Die Kassen vieler Kommunen in Bayern sind klamm. Die Folge: Ausgaben werden gekürzt, wichtige Sanierungen verschoben. Dabei besteht gerade bei Schulgebäuden weiterhin hoher Investitionsbedarf. Dass der Weg zur neuen Schule kein leichter ist, aber machbar, zeigt die Stadt Marktoberdorf. Für rund 37 Millionen Euro ist dort die Grundschule St. Martin neu gebaut worden. Am selben Standort wie die alte. Im September 2025 ist das neue Haus bezogen worden. Es war lange umstritten, gilt jetzt aber in Fachkreisen als Leuchtturmprojekt.
Nach 15 Jahren Debatte kommt das neue Schulhaus
Schnell kam die Entscheidung für den Neubau aber auch in Marktoberdorf nicht zustande. Seit 2006 wurde in der Stadt diskutiert, wie es mit der Schule weitergehen soll: sanieren oder neu bauen? In der Zwischenzeit bröckelte es an vielen Ecken. Der Brandschutz: überholt, Fensterrahmen: durchgefault, die Heizung: ein Lotteriespiel. Lehrkräfte und Hausmeister mussten nach heftigen Regenfällen ausrücken, um Überschwemmungen in den Klassenzimmern vor Unterrichtsbeginn zu beseitigen. Am Ende schuf das Haus 2014 sozusagen selbst Fakten, berichtet Schulleiter Jörg Schneider: "Dann hat es aus dem Keller nach Mottenkugeln gerochen und das bedeutet Naphthalin und das ist in einer bestimmten Konzentration nicht mehr gesund." Da sei schnell klar gewesen, dass es auf einen Neubau hinauslaufe. Doch bis die Abrissbirne im Pausenhof stand, sollte es noch einmal sieben Jahre dauern.
Bröckelnde Schulen allerorten
Baufällige Schulen wie in Marktoberdorf sind in Bayern leider kein Einzelfall. Erst im vergangenen Jahr berichtete BR24 über die Grundschule Hirschau bei Amberg in der Oberpfalz. Dort war ein gekipptes Fenster aus dem Rahmen und auf ein Schülerpult gefallen – während des Unterrichts. Zum Glück wurde niemand verletzt.
Viel getan hat sich seitdem wohl nicht, zumindest haben weder Stadt noch Schulleitung auf BR-Anfrage Stellung bezogen. In einer Mitteilung der örtlichen SPD vom April 2025 wird die Schulleiterin zitiert: Bei ihrem Amtsantritt 2016 sei ihr von ihrem Vorgänger versichert worden, dass die Sanierung der Grundschule "in trockenen Tüchern" sei. Laut SPD kann die Stadt Hirschau die dafür veranschlagte Summe von rund 16 Millionen Euro jedoch nicht stemmen. Da helfe auch die Förderung der Regierung von knapp vier Millionen Euro nicht. In Hirschau wird wohl weiter herumgeflickt, statt im Sinne der Kinder den großen Wurf zu wagen.
Bauen oder sanieren muss sich die Kommune leisten wollen
In Marktoberdorf entschied man sich 2014 für einen Neubau. Knapp 80 Prozent der Kosten trägt die Kommune, den Rest übernimmt der Freistaat. Marktoberdorf konnte es sich leisten, sagt der scheidende Bürgermeister Wolfgang Hell: "Wir haben in den letzten Jahren auch eine ganz gute steuerliche Einnahmesituation gehabt, wir konnten die Schule bauen, ohne dafür Schulden aufzunehmen." Trotzdem ging erstmal nichts voran: Der Stadtrat war lange nicht bereit, das Geld für den Neubau und eine notwendige Ausweichschule zu bewilligen.
Neubau in Marktoberdorf sorgt für strahlende Augen
Doch seit vergangenem September ist das neue Gebäude fertig: Rund 400 Kinder finden nun in Schule und Hort Platz. Und sie sind begeistert von der Gestaltung des Hauses. Auch aus Sicht der Stadt ist die neue Grundschule äußerst gut gelungen: Die Architekten haben sich nicht nur an das pädagogische Konzept des Lehrkörpers gehalten und viele offene, gemeinsame Räume geschaffen. Sie haben gestalterisch Mut bewiesen und die Schule in vier Bereiche unterteilt: Jede Einheit ist ein Fünfeck, einer Wabe ähnlich, die Klassenzimmer sind um einen sogenannten Marktplatz angeordnet, durch großzügige Dachfenster ist alles sehr licht und hell bis ins Erdgeschoss. Sichtbeton und viel Holz wechseln sich innen ab, es wirkt auf Anhieb sympathisch und warm.
Die neue Schule ist ein Leuchtturm für das Ostallgäu oder sogar für ganz Bayern. Ein Ort, an dem Kinder sich nicht nur wohlfühlen, sondern auch gerne lernen. Und darum geht es doch.
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