einem Klick kann man den Ladezustand aller Akkus prüfen und festlegen, wann ein Fahrzeug wie viel Strom bekommt. Denn nicht jeder Bus muss bald zur nächsten 300-Kilometer-Schicht aufbrechen und kann so langsamer und besonders schonend über viele Stunden hinweg geladen werden. Die schwankenden Strompreise kann das Unternehmen so für sich nutzen.
Elektrobusse drücken die Energiekosten
"Wir haben das Glück, dass wir etwa vierzig Prozent unserer Großbusse elektrisch betreiben. Die Auswirkungen der Dieselpreissteigerungen halten sich in Grenzen, zumal wir unsere Elektrobusse verstärkt einsetzen", sagt Brandner. Pro 100 Kilometer koste der Sprit für einen Dieselbus derzeit rund 65 Euro, der Strom hingegen schlage mit nur 30 Euro zu Buche. Schafft die Firma neue Fahrzeuge an, setzt sie fast ausschließlich auf Elektroantrieb. Sie setzt nur noch bei Reisebussen auf Diesel, denn in manchen Ländern fehle der Firma noch das Vertrauen ins Ladesystem.
Ein Grund für den Umstieg sei der gesellschaftliche Wandel hin zur mehr Umwelt- und Klimaschutz, so Brandner. Auch Fahrgäste betonen diesen Aspekt bei einer kleinen Umfrage im Bus. Außerdem betonen Sie, dass er leiser sei.
Großstädte bei E-Mobilität vorn
Rund 4.800 Busse mit vollelektrischen Antrieben rollten Ende 2025 auf Deutschlands Straßen, in Bayern waren es knapp 600. Das zeigt der "E-Bus-Radar 2026" der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). In Großstädten wie München oder Nürnberg sind Elektrobusse schon verbreitet.
Die Anschaffungskosten liegen mit rund 600.000 Euro etwa doppelt so hoch wie die eines Dieselbusses. Dazu muss in die Ladeinfrastruktur oder in Netzanschlüsse investiert werden. Bayern oder der Bund unterstützen deshalb mit Hilfen. "Ein Markthochlauf ohne Förderprogramme wäre für die Unternehmen nicht finanzierbar", zu dieser Einschätzung kommt der PwC-Bericht, der im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellt wurde.
Eigener Solarpark liefert Strom für Busse
Josef Brandner sieht sich mit seinen Elektrobussen auf dem richtigen Weg. Die EU schreibt den Einsatz sauberer Fahrzeuge bei öffentlichen Aufträgen vor. Bis Ende 2030 müssen rund ein Drittel der neu beschafften Stadtbusse emissionsfrei sein. "Wir haben bei den gesamten Kosten jetzt Gleichstand zwischen Elektro und Diesel. Aber in Zukunft wird es beim Verbrenner mit steigenden CO2-Abgaben deutlich teurer. Nicht zu vergessen, die Unsicherheit auf den Weltmärkten", so der Busunternehmer.
Im schwäbischen Thannhausen betreibt Brandner einen Solarpark mit rund acht Megawatt Peak-Leistung. Der liefere Strom für umgerechnet 150 Elektrobusse.
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