(Symbolbild) Ein Schüler sitzt mit Heft und Tablet an einem Tisch in der Schule
(Symbolbild) Ein Schüler sitzt mit Heft und Tablet an einem Tisch in der Schule
Bild
(Symbolbild) Jeder Schüler am Gymnasium soll in seinem Tempo lernen. Wer durchfällt, wiederholt nur bestimmte Fächer – so die Idee des BLLV.
Bildrechte: picture alliance / dpa | Matthias Balk
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / dpa | Matthias Balk
Audiobeitrag

(Symbolbild) Jeder Schüler am Gymnasium soll in seinem Tempo lernen. Wer durchfällt, wiederholt nur bestimmte Fächer – so die Idee des BLLV.

Audiobeitrag
>

Ende des klassischen Sitzenbleibens? BLLV setzt auf Lernmodule

Ende des klassischen Sitzenbleibens? BLLV setzt auf Lernmodule

Jeder Schüler am Gymnasium soll in seinem Tempo lernen. Wer durchfällt, wiederholt nur bestimmte Fächer – so die Idee des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Die Kultusministerin und der Philologenverband winken ab.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-1-Nachrichten am .

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband möchte weg vom Lernen im Gleichschritt. "Wir wollen Individualität fördern, nicht starre Vorgaben einhalten", sagt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. Auch am Gymnasium seien Klassen inzwischen sehr heterogen, für Lehrkräfte werde es immer schwieriger, Kinder und Jugendliche gemäß ihrer Schwächen und Stärken zu fördern. Helfen soll modulares Lernen. Heißt: Lernen passt sich den Schülerinnen und Schülern an, nicht umgekehrt.

Fächer können demnach nicht abgewählt werden – allerdings können von der siebten bis zur elften Klasse je nach Lerngeschwindigkeit und individueller Lebenssituation (Krisen, Krankheiten, zeitintensive Hobbys) Module belegt werden. In der fünften und sechsten Klasse bliebe das aktuelle System bestehen.

Wiederholen nur in den schwachen Fächern

Bislang gilt als Standard an bayerischen Gymnasien: Wer in zwei Fächern eine Fünf hat, fällt durch. Die Jahrgangsstufe muss wiederholt werden, in allen Fächern. Ob das Wiederholen hilft, darüber diskutieren Experten schon seit Langem. Auch hier soll das modulare System helfen.

Ein Beispiel: Schüler Paul hat in der achten Klasse in Latein und Mathe je eine Fünf und ist damit im klassischen Sinne durchgefallen. Im Modul-System müsste Paul aber nur Latein und Mathe der achten Klasse wiederholen. In den übrigen Fächern könnte er schon die Module der neunten Klasse bearbeiten. Er könnte also in vielen Fächern in seiner Klassengemeinschaft bleiben.

Jeder Schüler soll von einem Lehrer – einem Lern-Coach – betreut werden, der mit ihm gemeinsam die Wahl der nächsten Module bespricht. Sollte Paul auch in Englisch nicht ganz auf dem Leistungsniveau sein, könnte ein Brückenmodul helfen, Schwächen der achten Klasse auszugleichen, bevor das Englisch-Modul der neuen Klasse gewählt wird.

Kultusministerium sieht keinen Handlungsbedarf

Die bayerische Kultusministerin antwortet auf BR24-Anfrage, das neue neunstufige Gymnasium sei im breiten Konsens mit der gymnasialen Schulfamilie entstanden. "Aufbau und Konzept stoßen auf eine breite Akzeptanz bei Schülerinnen, Schüler, Lehrkräften und Eltern", so Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler).

"Es ist ein gutes System und daher besteht auch nicht der geringste Anlass für eine erneute Strukturdebatte." Gerade die letzten beiden Gymnasialjahre böten die Möglichkeit, eigene Interessen und Begabungen durch die Kurswahl abzubilden.

Philologenverband beklagt mangelnde Wertschätzung

Ganz ähnlich sieht das der bayerische Philologenverband (bpv). Verbandschef Michael Schwägerl sieht im BLLV-Vorstoß einen "eklatanten Mangel an Wertschätzung gegenüber der Arbeit der Lehrkräfte an den bayerischen Gymnasien". Es gebe bereits eine verstärkte Projektorientierung, auch eine gezielte Förderung finde an den Gymnasien statt, beispielsweise durch die individuelle Lernzeitverkürzung.

"Das System komplett zu verändern, halten wir für den völlig falschen Weg", so Schwägerl. Stattdessen solle der BLLV den Blick auf eine andere Stelle des Schulwesens richten. An den Grundschulen bestehe Handlungsbedarf. 94 Prozent der Gymnasiallehrkräfte der 5. und 6. Klassen seien der Meinung, das Leistungsniveau der Fünftklässler habe in den vergangenen Jahren abgenommen.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!