Wer ab 1. Juli 2027 eine 0,5 Liter-Flasche Spezi kauft, muss womöglich 16 Cent mehr bezahlen. Das sieht zumindest die geplante Zuckersteuer vor.
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Für fünf bis acht Gramm Zucker pro 100 Milliliter im Getränk kommen 26 Cent pro Liter Steuer hinzu. Ab acht Gramm Zucker, wie zum Beispiel bei Limo, Radler oder Spezi, sind es sogar 32 Cent pro Liter.
Brauerei in Augsburg: "Bürokratiemonster schlimmster Art"
Besonders mittelständische Betriebe dürften darunter leiden, befürchtet Sebastian Priller von der Riegele-Brauerei in Augsburg: "Die Steuer ist zum einen ungerecht, weil, wenn ich eine Zuckersteuer machen möchte, dann mache ich die auf Zucker und nicht nur auf Getränke", sagt der Geschäftsführer. Außerdem sei sie ein "Bürokratiemonster schlimmster Art", weil die Steuer alleine die Abrechnung "dermaßen kompliziert" machen würde.
Für Sebastian Priller ist die geplante Zuckersteuer deshalb ein Beispiel, wie statt Bürokratie-Abbau noch mehr verursacht wird. Und ob die Zuckersteuer dem Staat wirklich etwas bringe, bezweifelt er auch: "Also mir fällt kein anderes Wort ein als Skandal und ohne praktischen Verstand", erklärt er.
Die Bundesregierung plant jedoch, trotz der geplanten Zuckersteuer bestimmte mittelständische Unternehmen zu entlasten: Durch eine Ausnahmeregelung sollen kleine Getränkeproduzenten, die bis zu eine Million Liter im Jahr produzieren, von der Steuer befreit werden. Die EU muss dem Vorschlag noch zustimmen. Das träfe aber offenbar sowieso nur auf ganz wenige zu, so Priller.
Rund drei Euro zusätzlich pro Kasten
Klassisches Bier enthält keinen zugesetzten Zucker und ist von der geplanten Abgabe befreit, genauso wie alkoholfreies Bier. Auch Fruchtsäfte oder Schorlen fallen nicht unter die Steuer, da sie nur aus Fruchtsaft und Wasser bestehen.
Anders sieht es aber bei Radler oder anderen Bier-Mischgetränken aus: Für einen Kasten mit 20 Flaschen würde die Zuckersteuer rund 2,60 Euro betragen. Bei Spezi oder Limo müssten die Verbraucher sogar 3,20 Euro zusätzlich bezahlen.
Bauernverband: "In keiner Weise gesundheitsfördernd"
Auch der Bayerische Bauernverband (BBV) kritisiert, dass die Zuckersteuer vor allem drei Dinge bringe: "Bürokratie, Verdruss und Wettbewerbsnachteile für die heimischen Erzeuger". Hinzu komme, dass dadurch möglicherweise der Verbraucher zu künstlichen Süßstoffen gelenkt werde. "Das ist aus meiner Sicht in keiner Weise gesundheitsfördernd. Und man schädigt die heimische Zuckerwirtschaft'", erklärt dazu der BBV-Präsident Günther Felßner auf BR-Anfrage.
Südzucker befürchtet, dass Hersteller künftig mehr Süßstoffe einsetzen
Ähnliche Befürchtungen äußert auch die Südzucker AG, die in Bayern drei Standorte hat. Das Unternehmen hat Sorge, dass die Getränkehersteller künftig mehr Intensiv-Süßstoffe einsetzen, um damit unter die Steuergrenze zu fallen.
Für Verbraucher würde das dann bedeuten, dass die Auswahl an Getränken, die ausschließlich mit dem natürlichen Nährstoff Zucker hergestellt werden, sinke, erklärt das Unternehmen. Nach ersten Schätzungen der gesamten Zuckerbranche werde sich der Bedarf an Zucker um etwa 200.000 Tonnen reduzieren.
Umfrage: "Ich finde es eigentlich gut"
Doch was sagen eigentlich die Verbraucher dazu? Nicht alle sehen die Einführung einer Zuckersteuer so kritisch wie so manche bayerische Unternehmer. Das zeigt zumindest eine Umfrage in Nürnberg: "Also ich würde tatsächlich nicht darauf verzichten", erklärt etwa ein junger Mann. Ein anderer berichtet: "Ich trinke schon jetzt wenig, auch wegen des hohen Zuckergehalts. Weil ich einfach festgestellt habe, dass mir diese Süßgetränke nicht unbedingt guttun. Deswegen ist es egal für mich, aber ich finde es eigentlich gut". Zwei andere Passanten sagen, dass sie kein Problem damit hätten, künftig etwas mehr zu zahlen.
Gesundheitsministerin Gerlach: "Zuckersteuer wichtiger Schritt"
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach sieht die Einführung der Zuckersteuer hingegen grundsätzlich positiv. Schließlich sei längst erwiesen, dass der regelmäßige Konsum von zuckerhaltigen Softdrinks im Zusammenhang mit Übergewicht, Diabetes und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen stehe. "Die Zuckersteuer ist ein wichtiger Schritt. Denn sie ist ein Beitrag dafür, dass weniger Menschen stark zuckerhaltige Getränke konsumieren und damit gesünder leben", so die Ministerin.
Gleichzeitig fordert sie die Bundesregierung auf, die Einnahmen aus der Steuer vollständig für die Prävention und das Gesundheitssystem zu verwenden.
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